Zuviel ist nicht genug!

7. September 2015 | Kategorie: RottMeyer

von Mack & Weise (Homepage)

Am 24. August erlebten die Börsen ihren turbulentesten Handelstag seit der Lehman-Pleite im Jahr 2008 – angeführt vom spektakulären über 1.000-Punkte-Rutsch des Dow Jones-Index gleich zur Handelseröffnung. Hinter den Kulissen des volatilen Tages spielten sich aber die wirklich bedeutsamen (Illiquiditäts-)Dramen ab, die zeigten, dass es im Falle des Falles in den inzwischen vom Hochfrequenz- und Derivatehandel manipulierten Märkten auch mal gar keine Käufer … zu keinem Preis mehr gibt!

So kam es während der US-Börsensitzung bei 1.278 US-Aktien zu Handelsunterbrechungen, das »Angstbarometer«, der US-Volatilitäts-Index, konnte eine halbe Stunde lang gar nicht berechnet werden, und die weltgrößte Investmentfondsbörse NYSE ARCA verzeichnete gleich 999 Handelsaussetzungen bei den in den letzten Jahren stark in Mode gekommenen Indexfonds. In nur wenigen Minuten wurden den Investoren so jenseits des »Aktien-sind-alternativlos«-Geredes der wahre, äußerst fragile Zustand der scheinbar Notenbank-vollkaskoversicherten Aktienmärkte vor Augen geführt!

Obwohl die schon seit längerer Zeit zu beobachtende Illiquidität an den Märkten die Schlagzeilen hätte bestimmen müssen, wurde die mediale Aufmerksamkeit jedoch nur auf zwei vermeintliche Ursachen reduziert: die altbekannten Konjunkturprobleme Chinas (inkl. der bereits seit Juni platzenden Aktienblase) und die Furcht der Nullzins-Junkies vor dem im September anstehenden Fed-»Zinswende«-Entscheid.

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Zwar ist die weltwirtschaftliche Bedeutung Chinas aufgrund der wirtschaftlichen Verflechtungen signifikant, allerdings kann dieses nicht darüber hinwegtäuschen, dass nicht nur das auf ein beispielloses Verschuldungstempo setzende China ein akutes Wachstumsproblem hat, sondern eben auch Japan, Europa oder die sich laut einer IWF-Analyse „auf einem unhaltbaren Weg“ befindlichen United States of … debt! Immer deutlicher zeigt sich auch in Bestätigung der jüngsten Analysen der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ), dass die zur Rettung des Weltfinanzsystems von den Notenbanken zementierte und in der Geldgeschichte niemals zuvor gesehene Null-Zins-Notstands-Politik realwirtschaftlich ebenso gescheitert ist wie auch deren „QE“-Gelddruckprogramme in Billionenhöhe, sorgte doch das »funny money« einzig für epochale Blasenbildungen und Risiken an den Finanzmärkten.

Da diese fatale Geldpolitik trotzdem als Erfolg verkauft werden muss, sind die wirtschaftlichen Jubelmeldungen aus der Statistik-Traumfabrik USA nie abgerissen und festigten bei den Investoren so den Glauben, dass erst B. Bernanke und nun J. Yellen alles richtig gemacht hätten. Aber wenn man Glauben durch Wissen ersetzen möchte, dann genügt bereits nur ein Blick auf das mittlerweile eingetretene »5,1-%-Vollbeschäftigungswunder« in den USA und die dafür notwendige statistische Verrenkung, die längst an die DDR-Planerfüllungspropaganda erinnert. Denn würde man in den USA – wie noch bis in die 1980er Jahre üblich – auch das Heer der aktuell dem Arbeitsmarkt (angeblich) nicht zur Verfügung stehenden (erwerbslosen) 94,03 Millionen Amerikanern berücksichtigen, müsste eine reale und mit den Lebensmittelmarken- und Sozialhilfeempfängern korrespondierende Arbeitslosenquote von … 23 % verkündet werden!

Angesichts dessen kann es nicht wirklich verwundern, dass die US-Notenbank entgegen allen wirtschaftlichen Erfolgsmeldungen das vor zwei Jahren bereits ins Schaufenster gestellte Ende der seit Dezember 2008 andauernden Nullzinspolitik immer wieder verschoben hat – zuletzt auf den kommenden 16./17. September. Doch mit ihrer durchsichtigen Verzögerungstaktik hat sich die Fed nunmehr immer tiefer in eine »jetzt-muss-geliefert werden«-Position hineinmanövriert, will sie nicht riskieren das wichtigste Gut einer Notenbank zu verlieren: ihre Glaubwürdigkeit!

Entscheidet sie sich nun aber in einem Umfeld steigender Rezessionswahrscheinlichkeit und der jetzigen kaum noch für möglich gehaltenen Markt-Volatilitäten für eine erste (minimale) Zinserhöhung, sind schwere Turbulenzen auf den von der kostenlosen Kreditdroge längst abhängigen Märkten nicht auszuschließen. Damit stehen die Marktdirigenten vor dem Dilemma, entweder so oder durch eine abermalige Verschiebung der Zinswende eine schwere Vertrauenkrise in ihre »Künste« auslösen. Egal wie man es auch dreht oder wendet, die Fed steuert auf jenen Tag zu, an dem nicht mehr das Erzählte reicht, sondern nur noch das Erreichte zählt!

