Zwangssparen: Staatsanleihen für Dummies!

31. Januar 2014 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Es hat nicht lange gedauert, da tauchen nach der Prokon-Pleite nun erste Forderungen auf (oder Späße?), die privaten Sparer müssten endlich vor sich selbst geschützt werden. Logisch!

Für sie taugen nur Staatsanleihen, schreibt die Wirtschaftswoche.

Willkommen im Nanny-Land! Nichts bleibt künftig dem Zufall überlassen, denn Verbraucher und Anleger sind einfach zu doof. Da helfen auch keine Beipackzettel mit so vielen, na wie sagt man, Buchstaben im Kauderwelsch-Style.

Beipackzettel in unserer Welt konnten weder die Zahl der Medikamentenvergiftungen noch den Zucker – und Fettverbrauch reduzieren. Nach wie vor kann man die Leute in Sachen Finanzen einfach übers Ohr hauen. Der Boden der Unwissenheit ist sehr fruchtbar.

Mit dem Prokon-GAU, einige andere Unfälle werden noch folgen, schlägt die Stunde für Weltverbesserer. Niklas Hoyer scheint ihnen zugeneigt zu sein, denn nicht anders lässt sich erklären, dass er in der Wirtschaftswoche fordert, Privatanleger sollten nur noch in Staatsanleihen ihre Ersparnisse anlegen. Und dann geht es zu meinem Erstaunen und höchster Berauschung vollends mit ihm durch. Oder war es feiner Zynismus?

Bestechend einfach ist sein Rezept zur Vermeidung von Verlusten: Der sich immer Geld borgende Staat habe die passenden Anlageprodukte doch selbst im Angebot – mit sicheren Zinsen, eine sichere Sache. Risiken und Nebenwirkungen? Unbekannt. (Quelle)

Da stimmen wir vollumfänglich zu, doch nehmen wir ihm das alles nicht ganz ab. Leiser Protest durch die Blume gesprochen?

Lebensversicherer haben schon erkannt, dass Staatsanleihen die einzig sinnvolle Geldanlage sind.

…und feiner Humor, auch die Forderung nach einem Schutzschirm für Sparer vor sich selbst. Das Rezept ist einfach und bahnbrechend… Wenn jemand für 10.000 Euro Daimler-Aktien kaufen will, dann sollte dieser Investor die gleiche Summe auf einem Sperrkonto vorhalten – als 100prozentige Absicherung. Für Gold empfiehlt er sogar 200 Prozent Puffer. Er ergänzt seine Analyse um die erstaunliche Frage, ob ein Kilo wirklich ein Kilo bliebe.

Meyers Money-Fest: Über den täglichen Wahn und Sinn an den Kapitalmärkten

Warum 200% Absicherung? Die Erklärung erscheint mir einfach: Weil Gold unter Umständen auch auf minus 1.250 Dollar fallen könnte? Und dann käme ja eine Art von Nachschusspflicht in Spiel. Oder so ähnlich wie am Terminmarkt. Nein, das muss ein Missverständnis sein, aber lustig!

Ein Einwurf und Grüße von Kollegen Rott… 200 Prozent Absicherung auf Gold haben einen tieferen Sinn – nämlich dann, wenn die „Absicherung“ nur noch die Hälfte wert ist 🙂

Staatsanleihen hingegen sind verlässlich, für sie muss kein Geld vorgehalten werden. Jeder einigermaßen verständige Anleger dürfte unter solchen Umständen die richtige Wahl treffen. Entweder er kauft Staatsanleihen selbst oder lässt sie sich – ganz bequem – vom Lebensversicherer seines Vertrauens besorgen.

Doch Herr Hoyer hat Recht in dem Punkt, dass die Leute wirklich wenig wissen. Niemand bringt ihnen etwas bei – und sie hegen selbst auch kein großes Interesse. Ist das nicht gut? Wer sagte einst…

Gedanken sind mächtiger als Waffen. Wir erlauben es unseren Bürgern nicht, Waffen zu führen. Warum sollten wir es ihnen erlauben, selbständig zu denken?

Googeln Sie mal…

Das funktioniert hervorragend. Anders ist nicht zu erklären, warum jährlich Milliarden im grauen Kapitalmarkt verschwinden – oder auch selbst nach der Eröffnung des Insolvenzverfahrens bei Prokon Angestellte und Anleger ihren Prokon-Chef haben hochleben lassen. Acht Prozent Rendite scheinen das Urteilsvermögen stark in Mitleidenschaft gezogen zu haben. Von daher würden kaum verzinste Staatsanleihen, und diese zwangsgespart, jede Synapse schnell abkühlen lassen…

Soweit zu lesen war, haben selbst inmitten aller Turbulenzen die Prokonianer noch Genussscheine gezeichnet. Auf der Internetseite des Unternehmens waren viele positive Kommentare zu lesen. Mal sehen, ob die Stimmung der Genussschein-Inhaber so positiv bleibt. Aber darum soll es nicht gehen, sondern darum, dass spätestens mit Prokon der Beweis geliefert wurde, dass man die Leute vor sich und ihren möglichen Verlusten schützen muss. Und Prokon ist überall!

