Zurück zum Goldstandard

18. Oktober 2014 | Kategorie: RottMeyer

von Prof. Thorsten Polleit

In den Vereinigten Staaten bleibt der Ruf nach einem Beenden, einem Schließen der US-Zentralbank (Fed) ein Thema in der Politik. Die Forderung „End the Fed“ stammt von Dr. Ron Paul, ehemaliges US-Kongressmitglied…

Er spricht sich für die Abschaffung der US-Zentralbank (Fed) aus. Der Grund: Die Fed zerstöre den Geldwert durch Inflation, schaffe Finanz- und Wirtschaftskrisen, ihre Politik führe zu einer ungerechten Verteilung von Einkommen und Vermögen und erlaube ein maßloses Anwachsen des Staates zu Lasten der bürgerlichen Freiheiten.

Pauls Empfehlung: Rückkehr zum Goldgeld, Abschaffung und Schließung der Fed. Noch ist zwar kein „monetärer Systemwechsel“, wie ihn Ron Paul fordert, eingetreten. Jedoch verbreitet sich die Erkenntnis über die ökonomischen und ethischen Defizite, die dem Zentralbanksystem anhaften.

Jüngstes Beispiel ist der republikanische Kandidat für den Senat, Jeff Bell, der aktuell den demokratischen Senator Cory Booker, New Jersey, herausfordert. Bell spricht sich wie Ron Paul für eine Rückkehr zum Goldstandard aus, einem Geldsystem also, in dem der US-Dollar durch das gelbe Metall gedeckt ist. Ein System, in dem der US-Dollar eine Bezeichnung für eine fest vorgebene physische Goldmenge ist (wie es ehemals im Münzgesetz („Coinage Act“) von 1792 auch vorgesehen war). Bell kritisiert die Fed-Politik der anhaltend tiefen Zinsen, die Banken und Staat auf Kosten der Sparer begünstige.

Ohne Frage ist eine Kandidatur, die eine Rückkehr zum Goldstandard als Programmpunkt hat, im politischen Betrieb durchaus „schwere Kost“. Und zwar deshalb, weil derjenige, der für das Beenden der Zentralbank eintritt, nicht nur die politische Klasse, sondern vor allem auch das „Experten-Establishment“ der Ökonomen gegen sich aufbringt. Die vorherrschende Meinung dieser Experten ist nämlich, kurz gefasst, dass ein Goldstandard unpraktikabel sei, dass er der Zentralbank die Möglichkeit nehme, in Krisensituation „flexibel“ reagieren zu können; und so weiter und so fort.

Doch alle diese Argumente können vollständig entkräftet werden. Es lässt sich überzeugend zeigen, dass das Sachgeld, etwa in Form von Gold, dem staatlichen, ungedeckten Papiergeld in allen ökonomischen und ethischen Belangen uneingeschränkt überlegen ist. Der amerikanische Ökonom Murray N. Rothbard (1926 – 1995) hat das unmissverständlich u. a. in seinem überaus lesenswerten Buch „The Case Against The Fed“ (1994) ausgebreitet. Es gibt schlichtweg keine vernünftigen Gründe, warum der Staat mit seiner Zentralbank das Monopol der Geldproduktion haben sollte, und dass das Goldgeld durch ungedecktes Papiergeld ersetzt werden sollte.

Folgt man dieser Argumentation, erkennt man, dass es etwas besseres gibt als das ungedeckte Papiergeld, das die Zentralbanken ausgeben und dies ist Geld, das sich im freien Markt, im Wettbewerb herausbildet. Der „natürliche Kandidat“ für das Siegertreppchen in diesem Wettbewerb ist das Goldgeld. Dass Jeff Bell für ein Abschaffen der Fed und für das Goldgeld eintritt, zeigt ganz offensichtlich vor allem eines: dass die kritische Frage nach dem „guten Geld“ zusehends in den politischen Raum eingedrungen ist – und weiter vordringt. Europa hat hier noch Nachholbedarf.

Mehr Inflation ist nicht besser

Das Argument der EZB, eine zu niedrige Inflation sei schlecht, kann nicht überzeugen. Laut Maastricht-Vertrag sollte die EZB für Preisstabilität sorgen. Dieser Auftrag wurde von den Geldpolitikern als „gemäßigter Anstieg“ der Konsumentenpreise (um-)interpretiert. Von Anfang an ging es der EZB also nicht darum, die Preise stabil zu halten (wie man beim Begriff Preisstabilität zunächst denken könnte). Im Januar 1998 ließ die EZB die Öffentlichkeit wissen, was sie darunter zu verstehen habe:

„Preisstabilität ist definiert als Anstieg des Harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI) für das Euro-Währungsgebiet von unter zwei Prozent gegenüber dem Vorjahr. Preisstabilität muss mittelfristig gewährleistet werden.“

Das Preisstabilitätsziel der EZB erhält folglich nicht den Geldwert im Zeitablauf, sondern setzt ihn herab.

