Zunehmende Unruhe(n) … nicht nur an den Bondmärkten

20. Juni 2013 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

vom Smart Investor  Wutbürger united… Irritierende Bilder erreichten uns in den letzten Tagen aus der Türkei und aus Brasilien. Was beiden Ländern gemeinsam ist, sah man allerdings nicht. Beide standen oder stehen noch immer auf der Empfehlungsliste von Goldman Sachs…

Brasilien ist das „B“ in dem von der Investmentbank geprägten Begriff der BRIC-Staaten. Die Türkei ist einer der Nachfolger im Rahmen des ebenfalls von Goldman Sachs eingeführten Themas der „Next Eleven“-Staaten (N-11). Offenbar hat man in den Ländern also vieles richtig gemacht – zumindest aus Investorensicht –, aber offensichtlich auch einiges falsch.

Die konkreten Auslöser für Massendemonstrationen, die in der Türkei in erstaunlicher Geschwindigkeit Richtung Unruhen mit Todesopfern kippten, sind durchaus unterschiedlich. Kurioserweise war auch für die türkischen Wutbürger ein Stadtentwicklungsprojekt der Kristallisationspunkt ihres Ärgers. Im Gegensatz zur Stuttgarter Variante wurde daraus jedoch innerhalb kürzester Zeit eine Generalabrechnung mit der Zentralregierung.

Auch Grünen-Chefin Claudia Roth stürzte sich ins Getümmel und demonstrierte damit einmal mehr die Allzuständigkeit deutscher Politik für das Geschehen in der Welt. Trotz des Hinweises auf ihren Status als deutsche Abgeordnete nebelten die Wasserwerfer auch die „Grün Dame“ deutscher Empörungskultur ein, die daraufhin publikumswirksam einige Tränen vergoss – im fernen Deutschland ist schließlich Wahlkampf. Zu seinen Groupies wird der türkische Premier Erdogan Frau Roth künftig daher wohl eher nicht mehr zählen dürfen.

In Brasilien war es eine Erhöhung der Buspreise, die das Fass zum Überlaufen brachte. Steigende Preise für die breite Bevölkerung auf der einen Seite und die übliche Sport- und Funktionärsgigantomanie im Vorfeld der Fußball-WM auf der anderen Seite, das geht in den Augen vieler nicht recht zusammen. Zudem liegt über dem Land ein Schleier der Korruption, was zunehmend als unerträglich empfunden wird.

Goldman-Darlings

Das Überraschende ist eigentlich, dass beide Länder so nah an der Grenze zu Hass und sogar Gewalt gebaut sind, obwohl sie in der allgemeinen Wahrnehmung bislang das Bild aufsteigender und vorwärtsstrebender Volkswirtschaften abgegeben haben – trotz allfälliger Probleme.

Wenn es in der jüngeren Vergangenheit zu Gewaltausbrüchen kam, dann waren entweder jene Länder betroffen, die in einer schweren Wirtschaftskrise steckten (Griechenland, Spanien), die sich über eine verfehlte Einwanderungs- und Wohlfahrtspolitik selbst in Bedrängnis gebracht haben (Großbritannien, Schweden), oder bei denen beides zusammenwirkte (Frankreich). Wut und Hoffnungslosigkeit fanden sowohl einen Anlass, als auch ein Ventil – verbessert hat sich die Situation durch Straßenschlachten freilich nicht.

In den aufstrebenden Ländern ist das Problem gar nicht so viel anders gelagert, denn nur ein geringer Bevölkerungsanteil profitierte dort tatsächlich vom Boom, während sich die Situation der breiten Bevölkerung kaum aufhellte. Die Schere zwischen Reich und Arm ging entsprechend immer weiter auf und das wird sie auch in Zukunft tun. In der aktuellen Ausgabe Smart Investor 6/2013 finden Sie ein Erklärungsmuster für dieses Phänomen, das nicht nur für die genannten Länder gilt, sondern auch hierzulande wirkt… (Seite 2)

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2 Kommentare auf "Zunehmende Unruhe(n) … nicht nur an den Bondmärkten"

  1. FDominicus sagt:

    Nun im Endeffekt lässt es sich auf einen Punkt zurückführen.

    Ungedeckte Schulden und viel zu viele Schuldscheine….

  2. ACHIM sagt:

    Ich liebe die Konflikte in der Türkei:
    (halten Sie durch)

    http://www.youtube.com/watch?v=UpAUQY4Wwlo

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