Da ist sie schon, die Bundesregierung. Nach der Kabinettsklausur in Meseberg hieß es, dass Kleinanleger künftig besser vor riskanten Finanzprodukten geschützt würden. Nach Informationen der Süddeutschen Zeitung prüft die große Koalition auch ein Verbot für den Verkauf riskanter Finanzprodukte an Kleinanleger. Einschränkungen beim Vertrieb sind bereits länger im Gespräch. Ich bin gespannt, ob damit auch die herkömmlichen Sparformen gemeint sein könnten. Müssen wir künftig Griechenland-Anleihen zeichnen? Ach, das war ein anderes Blatt.

Vermutlich finden viele die Idee des Zwangssparens in Staatsanleihen zielführend. Hoyer schrieb nur das, was andere in weit höheren Kreisen längst schon leise denken. Wir leben in Zeiten fortschreitender Regulierung. Verständlich, dass Verbraucher geschützt werden wollen. Schließlich schwimmen überall Finanzhaie herum. Ihnen lässt sich mit Überlegenheit bzw. Wissen beikommen. Doch wer will das schon?

Deshalb steigt die Zahl derer, die vor sich selbst geschützt werden müssen mit lauteren Rufen nach noch mehr Regulierung. Gleichzeitig arbeitet hierzulande eine Million Arbeiter im Weinberg der Finanzindustrie und verkauft gerne die sauren Reben unters Volk. Was da alles als Giftmüll über die Theke gewandert ist… Offene Immobilienfonds als Spargeldersatz, seltsame Kobold-Konstrukte für etwas mehr Zinsen, kollabierende Zertifikate und Super-Fonds. Die Finanzindustrie lebt davon, Leute mit Geld zu finden und besser noch viele dumme Leute mit viel Geld. Da Geld in der Masse der Leute knapper geworden ist, und gleichzeitig die Leute in Sachen Finanzen dümmer, gleicht sich beides hervorragend aus. Was für ein hübscher Fischteich, sagt der Angler…

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Finanzielle Repression

Sind Staatsanleihen sicher? Es scheint (noch) so. Was für eine Party in den letzten Jahren. Es regnete Prozente, die Kurse der Anleihen kletterten stärker als die Aktienkurse. Man sollte die Party besser verlassen haben, bevor sie endet. Die meisten wussten gar nicht, dass sie auf einer Party weilten, denn die Cocktails waren kostenlos.

Finanzielle Repression soll neue Nachschuldner in die Niedrigzins-Disco drängen. Wenn irgendwann nur noch Staatsanleihen gekauft werden dürfen, sicherlich mit einem flotten Werbespruch: „Halt Du sie dumm, ich halt sie arm…“ Der Aberglaube, Staatsanleihen seien sicher, hält sich hartnäckig, nachdem sie jahrzehntelang immer teurer geworden sind. Werden sie das künftig auch? Wir wissen es nicht, halten es aber für wenig wahrscheinlich. Man wird die Zinsen eine Weile noch künstlich auf tiefem Niveau halten, was zu anderen Verwerfungen führen wird.

Prokon hatte schon einen Vorteil, wenn auch nicht für die 75.000 Anleger. Für drei Minuten ist die Lernkurve gestiegen, um schnell wieder ihren Abwärtstrend aufzunehmen. Und das ist gut! Nur dumme Leute kaufen dumme Produkte. Heute wird beklagt, dass niemand vor Prokon gewarnt habe. Und später wird es heißen, wie man Staatsanleihen als sicher bezeichnen konnte. Bis dahin gilt: Ich kaufe keine künftigen Schrottpapiere!


 

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8 Kommentare auf "Zwangssparen: Staatsanleihen für Dummies!"

  1. FDominicus sagt:

    Was schrieb PPQ als Meister der Satire:

    wenn die realität reine satire ist, hat satire dem nichts mehr hinzuzufügen
    es ist eine tragödie für jeden zyniker

    siehe http://www.politplatschquatsch.com/2014/01/verbot-der-woche-lukrative.html

    In der Tat….

  2. Skyjumper sagt:

    Also ich finde ja Prokon ein herrliches Beispiel warum gar nichts weiter geregelt zu werden bräuchte.

