Zwischen wollen und nicht können

4. August 2013 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

von Frank Meyer 

Macht Hitze aggressiv? Oh ja! Eine Studie im US-Fachblatt „Science“ belegt das jetzt ausführlich. Anders ist die aggressive Kaufstimmung der Deutschen im Juli und auch die Börse nicht zu erklären. Der GfK-Konsumklimaindex steht so hoch wie seit 2007 nicht mehr…

Erst standen mir die Schweißperlen auf der Stirn, dann tauchte ich den Kopf ins Waschbecken. Hallo? Habe ich richtig gelesen? Laut schallte es durch die Analyseabteilungen und Handelsräume: „Da simma dabei.. Das ist pri-i-ma!“Oh je… Am Donnerstag dann war der Jubel schon wieder vorbei. Die echten Umsätze im Einzelhandel sind eingebrochen. Natürlich völlig unerwartet und überraschend. Ein Blick vor die Tür hätte genügt, aber da war es ja so heiß den ganzen  Juli über.

Oh Wunder! Überhitzte Experten meinten alsbald, und das mit Nachdruck, sie wären jetzt noch viel optimistischer für das Konsumwunder in deutschen Landen. Die Stimmung ist ja so gut. Fast hätte ich die Wasserpistole gezückt oder mit Eiswürfeln geworfen. Vielleicht befragt ja die GfK nur die inzwischen eine Million Millionäre? Das würde doch einiges erklären.

Der Kaufrausch an der Börse war dagegen echt. Das Doping mit Billiggeld aus Notenbanken geht weiter. In Ewigkeit. Amen. Wohin mit dem Zaster? Die Deutschen besitzen Geldvermögen von fast fünf Billionen Euro. Abzüglich der Schulden bleiben ihnen 3,4 Billionen Euro und viel Geld zum Shoppen. Mehr Millionäre … mehr arme Schlucker. Der Aufschwung ist auch hier nicht zu bremsen.

Der Konsum lief so gut in den letzten Jahren, dass große Pleiten den Boom im Einzelhandel nur unterstreichen können: Karstadt, Praktiker, Max Bahr, Quelle, Hertie, MäcGeiz, Dayli, Loewe, Schlecker, Neckermann. Seltsam, dieser Riss zwischen Stimmung und Realität. Das ist in etwa so, als ob man sich im Supermarkt in guter Stimmung den Wagen optimistisch vollräumt – und dann an der Kasse nicht weiß, wovon man das alles bezahlen soll. Den Versuch war es aber doch wert!

© Frank Meyer, Kolumne aus den Lübecker Nachrichten


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2 Kommentare auf "Zwischen wollen und nicht können"

  1. samy sagt:

    „…und dann an der Kasse nicht weiß, wovon man das alles bezahlen soll. “

    Mach’s wie Ben. Nimm die Kreditkarte. 🙂

  2. Michael sagt:

    Stimmt, ungedeckte Konsumschulden machen. Einen Hypothekarkredit von der Nachbarin (sie bezieht eh schon Rente – AAA würdig) in eine Schuhschachtel packen, tangieren und dem Herrn Asmussen in die Hand drücken. Der verkauft ihn der Landesbank die den Hypothekarkredit hält.

    Und sie fragen sich wo ihr Geld zum Einkaufen abgeblieben ist? Anstatt es selbst im Kaufhaus auszugeben finanzieren mit selbigem die Risken des Ablebens der Nachbarin und die Rente die sie zur Rückzahlung des Hypothekarkredits benötigt. Denn ihre Konsumschulden zahlt keiner mehr am Ende. Das geht gar nicht, außer die DEM2 wäre die neue Leitwährung.

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