Zwischen Halloween und Hallowahn

31. Oktober 2010 | Kategorie: RottMeyer

(Kolumne aus den Lübecker Nachrichten)Dank dicker Unternehmensgewinne ist der DAX in dieser Woche noch weiter geklettert. Die meisten Firmen sind gut unterwegs und haben ihre Kosten im Griff. Viele Arbeitskräfte wurden in der Krise durch Leute aus dem boomenden Billiglohnsektor oder durch Leiharbeiter ersetzt…

…oder sie wurden „rückgebaut“. An diese neuen Begriffe sollte man sich gewöhnen. Entlassungen gibt es ja heute nicht mehr. Auch der „Arbeitslose“ wird immer seltener. Jetzt sank die Zahl dieser Spezies auf den tiefsten Stand seit 20 Jahren. Politiker reden vom „Jobwunder“ und glauben auch noch daran. Sind das nicht gute Nachrichten? Ich suche nur noch den Planeten, für den diese Botschaft zutrifft. Der DGB rechnet nach, dass es 4,5 Millionen „Arbeit suchende Menschen“ gibt und acht Millionen Hartz-4-Empfänger.

Seit nunmehr einer Woche versteckt sich der Autor dieser Zeilen unterm Schreibtisch. Nicht dass es dort angenehm wäre – es ist nur die Angst vor den vielen Nebelkerzen, die die Sinne betören oder verstören. Nach „Halloween“ steht am Mittwoch „Hallowahn“ auf der Agenda der Finanzmärkte. Wie bitte? Nun, das ist der Termin, an dem die US-Notenbank ein weiteres Kapitel in der „Zombifizierung“ der Finanzen beschreitet. Dann entscheiden sie, wie schnell sie die Gelddruckmaschinen rotieren lassen.

Und sie werden behaupten, es täte der Wirtschaft gut. Welch Mumpitz! In Wirklichkeit manipulieren sie die Zinsen und finanzieren Staatsschulden über die Druckerpressen. Geld aus dem Nichts. Ist es nicht schön, wenn die Preise an den Börsen dann weiter steigen? Am besten bleibe ich unterm Schreibtisch sitzen.


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