    Zunächst einmal stellt man selbst beim Querlesen der Anlageprospekte von Prokon sehr schnell fest, dass die Risiken ziemlich umfassend, ja fast schon brutal beschrieben worden sind. Wer da nun behauptet er wäre nicht aufgeklärt worden müsste zur Strafe noch mit einer Nachschusspflicht belegt werden.
    Desweiteren hat es bei Prokon zwar schwerwiegende Fehlinterpretationen der Geschäftsführung gegeben, aber grundsätzlich gesehen begrüsse ich das Geschäftsmodell, besser gesagt Finanzierungsmodell, sehr. Und den Gnadenschuss haben sich die Anleger bei Prokon letztlich selbst gegeben. Wenn 75.000 Anleger mit je einem Steinchen eine Burg bauen wollen und 37.500 ziehen plötzlich ihre Steinchen zurück, dann bricht die Burg ein. So einfach ist das letztlich, und auch darauf wurden die Anleger hinreichend hingewiesen.

    6-8 % Renditeaussicht, bei zeitgleichen Angeboten von 0,5 bis 1,5 auf Tageskonten, beinhalten nun einmal eine Risikovergütung (so sie denn zur Auszahlung gelangt) von ca. 6 %. Und bei dieser Höhe der Risikovergütung ist es nicht unwahrscheinlich das es eben tatsächlich „Peng“ macht.

    Wer tatsächlich meint, dass Menschen davor geschützt werden müssen, der sollte ehrlicherweise auch konsequent sein und den Menschen gleich jegliche Eigenverantwortung absprechen, ihnen lediglich ein Taschengeld zuteilen und dafür eine geeignete Beschäftigung aufoktroieren. Ganz so wie man das auch mit Kindern macht denen man noch nicht die Mündigkeit zuspricht selbst über ihr Leben zu entscheiden.

    Willkommen in der Matrix.

  3. Michael sagt:

    Fahr mit im Knallroten Autobus! Wir haben noch viel Platz für Hund und Katz und Spatz. Wer hat denn Alternativenergien gepushed? Staatsanleihen kaufen heißt den Bock zum Gärtner machen, respektive den Pfau.

    In den US ist es der Bürger ohne Unternehmenspension, in U.K scheint ähnliches angedacht zu werden. Unternehmen sollen von Mitarbeiten einheben und in Staatsanleihen investieren … vermutlich über Pensionsfonds. Finanzierung der eigenen Pensionen über Ausweitung der Staatsschulden. Zwangsanleihe.

    Jeder macht seine Erfahrung

    Reise, Reise Seemann Reise
    Und die Wellen weinen leise
    In ihrem Blute steckt ein Speer
    Bluten leise in das Meer
    Die Lanze muss im Fleisch ertrinken
    Fisch und Mann zur Tiefe sinken
    Wo die schwarze Seele wohnt
    ist kein Licht am Horizont
    Ahoi
    (Rammstein, Reise, Reise)

    Wie war das nochmal mit den Reedereien und den Frachtschiffen :). Haben da nicht die Anleger geblutet und die Banken waren fein raus? Ahoi.

    Egal. Prokon wie jedes andere Unternehmen entledigt sich der Verbindlichkeiten, käme mir mal in den Sinn. Will nicht sagen, dass es auch so ist. Wäre auch nicht ungewöhnlich. Selbst wären Prokom Aktien – neben den großen Schiffen in den Indizies gibt es mannigfaltig Broken Heros. In den U.S. gibt es Aktien von Unternehmen, die sogar notieren an irgendwelchen Börsen, dass hochinnovative Schuppen in Holzhütten – etwas überspitzt formuliert. Wer die eine Aktie von vielen hat die selbst Jahren Tumpelei aufeinmal Aufsteigt hat gewonnen – Streuung. Dazwischen ist ein Tiefes dunkles Tal. Das spielen oft exogene Faktoren eine Riesen Rolle. Gesetztesänderungen usw….

    Sind Genussrechte so etwas wie die Genusscheine? Solch gewagte Investments wurden früher als ‚Steuersparmodelle‘ zur Befeuerung von Umwegrentabilität vermarktet. Liftanlagen in Schigebieten beispielsweise – frühe 80er.

    Zum Sparen. Der Vorteil von Sparen und sei es das Sparbüchlein ist einfach. Das Geld wird nicht ausgegeben für Firlefanz und Klitterkram. Das ist mal wesentlich. Alles andere ist nachher.

