Zurück ins Mittelalter oder: Die Welt in der Glaskugel

8. September 2014 | Kategorie: RottMeyer

von Ronald Gehrt

Auch diese Kolumne hat mir der Börse zu tun. Ich bitte um Geduld: Der Weg dorthin, zu einem Fazit in Bezug auf die Börsenlage, ist etwas gewunden. Aber ich meine, es muss so sein…

Mit dem Untergang Roms fiel die Menschheit in eine Phase zurück, die man auch deswegen das „finstere“ Mittelalter nennt, weil damals das Licht der Erkenntnis verlosch. Barbarei, Aberglaube, eine gezielt unwissend gehaltene Bevölkerung folgte einer strahlenden Hochkultur. Nach Ägypten und Athen schien Rom so zu strahlen, dass es schien, Europa würde wie ein Stern immer höher zu Wohlstand und Weisheit emporsteigen. Doch die Jahrhunderte bis zur Renaissance war nichts dergleichen zu erkennen. Es ging bergab – und das in entsetzlichem Tempo. Vieles dessen, das zuvor an Wissen existierte, ging schlicht verloren und musste neu erfunden, erdacht und erkannt werden.

Wer jetzt „na und?“ denkt, gehört zu den Kandidaten, die Europa erneut auf dem Weg in die Dunkelheit begleiten könnten. Denn nein, diese Zeit gehört nicht zu den Dingen, die niemals wiederkehren könnten. Im Gegenteil, eigentlich sollte uns die Menschheitsgeschichte lehren, dass alles wiederkehren kann. Und zwar dann, wenn alle glauben, dass die Lehren der Vergangenheit keiner braucht, heute sowieso alles anders ist und dementsprechend die lebensnotwendige Aufmerksamkeit verlieren, mit der man den Gang der Dinge beobachten muss.

Wie oft dachten wir schon, dass sich „derartiges niemals wiederholen wird“? Der Spruch ist so ausgeleiert wie die Gehirne derer, die ihn von sich geben. Dass sich vieles niemals wiederholen darf, ist wahr. Aber das ist eben etwas anderes. Um das zu verhindern, braucht es wache, aufmerksame Menschen, die bereit sind, sich selbst zu engagieren, um Gefahren zu begegnen, statt es wie so oft „den anderen“ zu überlassen.

Kürzlich hat mir jemand im Zuge einer Diskussion über dieses Thema entgegnet, dass bezüglich des Verlustes an Wissen keine Gefahr bestehe, weil unser Wissen schließlich in allen möglichen Bergstollen eingelagert ist. Mein Wissen um das, was aufgeklärte Menschen ausmacht, verhinderte, diesem Deppen an die Gurgel zu gehen.

Es geht nicht um die Bibliothek von Alexandria im bildhaften Sinne. Es geht um das Wissen in den Köpfen der Menschen. Um aufgeklärte Gedanken, demokratische Grundeinstellungen, Allgemeinbildung und einen wachen Geist, der wissen und lernen will, statt dumm und fett auf dem Sofa zu liegen und sich mit Sendungen vergiften zu lassen, deren Konsum pro Stunde einen IQ-Punkt kostet. Und da brennt der Baum.

Genau in diesen Bereichen geht es in unseren „Hochkulturen des Wohlstands“, in den USA und Europa, bergab. Immer mehr wissen immer weniger. Gewalt nimmt als Mittel der Konfliktlösung zu. Und das Desinteresse am „Ganzen“ zu Gunsten des Biedermeier-Denkens in Form der Konzentration auf den eigenen, müffelnden Dunstkreis, der zum Verlust des „Wir-Gefühls“ führt, macht es denen, die an den Fäden der Macht ziehen, immer leichter, mit dem trägen Volk zu tun, was ihnen bliebt … solange sie ihnen Brot und Spiele lassen.

Und nein, es ist da nicht von Belang, ob man Gladiatorenkämpfen im Kolosseum zusieht oder sie auf der Playstation spielt. Feudale Strukturen, Unwissenheit und Dekadenz … so ging Rom zugrunde. Und zu glauben, dass das Europa der Spielekonsolen, des „Social Media“ und des egozentrischen Hinnehmens einer wachsenden Schere zwischen arm und reich diesen Weg nicht erneut gehen kann, ist verwegen.

Rom quoll wie ein Geschwür zu immer größeren Dimensionen auf, bis es unter der eigenen Größe zusammenbrach. 28 EU-Mitgliedsstaaten sind entschieden anderer Ansicht, wenn man das mit heute vergleichen will. Die Römer dachten das vorher übrigens auch. Vielvölkerstaaten ohne das Gefühl einer echten Gemeinschaft haben noch nie funktioniert. In den USA nur unter der Oberfläche. In Österreich-Ungarn oder Jugoslawien kann man ein Lied davon singen. Rom ging daran zugrunde. Und wir glauben ernstlich das Übliche: Das war doch was ganz anderes. Aha… (Seite 2)
 

 

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2 Kommentare auf "Zurück ins Mittelalter oder: Die Welt in der Glaskugel"

  1. Skyjumper sagt:

    Mal abgesehen davon, dass der Untergang von Rom als Beispiel wenig tauglich ist (schließlich zog sich der Untergang über mehrere Jahrhunderte hin), gibt es einen klitzekleinen, aber gewichtigen, Unterschied.

    Während der europäische Wissensstand nach dem Ende des weströmische Reich (~ 400 n.C.) und dem Ende des oströmischen Reiches (~ 700 n.C.) tatsächlich immer weiter absackte, und das nicht zuletzt aufgrund der römisch-katholischen Glaubenslehre, gab es eine neue, bewahrende gesellschaftlich-religöse Kraft. Den Islam.

    Der Islam bewahrte viel des wissenschaftlich-kulturellen Erbes aus der Antike. Und über den Islam erfolgte z.B. über den Weg des mauritanischen Spaniens auch immer wieder die Impfung „des Westens“ mit dem alten Wissen.
    Das wird uns nach dem erneuten Niedergang fehlen. Denn der heutige Islam geht zum teil den Weg des Westens willfährig mit, und der andere (extreme) Teil durchwandert geistig bereits heute das Mittelalter.

  2. bluestar sagt:

    Für mich ein sehr sehr guter Artikel, mindestens von gleicher Qualität wie “ Affen mit Smartphones“. Ronald Gehrt spricht mir aus der Seele. Bloß was machen wir nun mit unseren Erkenntnissen ? Ich befürchte wir müssen die Vorgänge so nehmen wie sie sind, auch wenn das wie die Gefangenschaft im Irrenhaus ist mit Tendenz Regelvollzugsanstalt. Auf der anderen Seite fehlt mir eine Plattform, wo man sich mit Gleichgesinnten persönlich austauschen kann. Ich denke der Druck auf den Verstand und die Freiheit des Geistes sowie des Lebens sogenannter “ gebildeter Selbstdenker “ wird angesichts der Gleichschaltung aller MSM und der klaren diktatorischen Zuege des Systems sogar noch zunehmen. Allein wenn ich an die Entwicklung des letzten Jahres denke ist leider keine Verbesserung zu erwarten, im Gegenteil. VG

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