Finanzmarkttrends: Zürich entspannt

27. Januar 2013 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

(von Robert Rethfeld) Folgt der „großen Rezession“ die „große Rotation“? Wie entwickeln sich die demografischen Faktoren? Auf welche Länder wettet Goldman Sachs in 2013? Welche Trends kristallisieren sich für die kommenden 10 Jahre heraus?

Derartige Fragen stellten sich auf der 28. Kapitalanlegertagung, die am 22. und 23. Januar in Zürich-Regensdorf im Vorfeld des World Economic Forum stattfand…

Jim O’Neill, verantwortlich für das Asset Management von Goldman Sachs, erzählte seine Version von den Geschehnissen am 26.07.2012 in London. Das erste Draghi-Machwort fiel: „The Euro is irreversible.“ Es folgte noch ein zweites: „Within our mandate, the ECB is ready to do whatever it takes to preserve the euro. And believe me, it will be enough.“ http://tinyurl.com/ckp5478

Als Mario Draghi seine berühmten Worte sprach, saß O’Neill nach eigenen Angaben 10 Meter von Draghi entfernt. Er kannte Draghi; die gemeinsame Goldman-Zeit lässt grüßen. O’Neill sagte, es habe ihn fast vom Stuhl gehauen. Er habe sofort zu seinem Smartphone gegriffen und seinen Leuten eine Nachricht geschickt.

Der Euro/Dollar-Chart unterstreicht die Bedeutung jenes Tages, der in vielerlei Hinsicht eine Rückkehr zu einem Risk-on-Verhalten an den Märkten brachte.

Welche anderen Dinge hob  O`Neill hervor? Japans Yen-Abwertung tangiere das globale Gleichgewicht. Wenn Europa nicht wolle, dass Japan sich einen größeren Kuchen von der globalen Exportwirtschaft abschneidet und damit Exporte aus Euroland reduziert, dann muss Euroland im Abwertungsrennen wohl oder übel folgen. Interessant waren auch seine Zahlen, wonach die globale Wirtschaft in den letzten drei Jahrzehnten jeweils um 3,3 bis 3,5 Prozent pro Jahr gestiegen ist. Nur waren diese Anstiege regional ungleich verteilt. Das chinesische Wirtschaftswachstum von 7-8% solle sich fortsetzen. In 2015 soll der chinesische Renminbi konvertibel sein. Neben Nigeria sei Russland sein Favoritenmarkt. Die Türkei und Brasilien schätzte er ebenfalls hoch ein.

Felix Zulauf verwies auf die am stärksten ansteigende Bevölkerungsgruppe der Welt, nämlich diejenige der 100+jährigen. Die Belastungen für Arbeitnehmer durch die immer älter werdende Bevölkerung stiegen. Die Bevölkerungsschicht der 25 bis 45jährigen dünne aus. Dies gälte nicht nur für Japan und Deutschland, sondern auch für die USA und sogar für China. Die Auslands-Direktinvestitionen seien rückläufig. Die Phase der Globalisierung gehe in eine Phase der Deglobalisierung über. China verzeichne Netto-Kapitalabflüsse, reiche Chinesen brächten ihr Kapital außer Landes. China könne Europa kaum helfen. Der Margendruck für europäische Auto- und Maschinenbauer dürfte sich weiter erhöhen.

Konkret zieht Felix Zulauf ein Investment in Gold noch immer einem Investment in Aktien vor. Vor allen Dingen solle man Gold gegen Yen kaufen. Der japanische Aktienmarkt sei allerdings interessant. Goldminen dürften sich weiter schwächlich entwickeln. Der Rohstoffboom sei allerdings vorbei. Eine Aktienmarkt-Baisse mit einem Rückgang von 30% scheine möglich, beginnend im Sommer 2013. Ab den Jahren 2015/16 könne man wieder nachhaltig Aktien kaufen… (Seite 2)

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3 Kommentare auf "Finanzmarkttrends: Zürich entspannt"

  1. Holla sagt:

    Dazu fällt mir nur eins ein,

    Die Wenigen, die das System verstehen, werden so sehr an seinen Profiten interessiert oder so abhängig sein von der Gunst des Systems, dass aus deren Reihen nie eine Opposition hervorgehen wird.
    Die große Masse der Leute aber, mental unfähig zu begreifen, wird seine Last ohne Murren tragen. Vielleicht sogar ohne zu mutmaßen, dass das System ihren Interessen feindlich ist.“
    Jakob Rothschild
    (Gründer von einer der größten privaten Banken)
    London, am 28.6.1863 an seinen US-Geschäftspartner

    Herr Zulauf recht ein Investment in Gold, nur das Schützt den Privatanleger Langfristig !!!!! und meine Enkel wird es freuen wenn ich es nicht brauche.Ich für meinen Teil habe 2000 Crash, 2008 Crash mitgemacht.Ich rühre keine Aktie mehr an ,auch wenn Dax 20 000 ,alles nur Papier!!!!!!
    Alles andere ist Gier, Gier und nochmals Gier der Fondsmanager und vieler anderer!
    Ja und in meinem Umfeld höre ich die Leute sagen, hallo hast du diese und jene Aktie schon gekauft !!! Klar doch !!
    Komisch, die hatten noch nie was mit Aktien am Hut!

    Ja wir werden alle Reich !!

    Schönen Sonntag an das Team! und allen anderen

    • tizian sagt:

      Dito, Holla!
      2000 – 2003 Crash ging mir genau so, 2008 Crash ebenfalls. Zu erwähnen wäre noch die quasi-Währungsreform vom 01.01.2002 mit Einführung(Versuch) eines (neuen) weiteren Zettelgeldes inclusive Abwertung um accumuliert ca. 50% der Kaufkraft i.e.:
      europäisches Friedensprojekt in Orwell speech…

      Amüsant auch die von Vondran prognostizierte Inflation des USD, Euro, Pfund, Yen um 7-4-8-10% per annum zwecks „Staatsschulden Abbau“
      Freilich weniger amüsant für das 98%-99% Publikum ohne nennenswerten Gold-oder Silber-Besitz IM JETZT.
      Wo dann, nach erfolgter 10-Jahres-Inflation der Gleichgewichtspreis für Gold und Silber landen wird ist die einzige Frage die mich heut noch interessiert…
      Und das bei steigender industrieller Nachfrage, schrumpfender geolog. Verfügbarkeit etc.,pp.
      Wie weit „short“ müssen die Baisse Spekulanten eigentlich noch gehen, damit das 2023 in Haushaltsrobotern verbaute Silber bei pessimistischen $31,09 per oz notiert?
      Können „wir“ es uns leisten, weitere 10 Jahre zig Weltjahresproduktionen an Industriesilber unrecycled auf den Deponien dieser Welt zu „Vermüllen“?
      Das ist spannend.
      Und entspannend zugleich,
      wenn man die Antwort weiss.

  2. Dagobert sagt:

    …“Billy Me“… 27 Sekunden, die Jim O’Neill fast vom Hocker hauten…

    http://www.youtube.com/watch?v=0fs5q5Y-Ipc

    Hätte auch ich bloss auf „Super“ Mario gehört!

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