Zwei neue Hindenburg-Omen

25. September 2014 | Kategorie: RottMeyer

von Robert Rethfeld

Am Donnerstag und Freitag vergangener Woche notierten wir zwei Hindenburg-Omen. Eine Vielzahl von Indikatoren „klingelt“, wenn der Markt einen unteren Wendepunkt erreicht hat. Hingegen sind vernünftige Indikatoren für ein Markthoch dünn gesät. Das Hindenburg-Omen – benannt nach dem deutschen Luftschiff, das über New York im Jahr 1937 in Flammen aufging – ist ein vergleichsweise zuverlässiges Signal.

Die Betrachtung der Signale seit Juli 2013 (folgender Chart) zeigt die Zuverlässigkeit, aber gleichzeitig auch eingeschränkte Bedeutung dieses Signals in Aufwärtsmärkten auf.

20140925hindenburg_0

Im August 2013 kam es zu mehreren Hindenburg-Omen. Das Signal war in Ordnung, der Markt korrigierte. Auch die Signale aus dem Dezember 2013 wiesen korrekt auf die Januar-Schwäche im Dow Jones Index hin. Gleiches gilt für die kleine Korrektur im Mai. Dem aktuellen Signal (zwei Hindenburg-Omen am 18./19. September) folgte ein schwacher Wochenbeginn. Ein Omen kann in intakten Aufwärtstrends auftreten. In einem solchen Fall sendet es lediglich ein Korrektursignal.

Natürlich können ein oder mehrere Hindenburg-Omen (je mehr, desto klarer) eine große Korrektur, einen Bärenmarkt oder einen Crash ankündigen. Beispiele dafür finden sich in den Jahren 1987, 2000 oder 2007.

Aber: Seit dem Jahr 1966 zählen wir 163 Hindenburg-Omen. Dies ergibt einen Durchschnittswert von 3,3 Hindenburg-Omen pro Jahr. Allein schon das häufige Auftreten eines Hindenburg-Omens im Vergleich zur geringen Zahl der Börsenkräche schließt aus, dass jedes Hindenburg-Omen einen Crash nach sich zieht.

Was macht dieses Omen so besonders? Es ist seine intelligente Konstruktion. Mehrere Erkenntnisse werden miteinander verknüpft. Drei Bedingungen müssen erfüllt sein, damit ein Hindenburg-Omen ausgelöst wird. Zum einen muss der Aufwärtstrend intakt sein. Dafür sorgt der steigende 50-Tages-Durchschnitt des NYSE-Index. Zusätzlich muss es im Motorraum des Marktes bereits grummeln. Mit anderen Worten: Der Anstieg des NYSE-Index wird lediglich von einer vergleichsweise geringen Anzahl an Aktien getragen. Der Großteil der Aktien schwächelt bereits. Für diese Bedingung bildet ein negativer McClellan-Oszillator die ideale Grundlage. Und schließlich muss die Zahl der neuen 52-Wochen-Hochs und –Tiefs auf einer Ebene liegen (so etwa 75 neue Hochs und 75 neue Tiefs oder darüber). Damit wird sichergestellt, dass eine unentschiedene Marktsituation herrscht.

Puristen werden darauf hinweisen, dass noch eine vierte Bedingung erfüllt werden muss: Die Zahl der neuen 52-Wochen-Hochs darf nicht mehr als doppelt so hoch sein wie die Zahl der neuen 52-Wochen-Tiefs. Sie haben recht. Es kommt jedoch in der Praxis sehr selten vor, dass gerade diese Bedingung ein Omen negiert.

Das Omen tritt also nur auf, wenn der Aufwärtstrend noch intakt ist, wenn es unter der Motorhaube bereits brennt und wenn die Marktsituation noch unentschieden ist. Eine solche Situation kommt nicht so häufig vor.

Das Jahr 2007 war ein geradezu mustergültiges Hindenburg-Jahr. Die Omen gruppierten sich jeweils um bedeutende Hochs herum (folgender Chart).

20140925hindenburg1987

Damals halfen uns die Omen, uns im Hinblick auf die bevorstehende Finanzkrise zu positionieren.

Heute sind die Omen zunächst nichts weiter als ein Warnsignal. Interessanterweise wird deren Auftreten vom sogenannten SKEW-Index gestützt. Die CBOE nutzt für diesen Index Handelsinformationen von Out-of-the-money-Optionen. Je höher der Index, desto stärker ist die Rückschlagsgefahr (folgender Chart).

20140925skew

Im Vorfeld der Januar- und Juli-Korrekturen dieses Jahres hatte der Index jeweils ein wichtiges Signal ausgesendet (siehe Pfeile folgender Chart). Verfolgen Sie diese Signale in unserer handelstäglichen Frühausgabe.

Robert Rethfeld – Wellenreiter-Invest


 

Schlagworte: , , ,

Schreibe einen Kommentar

Sie müssen eingeloggt sein, um einen Kommentar schreiben.