Wie beschränkt die Macht der sich in der Krise selbst ermächtigten „Helden der Krise“ (IWF-Chefin Ch. Lagarde) tatsächlich ist, kann die Welt nach dem Offenbarungseid der Schweizer Notenbank SNB zu Jahresbeginn nun auch in China beobachten. Denn trotz einem im Gegensatz zu den westlichen Notenbanken prall gefülltem »Werkzeugkoffer« und aller zentralplanwirtschaftlichen Gewalt – mehrere Zinssenkungen, Aktienverkaufsverbote für Großaktionäre, Handelsaussetzung der Hälfte aller Aktien (1.400!) oder Initiierung eines 446-Mrd.-Euro schweren Aktienkaufprogramms – konnten Maos Erben den Absturz des Shanghai Composite-Index um in der Spitze 43 % nicht verhindern.

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In ihrem grenzenlosen Rettungswahn haben die Notenbanken mit der Überdehnung der „Grenzen des Undenkbaren“ (C. Borio, BIZ, über Negativzinsen bei Staatsanleihen) zweifellos den »point of no return« längst überschritten, so dass das „Undenkbare“ nun jederzeit wahr werden könnte: der Einsturz des mit Nullzinsen um 57 Billionen USD aufgeblähten und nur noch mit Nullzinsen aufrechtzuerhaltenden globalen 199-Billionen-USD-Kreditkartenhauses!

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7 Kommentare auf "Zuviel ist nicht genug!"

  1. toter_esel sagt:

    Herbert Grönemeyer singt in seinem Lied „Bleibt alles anders“:
    „Es gibt viel zu verlieren, du kannst nur gewinnen, genug ist zu wenig, oder es wird so wie es war. Stillstand ist der Tod, geh voran, bleibt alles anders, der erste Stein fehlt in der Mauer, der Durchbruch ist da.“

    Das war 1998. Zurückblickend ist der Text geradezu prophetisch.

    Und der obige Artikel bringt mal die Fakten auf den Punkt, Gratulation und Danke! Ob es nun die Arbeitslosenstatistik, Teuerungsrate oder Veränderung des BIP´s ist: Ich kann mir manchmal nicht mehr vorstellen, dass wir willenlos SO verar***t werden können und dann weiss ich nicht mehr, ob ich sehenden Auges der König unter den Blinden bin oder mit einem Augen etwas übersehen habe…

  2. tm sagt:

    Die genannten „94,03 Millionen Amerikanern “ sind „not in workforce“, unter diesen Begriff fallen alle mehr oder weniger arbeitsfähigen Amerikaner ab 16. Bei steigender Zahl an über 64jährigen steigt diese Zahl praktisch automatisch an. Mit der Zahl der Arbeitslosen hat diese Zahl, zu der etwa neben Schülern ab 16 auch Hausfrauen und die besagten Rentner gehören wenig zu tun. Es gibt 142 Mio. Jobs außerhalb der Landwirtschaft für 196,5 Mio. Menschen zwischen 20 und 64. Es stimmt schlicht und einfach nicht, dass bei gleiche Methodik wie in den 1980ern die Quote heute bei 23% läge. Das ist ein typischer Internethoax.

    Beim Vergleich von S&P und BIP werden nominale Äpfel mit realen Birnen verglichen. Der S&P-500 ist seit 1982 um 8,4% p.a. gestiegen, das nominale BIP um 5,4% p.a., die Unternehmensgewinne um 7% p.a. Und wählt man das Bezugsjahr anders und nimmt z.B. statt 1982 1997 sind nominales BIP udn S&P praktisch in gleichem Maße gestiegen.

  3. tm sagt:

    noch als Ergänzung:
    http://www.bls.gov/cps/faq.htm#Ques6

    Who is not in the labor force?
    Persons not in the labor force are those who are not classified as employed or unemployed during the survey reference week.
    Labor force measures are based on the civilian noninstitutional population 16 years old and over. (Excluded are persons under 16 years of age, all persons confined to institutions such as nursing homes and prisons, and persons on active duty in the Armed Forces.) The labor force is made up of the employed and the unemployed. The remainder—those who have no job and are not looking for one—are counted as „not in the labor force.“ Many who are not in the labor force are going to school or are retired. Family responsibilities keep others out of the labor force.

  4. Michael sagt:

    Die katastrophalen Nullzinsen kann man Frau Yellen nicht zur Last legen. Die hat HeliBen veranstaltet, weil er sich als Hüter der Märkte, nicht der Arbeitslosen oder der Wirtschaft, verstand. Er wollte eine Geldillusion schaffen, die so nie Wahrheit werden konnte. Auch beim Kartenspiel gewinnt einer, nicht alle Mitspieler. Wer die Papiere zu überteuerten Preisen kaufte, wird verlieren. Mit oder ohne Zinsanhebung. Das war an der Börse nie anders. Die Welt wird trotzdem nicht untergehen. Die Armen bleiben arm, die Reichen bleiben reich. Dadurch ändert sich garnichts. Wer sich solche Pferdewetten leisten konnte, hatte das nötige Kleingeld übrig. Das hat jetzt der, dem er die Papiere abkaufte.

    • tm sagt:

      Aber die zu hohe Arbeitslosuigkeit und das niedrige Wachstum waren und sind doch gerade die Argumente für expansive Geldpolitik. Sind Sie etwa der Meinung, eine Rezession sollte mit restriktiver Geldpolitik bekämpft werden?

      • toter_esel sagt:

        Der andere Thomas Müller gefällt mir besser, der trifft wenigstens ins Schwarze. Ich habe Ihre Beiträge als müllerthomas im SP.ON und tm bei DWN schon bewundert. Es sind immer die gleichen flüchtigen Rechtschreibfehler, die Sie enttarnen, weil Sie in einer gewissen Zeit wohl entsprechende „Anschläge“ liefern müssen. Oder glauben Sie das, was Sie verbreiten, freiwillig?

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