    Der Weg ist sich stetig ein Depot aufzubauen. Am Anfang ist der Weg der zählt. Der Mensch gibt für die Lebenshaltung das Einkommen aus und nicht das Sparguthaben. 7% in 10 Jahren sind in etwa eine Verdopplung. Selbst ein Mischfonds wie Kapital und Wert hat das vom Crash bis heute geschafft. Wenn man ein wenig beobachter zuvor, der Zeitpunkt kommt.

    Es Bedarf ja Streuung. Mit ein paar 10k kann man nicht streuen. D.h. aber nicht, dass man nicht gemütlich bei niedrigem Niveau einsteigen kann. Je günstiger gekauft wird, desto breiter ist man mit dem selben Betrag aufgestellt. Mal davon abgesehen, dass Buy and Hold nurmehr sehr bescheiden geht, aber auf lange Sicht sorgt allein die Inflation für das Ansteigen der Aktienkurse … solange Aktien noch als Realwerte können gesehen werden. Beim Dealen ist Arbeit im Spiel. Es ist genauso falsch, Geld das man fürs Leben braucht auf Sicht zu investieren, vor dem schützt die Staatsanleihe nicht. Wenn man die Pension vor Augen hat, die Kinder bei der Tür draußen sind und noch 15 Jahre verbleiben bis zum Alter, dann ist es bald genug intensiver Geld auf die Seite zu legen in Mitteleuropa. Ein billiges Leben im Schoße einer großen Familie ist wesentlich attraktiver, wenn die Familie zusammenhält. Ein Apfelbaum im Garten trägt Früchte – genauso. Egal wieviel Geld man liegen hat, die Äpfeln kommen unabhängig davon.

    Eine Staatsanleihe im selben Währungsraum ist an sich sinnlos. Man zahlt sich die Zinsen selbst.

  4. bluestar sagt:

    „Nur dumme Leute kaufen dumme Produkte“
    Da sich Dummheit, Verblödung, Unselbständigkeit, Oberflächlichkeit, Obrigkeitsgehorsam, Naivität und infantiles Verhalten auf dem unaufhaltsamen Wachstumskurs befinden muss ein
    starker Staat her, der alles reguliert und kontrolliert.
    Obwohl die Mehrheit der Staatsdiener mindestens genauso dumm ist wie die Dummen, glauben die Dummen an die Klugheit und Allmacht des Staates.
    Die unheilvolle Sprengkraft des selbständigen Denkens der Menschen hatte schon Genosse Stalin gefürchtet.
    Die aktuell Herrschenden müssen sich nicht fürchten, alles läuft bestens nach Plan.
    So macht Herrschaft richtig Spaß, zumal die Beherrschten auch noch an den Staat glauben wie kleine Kinder an den lieben Weihnachtsmann.
    Willkommen im vormundschaftlichen Staat oder Maßregelvollzug.

    • wolfswurt sagt:

      bluestar, es gibt vom Fernsehen der DDR die Serie „Stülpner Karl“, welche die Strukturen der Obrigkeit gegen Untertan sehr gut darstellt.
      Diese Mechanismen sind immer die gleichen, egal wie sich ein System bezeichnet.
      Insofern ändert sich an den Verhältnissen nie etwas, ob durch Revolution oder Krieg.
      Das Funktionsprinzip bleibt.

      Einzig in der Macht des Einzelnen über sich selbst, nach dem Erkennen der Funktionsmechanismen, liegt die Chance zur Distance gegenüber der Macht.
      Das befreit vom Druck, welche jene Dummköpfe der Obrigkeit ausüben.
      Dumm ist Obrigkeit immer!!! sonst wäre sie keine.

  5. Avantgarde sagt:

    Mir erschließt sich nicht so ganz was die private Einzelmeinung des Herrn Hoyer mit Zwangssparen zu tun haben soll……
    Und den Hinweis auf Stalin ist mir dann doch etwas zu Dicke.

    Daß der Herr Hoyer ab und zu seine Meinung ändert mag ihn als Mitglied der Infotainmentgruppe entlaven – sei es drum – derer gibt es unzählige.
    Der ARD Börsenbericht mit dem die 97% Nicht Aktienbesitzer täglich Zwangsbeglückt werden ist auch nicht besser.

    Die Spekulanten der Prokon haben halt Pech gehabt – nicht, daß ich da besonderes Mitleid empfände – eine hohe Rendite impliziert nun mal ein hohes Risiko.
    Aber selbst ohne Rendite: Edelmetalle zur falschen Zeit gekauft können ein Vermögen bekanntlich ja auch deutlich dezimieren.
    So gesehen waren Staatsanleihen in den vergangenen Monaten gar nicht so schlecht – müssen ja nicht unbedingt griechische sein.
    🙂

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