Zynismus als Allheilmittel gegen Probleme unserer Zeit

16. März 2014 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Zynismus gilt gemeinhin als eine Mischung aus Zypern und Sozialismus. Kommt er aus einer Zeitung, nennt man ihn auch Zypresse…

Beißender Spott ist heute eine besonders gute Methode zur Immunisierung vor allerlei Meinungsmüll, sinnlosen Umfragen, Nachrichten und Stimmungen, die als Werbegeschenke verpackt geliefert werden. Und ebenso ist Zynismus ein gutes Mittel gegen Langeweile an der Börse. Aber davon kann derzeit keine Rede sein, denn wir hatten auf dem Parkett unseren Hoeneß

Wegen ihm war diese Börsenwoche alles andere als langweilig. Kurz nach der Urteilsverkündung brach der DAX ein. Spöttelnde Händler vermuteten massive Verkaufsorders aus der Schweiz zur Begleichung von Steuerschulden.

Auch das Thema der Vollbeschäftigung wird auf dem Parkett zunehmend zynisch kommentiert, denn trotz voller Beschäftigung muss es nicht heißen, dass man davon heute auch leben können muss. Statistik fordert auch hier Opfer. Nein, die Forderungen kommen von anderswo. Deshalb wirken etliche Quartalsberichte von großen Konzernen bei näherer Betrachtung oft zynisch. Gemeint ist das Zustandekommen des Gewinns im Augenlicht der gehetzten Arbeitsweise von Vollbeschäftigten beispielsweise bei Post – und Paketdiensten.

Wie viel Punkte kostete eigentlich der Hoeneß den DAX? Keine Ahnung, aber Anleger hatten nach Expertenmeinung trotz der Lage auf der Krim den „DAX 10.000“ fest im Blick.

Als die Kanzlerin Russland mit Sanktionen drohte, brachen die Kurse vollends ein – und ich auf – um Vorräte an Kerzen, Teelichtern und Gas-Feuerzeugen aufzustocken.

Und wenn uns Russland das Gas abdreht, heize ich eben mit den heißen Gedanken der Experten und verfeuere ihre Kursziele. Notfalls schaltet man das Radio zu oder schaute alte Bundestagsdebatten auf Video. Das wärmt.

Oder man stellt auf Sarkasmus um – die scharfe Turbo-Variante vom Zynismus. Und davon gibt es derzeit reichlich Gründe, ihn zu benutzen. Was halten Sie hiervon? Die Senkung der Rundfunkgebühr um monatliche gigantische 0,48 Euro ist mehr als zynisch. Was tun mit diesem halben Euro? Es sich mal richtig gut gehen zu lassen? Die Hälfte sparen für spätere Erhöhungen? Aber Vorsicht, denn so viel Geld auf einmal macht sehr schnell sehr leichtsinnig.

Frank Meyer, Kolumne aus den Lübecker Nachrichten (Langfassung)


 

3 Kommentare auf "Zynismus als Allheilmittel gegen Probleme unserer Zeit"

  1. FDominicus sagt:

    Sie meinen Sarkasmus wie hier?
    http://blog.derherralipius.com/2014/02/nachster-halt-medien-darling.html

    Ja, ich glaube das kommt so ganz gut hin. Ich selber habe mich vor kurzem über die Friedensnobelpreisträger gewundert und geäußert, es wäre wohl zu hoffen Rußland bekommt ihn nicht als nächstes…..

  2. FDominicus sagt:

    Da editieren ja leider nicht geht hier noch mal Sarkasmus bis zum Abwinken.
    http://www.welt.de/debatte/kommentare/article125842215/Die-Krim-ist-verloren-ob-es-uns-passt-oder-nicht.html

    Herr Meyer, Sie wurden „mal wieder“ von der Wirklichkeit ein- und überholt. Jetzt geht dem groß(deutschen) Entschuldigung großeuropäischem Reich, die sicher geglaubte Beute von der Leine. Die schluchz, Welt kann so ungemein böse und ungerecht sein….

  3. bluestar sagt:

    FDominicus
    Vielen Dank für den Link zum Welt-Artikel von Jacques Schuster.
    Mein Gott, und da geben Leute Geld fürs Lesen von diesem Schwachsinn aus.
    Die Ukraine zur EU lautet der geniale Vorschlag und der Westen soll Stärke zeigen wie Kennedy zur Kuba-Krise. Notfalls ist ein Schlagabtausch angesagt.
    Solche Weichlinge und Schwachköpfe brauchen als erstes eine Windel wenn die Kugeln um die Ohren pfeifen.

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