Zur Illusion der Sicherheit – in der Gurkenrepublik

14. Juni 2011 | Kategorie: RottMeyer

Was uns die EHEC-Epidemie über die Sicherheitslage der Nation verrät und über das merkwürdige Phänomen der Staatsverschuldung, die trotz immer neuer Schulden einfach nicht geringer werden will…

vom Smart Investor

Nun ist sie glücklicherweise wieder abgeflaut, die EHEC-Epidemie, die das Land medial in ihren Bann gezogen hat. Zwar wiesen Angst- und Risikoforscher darauf hin, dass aktuelle Risiken regelmäßig überschätzt würden und EHEC-Epidemien auch in der Vergangenheit schon häufiger auftraten – wenn auch nicht mit dieser Wucht – gegen die vereinte Panikmache des Boulevards tut sich wissenschaftliche Erkenntnis jedoch traditionell schwer. Ursache der Epidemie waren – das wurde inzwischen bekannt – die Sprossen eines Gemüsehofs in einem kleinen niedersächsischen Ort, der auf den geradezu idyllischen Namen Bienenbüttel hört.

Es wird trotz über 30 Toten wohl keine Ethik-Kommission geben, und die wird folglich auch keinen Ausstieg aus der „Risikotechnologie Biolandwirtschaft“ empfehlen, wie sie die Kollegen „Maxeiner & Miersch“ so unnachahmlich titulierten. Risiko hat auch eine weltanschauliche Dimension und unsere schöne Gurkenrepublik wird trotz der Toten nicht dauerhaft zur sprossenfreien Zone erklärt werden. Vielmehr lassen sich „Kinderreporter“ mit der Sorge vernehmen, dass die ganze Angelegenheit dem Biohof hoffentlich nicht geschadet habe. Die Sorge von Kinderreportern, dass Fukushima der Atomwirtschaft hoffentlich nicht geschadet habe, war dagegen nicht zu vernehmen. Ein Lob der politischen Früherziehung und der Produktion korrekt denkender Menschen.

Entgegen anders lautenden, und phasenweise durchaus ernsthaft diskutierten Gerüchten, handelte es sich bei der EHEC-Epidemie also nicht um einen Terroranschlag, sondern um einen schlichten Betriebsunfall, möglicherweise auch „nur“ eine Verkettung unglücklicher Umstände. Nach wochenlanger Suche kam man der Quelle auf die Spur. Man mag sich kaum vorstellen, wie wenig unsere Behörden einem planvoll und intelligent ausgeführten biologischen Anschlag entgegenzusetzen gehabt hätten. Das soll nun keine Schelte derjenigen sein, die das Mögliche getan haben, aber das Mögliche – und das ist die eigentliche Erkenntnis – garantiert keine Sicherheit.

Noch weniger ist dies ein Plädoyer für einen weiteren Ausbau des Apparats. Es ist die schlichte Einsicht, dass Sicherheit, absolute zumal, eine Illusion bleibt. Das Traurige aber ist, dass die Beschränkung von Bürger- und Freiheitsrechten, die im Namen dieser Illusion etwa beim sogenannten „Kampf gegen den Terror“ stattgefunden hat, sehr real ist. Der berühmte Satz von Benjamin Franklin bleibt also aktuell: „Wer die Freiheit aufgibt um Sicherheit zu gewinnen, der wird am Ende beides verlieren.“

Die Herren Schäuble und Keynes

Federführend bei der Zerrüttung der Bürgerrechte und bürgerlichen Freiheiten war seinerzeit ein Innenminister, der sich heute als Finanzminister mit ebenso großem Engagement und Erfolg der Zerrüttung der Staatsfinanzen im Namen der Illusion „Euro“ widmet. Was die Fiskalpolitik unter dem Stichwort „Keynes“ treibt, hat ohnehin nichts mit der von Lord Keynes empfohlenen Handlungsweise zu tun, die ja den Aufbau von Reserven für Krisen vorsieht. Die Gebeine seiner Lordschaft befänden sich wohl in höchster Rotation, wenn er wüsste, dass der seit Jahrzehnten praktizierte Stimmenkauf mit dem Ergebnis einer sich kontinuierlich, zuletzt sogar sprunghaft auftürmenden Staatsverschuldung mit seinem Namen etikettiert wird. Den Bürgern wird seit vielen Jahren vorgegaukelt, sie könnten mehr aus dem Staat herausholen als sie hinein bezahlten, oder zumindest mehr als „die anderen“ herausholen. Im Gegensatz zu den meisten Politikern war Keynes in Wirtschaftsdingen kein Dummkopf, sogar – was weniger bekannt ist – ein begnadeter Spekulant, der ein beträchtliches Vermögen hinterließ… (—> Seite 2)

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Ein Kommentar auf "Zur Illusion der Sicherheit – in der Gurkenrepublik"

  1. Badener sagt:

    Es ist schon erschreckend anzusehen, das die „wichtigen“ Finanzminister offensichtlich nicht mal in der Lage sind, das Problem mit dem Wirtschaftszwerg Griechenland nachhaltig zu lösen. Man mag sich gar nicht vorstellen, was passiert sollte noch das ein oder andere Land hinzukommen.
    Warum lässt man die Griechen nicht Pleite gehen? Wenn schon Griechenland eine Bank zu Fall bringt, war sie sowieso unter kapitalisiert. Die Amerikaner, die Briten und die Südschiene sind sowieso pleite. Und für die deutschen Ersparnisse, haben wir die Illusion Garantie durch den Staat gefolgt von der Einlagensicherung, Protektor AG usw.
    Also was soll passieren?

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