Zypern-Krise befeuert deutsche Kauflaune

1. Mai 2013 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

von Frank Meyer – „Wir lassen uns das Shoppen nicht vermieh-hie-sen…! Keine Angst! Keine Angst! BumsFallera…!“ So oder so ähnlich springen die neuen GfK-Zahlen aus der Kiste. Das Konsumklima der Deutschen ist völlig überraschend von 6,0 auf 6,2 Punkte gestiegen. Wir wissen nicht, was es bedeutet, aber es ist der höchste Stand seit Oktober 2007. Dschingarassa Bumm! Bumm! Bumm!

In meiner kleinen Gemeinde ist der Teufel los. Es regnet. Das feiern wir!

Die Konjunkturdaten sind schlecht. Na und? Aber die Stimmung steigt. Oh ja! Sogar Zypern heizt hierzulande die Kauflaune an, heißt es aus dem Bericht. Ist diese monatliche Erhebung der GfK eine Art von Realsatire? Ich weiß es nicht, aber die GfK weiß auch, dass die Leute mit steigenden Reallöhne rechnen. Ich vermute, die meisten wissen gar nicht, was Reallöhne sind.
Oder hatte ein Schreibspecht in irgend einer Agentur-Schreibstube eine lange Nacht hinter sich?

Kaum gibt es das erste Grün draußen, drehen die Deutschen offenbar kollektiv durch und geben ihrem offiziell verordneten Kaufrausch freien Lauf. Shoppen gegen die eigene Krise im Geldbeutel soll helfen. Zumindest ist ihre Kauflaune so hoch wie lange nicht mehr, heißt es im monatlichen Bericht.

Gleichzeitig lesen wir Folgendes aus dem Amt für Statistik: Im März, Sie erinnern sich, die Stimmung war damals schon am Siedepunkt, gingen die nominalen Umsätze im Einzelhandel um 1,7 Prozent zurück. Reale Umsätze sanken um 2,8 Prozent. Wenn ich etwas zu sagen hätte, ich hätte die Minuszeichen in den Statistiken längst verboten. Die stören nur den Aufschwung. Ach, es gab ja zwei Verkaufstage weniger. Bereinigt um diese Effekt lagen die Zahlen auf unverändertem Niveau, real um 0,3 Prozent niedriger und das trotz so guter Konsumstimmung. Seltsam. Ach, da fällt mir was ein…

Welchen Tagen haben wir heute eigentlich? Den 1. Mai? Bei Wikipedia steht, es wäre der Tag der Arbeit. Deshalb haben wir frei. Der 1. Mai gilt auch als Kampftag der Arbeiterbewegung. Welche Arbeiterbewegung? Welche Arbeiter? Welche Bewegung?  Sind wir früher am 1. Mai nicht immer demonstrieren gegangen? Oder protestieren? Heute gehen wir shoppen!  Treffen wir uns vor der Zentrale der GfK? Zeitverschwendung! Prost!

„Die Zwangsabgabe in Zypern hat auch die bundesdeutschen Sparer in ihrem Vertrauen in die Sicherheit ihrer Einlagen erschüttert“, sagte GfK-Experte Rolf Bürkl. Deshalb auch die vielen Erdbeben in den Supermärkten und das leise Rascheln der Scheine an den Geldautomaten, während das Geld offenbar nicht im Einzelhandel angekommen ist… (Seite 2)

 

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7 Kommentare auf "Zypern-Krise befeuert deutsche Kauflaune"

  1. Bloody Mary sagt:

    Zynismus auf dem Siedepunkt präsentierte dazu gestern BILD online mit der Schlagzeile:

    „Deutschland wirft den Konjunkturmotor an.“

    In den Zeiten von Ludwig von Mises hätte man die Leute noch nicht so derb hinters Licht führen können. Crack- up- boooooooooooooom!

  2. cubus53 sagt:

    Die Deutschen würden weniger sparen, ist nur ein Spruch finanzpolitisch orientierter Propaganda. Bargeld wurde im grossem Stil abgezogen, weil die Anleger die Wiederholung eines zypriotischen Raubzugs befürchten. Wohin dieses Geld wirklich geflossen ist, ist auch wohl kaum auszumachen. Dass es im Einzelhandel gelandet sei, betrachte ich als einen netten Versuch, die verheerenden Folgen des Zyperndeals schön zu reden.

  3. rolandus sagt:

    Frank , hast Du denn noch gar nicht mitbekommen, dass die Sonne im Westen aufgeht, Schnee im August fällt und das das Merkel KEINE Brüste hat ????? ;-))))

    Herzlichen Dank für diese Zeilen, Du solltest Sie in die Metalwoche verlinken, ach quatsch, brauchst Du ja gar nicht, die Zeilen werden da ja mit einem Sahnehäubchen versehen.

    (Gestern nacht wieder eine richtige Antwort auf den aktuellen Goldpreis, während sich Versicherungsangestellte zieren ueberhaupt einen Preis zu nennen, und lediglich „dreistellig“ vermuten 😉

    Wenn die Sonne da unten nicht reicht, aus HH kommt ein bischen rueber
    rolandus grüßt

  4. Hansi06 sagt:

    Ja, es ist schon recht komisch, was so alles an Meinungen verbreitet wird. Wie gestern ein Artikel in der Welt … Unsere Aussichten sind grandios – warum jammern? … da redet der Autor schon von Vollbeschäftigung.

    Es ist scheinen Parallelwelten zu geben, in denen wir leben. Ein Dank an Frank Meyer für die erfrischenden Artikel.

  5. linsensuppe sagt:

    Du fragst wo sie hin sind, die Arbeiter, die Bewegungen, die Protestierer.

    Von wegen Proletarier aller Länder vereinigt euch.

    Hach heute stehen wir am Samstag vor Abercrombie und Fitch und kaufen dort überteuerte vergiftete Markenklamotten. Auch wenn auf dem Konto Ebbe ist, der Dispo geht noch.
    Hab eben gerade in der Mediathek einen Bericht über dieses Unternehmen gesehen. Würg.

    Irgendwie muss ich an Sodom und Gomorra denken. Die Welt ist bekloppt geworden und ich weiß nicht was dagegen noch helfen kann. Ich glaube mal, der Peak Bekloppteritis ist schon lange überschritten.

    Prost und Hallelulja

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