Am 8. Mai 2003 gab es eine „Klarstellung“ der EZB: Sie wollte fortan sicherstellen, dass sie beim Streben nach Preisstabilität darauf abzielt, mittelfristig eine Preissteigerungsrate von nahe zwei Prozent zu erzielen. Nach der ursprünglichen Definition wäre eine Inflation von, sagen wir, 0,3 Prozent pro Jahr akzeptabel gewesen, genauso wie eine Inflation von 1,5 Prozent. Mit der „klargestellten“ Definition liegen die Dinge jetzt anders. Hier wäre eine Inflation in Höhe von 0,3 Prozent zu niedrig – und die EZB müsste sich daran machen, die Inflation zu erhöhen, und zwar in Richtung von „nahe“ zwei Prozent.

Unter der Präsidentschaft von Mario Draghi warnt die EZB nun sogar ausdrücklich vor „einer andauernden Phase einer zu niedrigen Inflation“. Niedrige Inflation sei schlecht, so der EZB-Präsident. Mit anderen Worten: Wenn die Entwertung der Kaufkraft des Geldes zu gering ausfällt, so Herr Draghi, sei das schlecht. Die Frage ist: Für wen ist es schlecht? Ganz sicher nicht für die Geldbesitzer und Sparer. Sie verlieren schließlich, wenn die Inflation (unerwartet) höher ausfällt.

Schuldner hingegen profitieren, wenn die Inflation höher ausfällt. Hoch verschuldete Staaten und Banken freuen sich daher über eine hohe Inflation – denn dadurch wird schließlich ihre reale Schuldenlast gesenkt – auf Kosten der Sparer, die ihnen ihr Geld geliehen haben…


Wie kann „höhere“ Inflation für die Wirtschaft insgesamt vorteilhaft(er) sein, wenn sie den einen schadet (den Sparern) und den anderen nutzt (den Schuldnern)? Was ist das also für eine Aussage, „höhere“ Inflation sei für die Wirtschaft insgesamt besser, wenn die einen bevorteilt werden auf Kosten der anderen? Sie hält keiner kritischen Überprüfung statt – weder mit Blick auf seine ökonomische noch auf seine ethische Konsequenz.

Es liegt im Interesse der Verschuldeten, die öffentlich akzeptable Inflation langsam aber sicher hochzuschrauben – um auf diese Weise Maßnahmen zu legitimieren, die eine Geldmengenvermehrungspolitik erlauben. Früher oder später wird daher vermutlich – unter dem öffentlichkeitswirksamen Einsatz führender „Mainstream-Ökonomen“ – eine Inflation von zwei Prozent p.a. als nicht mehr „ausreichend“ deklariert; es wird vielmehr festgestellt, dass eine etwas höhere Inflation (von zum Beispiel drei oder fünf Prozent pro Jahr.) besser sei. Die EZB würde wohl nicht davor zurückschrecken, auch eine derart hohe Inflation als Preisstabilität zu bezeichnen.

Risikofaktor Japan

Die Geldvermehrungspolitik, die in Japan seit Ende 2012 praktiziert wird, ist gefahrvoller als vielfach wahrgenommen. Von Herbst 2012 bis heute hat der Außenwert des japanischen Yen gegenüber dem US-Dollar stark abgewertet: er fiel von etwa 78 auf jetzt knapp 109. Der Grund: Die Bank von Japan ist auf eine Politik der Geldmengenvermehrung eingeschwenkt. Investoren scheinen davon auszugehen, dass Japan sich aus der „Deflationsfalle“ herausarbeitet – und sich in ein „kontrolliertes“ inflationäres Regime begibt. Die japanische Staatschuldenproblematik ist besonders akut: Sie beläuft sich auf mehr als 240 Prozent des Volkseinkommens – und ist damit die größte in den entwickelten Volkswirtschaften weltweit. Gleichzeitig ist das japanische Volkseinkommen seit etwa Mitte der 90er Jahre in der Tendenz rückläufig gewesen. Zum einen, weil das reale Wirtschaftswachstum gering war, zum anderen, weil die Güterpreise gesunken sind. Angesichts hoher Schuldenlasten ist das eine brisante Konstellation: Die reale Staatsschuldenlast steigt nämlich immer weiter an!

Doch lässt sich mit einer Geldmengenausweitung Wachstum schaffen? Davon sind einige Ökonomen und Politiker überzeugt (zumindest geben sie sich so). Sie vertreten die Ansicht, das neue Geld stärke die Güternachfrage, schaffe neue Investitionen und Arbeitsplätze – und damit Wirtschaftswachstum. Die andere Sicht ist, dass die Geldmengenvermehrung allenfalls ein konjunkturelles Strohfeuer entzündet, im Ergebnis jedoch nur auf höhere Preise hinausläuft. Die Aussicht auf steigende Preise müsste sich früher oder später in steigenden Marktzinsen widerspiegeln. Wenn die Zinsen jedoch von der Zentralbank de facto kontrolliert werden – und auf diese Weise vor einem Ansteigen gehindert werden –, bedarf es anderer Ventile, durch die sich die Geldmengenausweitung entladen kann.

