Zwischenruf: Verrücktheiten aus der Knallfrosch-Ökonomie

1. August 2013 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

Glosse von Frank Meyer 

Was ist eine soziale Marktwirtschaft? Gibt es diese überhaupt? Wenn ja, gibt es dann auch eine a-soziale Marktwirtschaft? Ich meine ja. Woran erkennt man diese? An dem, was man alles so an Verrücktheiten erlebt?

Was gibt’s Neues? Nicht viel. Ich weigere mich mitten im Sommerloch beharrlich, über die Märkte zu schreiben und ziehe Badelöcher den Sommerlöchern vor. Zudem hatte ich Besseres zu tun – zum Beispiel Marmelade kochen. Sicherlich erinnern Sie sich noch an meine küchentechnischen Unfälle in dieser Angelegenheit im letzten Jahr. Die Flecken an der Wand habe ich erst mit Himbeersaft übermalt und dann ein schönes Poster darüber gehängt. So funktioniert es heute auch in der Realität – zum Beispiel bei den Banken.

Wer es nachhaltig mag, könnte heute in manches Schlagloch auch einen Baum pflanzen und das als neue und nachhaltige Öko-Strategie verkaufen und so Misserfolge zu Erfolgen umwidmen. Wir sind gerade am Anfang wie ich mit meiner Marmeladenkocherei.

Oh ja, diese Marktwirtschaft lehrt die Leute, das Falsche zu tun. So beobachte ich im Supermarkt gerade in diesen Wochen die Leute, wie sich sich überteuerte leere Marmeladengläser in den Korb legen und lache mich dabei fast schief. Heutige Marktwirtschaft funktioniert so, dass man ein Glas Marmelade kauft, den Inhalt weg kippt und das Glas mit neuer, selbst gemachter Marmelade füllt. Kommt billiger. Schmeckt besser. Ist effektiver.

Unsere Marktwirtschaft, oder das, was davon übrig geblieben ist, wird immer mehr von den Weltverbesserern geprägt. Man sollte hier vorsichtig sein. Neulich erhielt ich ein Päckchen von DPD. Das ist in etwa so etwas wie die Post, nur ökologisch angeblich besser. Auf der Verpackung stand, das Päckchen würde mir „klimaneutral“ zugestellt. Meine Blumen waren sofort enttäuscht und ich war verwundert, denn dass DPD-Auto kann nie und nimmer mit Wasser daher gefahren kommen. Wenn, dann war es Wasser mit Dieselgeruch.

Auch der Postbote sah quicklebendig aus. Vermutlich war er am Leben. Sollte das so gewesen sein, atmete er CO2 aus. Von wegen klimaneutral geliefert. Willkommen im Greenwashing! Es hat mitten in unserem Leben Platz genommen, einfach so, ohne dass es eingeladen wurde. Der heilige Birkenstock würde sich im Grabe umdrehen.

Ach, da war noch etwas mit dem Ökostrom bei der Bahn. Früher fuhr die Bahn pünktlich. Heute fährt sie grün bzw. zu 100 Prozent Ökostrom. Der Lokomotive ist das ziemlich egal und auch dem Zug, denn der wackelt deshalb nicht weniger. Aber in den Toiletten bekommt die Fauna eine Chance. Besonders in diesen Tagen. Die Bahn ist derzeit der größte Produzent von Eau de Dschungel, vor allem, wenn die Klimaanlagen auf Öko umschalten bzw. sich abschalten. Wie war das mit dem Biostrom? Ich frage mich, wie die Bahn in einer windstillen Nacht mit Ökostrom fährt, wenn es draußen dunkel ist. Sicherlich mit Bio-Steinkohle, erschaffen vor Millionen von Jahren aus ungespritzten Farnen und Bäumen.


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