Ein Ventil ist der Wechselkurs: Yen-Halter tauschen ihre Währung zusehends in andere Währungen (US-Dollar, Euro etc.). Die Folge ist eine Abwertung des Yen-Wechselkurses. Ein anderes Ventil: Die Geldmenge treibt die Nachfrage nach zum Beispiel Aktien und Häusern, deren Preise daraufhin steigen. Diese Entwicklung kann verstärkt werden, wenn Anleiheinvestoren beginnen, sich von ihren Papieren zu trennen. Steigt das Anleiheangebot im Markt und steigen daraufhin die Zinsen, wird die Zentralbank die Papiere aufkaufen (denn sie will ja einen Zinsanstieg verhindern) gegen Ausgabe von neuem Geld. Die Erwartung auf weiter steigende Preise schwappt auf die – bisher noch nicht gedeckelten – Zinsen in den Märkten für Unternehmens-, Konsumenten- und Häuserkredite über. Steigende Kreditzinsen bringen Schuldner in die Bredouille, die Konjunktur gerät ins Schlingern – und verschlimmert die allgemeine Kreditqualität und Verschuldungslage.

Das Risiko ist folglich das Folgende: Das Anwerfen der elektronischen Notenpresse mag kurzfristig die Konjunktur stützen, sie wird aber das Wirtschaftswachstum nicht nachhaltig fördern – und beschwört, wenn sie fortgesetzt wird, ernste Zweifel an der Werthaltigkeit der japanischen Währung herauf. Derzeit mag man in der japanischen Geldpolitik noch nicht das erblicken, was in der Währungsgeschichte immer wieder geschah: Dass die nicht mehr rückzahlbaren Schulden mit neu geschaffenem Geld entwertet wurden. Es wäre vermutlich der Startschuss für eine weltweite große Erschütterung in den Finanzmärkten und den Wirtschaften.

© Prof. Dr. Thorsten Polleit – Marktreport Degussa Goldhandel GmbH



 

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4 Kommentare auf "Zurück zum Goldstandard"

  1. FDominicus sagt:

    Oh in Deutschland gibt es schon eine Partei die sich für die Abschaffung der FED stark macht. Wurde von der imposanten Menge von
    0.0025 % der Deutschen gewählt. Wenn Sie gewollt hätten, hätten Sie dazu gehören können….

  2. bluestar sagt:

    Sind immerhin 1108 Wähler. Viel höher dürfte die Zahl derer in Germany wohl sowieso nicht sein, welche den Charakter der Kreatur von Jekyll Island kennen und sich daran stören.

  3. 4fairconomy sagt:

    Prof. Thorsten Polleit vergisst in seinen Ausführungen schlicht und einfach, dass es noch andere ökonomische Teilnehmer gibt als Sparer und Schuldner: nämlich diejenigen, welche durch ihre Arbeit über die Runden kommen müssen. Diese sind auf ein regelmässiges Einkommen angewiesen. Die grösste Gefahr für die arbeitende Bevölkerung sind nicht 2% Geldentwertung, sondern eine Deflation. Sie führt rasch zu Massenerwerbslosigkeit. Eine Goldwährung birgt die Gefahr, eine Deflation auszulösen. Eine goldgedeckte Währung bevorteilt die Sparer auf Kosten der arbeitenden Bevölkerung. Es ist völlig unverständlich, wie man als Ökonom solche Ideen vertreten kann, ausser man ist ein Lobbyist und Interessenvertreter eine (reichen) Sparergilde. Natürlich ist das heutige Papiergeld eine Fehlkonstruktion, aber das Problem liegt nicht bei seiner Deckung, sondern, dass es nicht umlaufgesichert ist und zu günstig gehortet werden kann. Im heutigen System lässt sich eine Deflation praktisch nur durch Gelddrucken und Staatskonsum auf Pump vermeiden. Es fehlt schlicht ein Instrument, um eine Deflation verhindern zu können, ohne die Geldmenge ausweiten zu müssen und den Staat auf Pump konsumieren zu lassen. Aber nur zu: man führe eine Goldwährung ein. Nach spätestens 20 Jahren wird diese katastrophale Folgen haben oder sie wird vorher abgeschafft werden. Vielleicht müssen die Menschen nochmals die Erfahrung machen, dass eine Goldwährung nicht funktioniert. Aber diesen Umweg mit unnötigem Leid kann man sich eigentlich ersparen. Not-wendig ist ein wertstabiles Geld, welches problemlos ohne Inflation und Deflation auskommt. Es braucht keine Gold-, Silber- oder sonst irgendwelche Deckung dafür. Die Sicherheit, dass man sich damit am Sozialprodukt bedienen kann, genügt als Deckung vollkommen. Alles andere sind völlig absurde, einer reibungsfrei funktionierenden Ökonomie abträgliche Hindernisse.

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