Zufälle?

12. September 2015 | Kategorie: RottMeyer

von Manfred Gburek

US-Medien loben Deutschland für den Einsatz zugunsten der anschwellenden Heerschar von Flüchtlingen. Das stinkt zum Himmel. Waren es doch gerade die Amerikaner mitsamt Verbündeten – außer Deutschland –, die den Irak destabilisierten…

Sie besetzten – einschließlich Deutschland – Afghanistan und unternahmen zwar Versuche, mit Syrien zu verhandeln, aber bis heute ohne Erfolg. In Syrien herrscht Bürgerkrieg, doch die Zahl der Syrer, die in den USA willkommen geheißen werden, ist im europäisch-amerikanischen Vergleich minimal. Derweil spinnen viele deutsche Medien ständig von Willkommenskultur, ohne sich klar zu artikulieren, was sie damit meinen.

Bereits diese wenigen Zeilen belegen, dass wir hier ein gewaltiges Problem vor uns haben. Wobei es ja nicht allein um Syrer, Iraker und Afghanen geht, sondern auch um ein buntes Völkergemisch jenseits des Nahen und Mittleren Ostens, um Menschen aus dem Balkan, aus Eritrea und weiteren afrikanischen Ländern. Sie werden sich nicht einfach abschütteln lassen. Und was spielen uns die Mainstream-Medien – zum Teil üble Sprachrohre der Politiker – tagein, tagaus vor? Dass wir die Flüchtlinge lieb haben sollen. Daniel Stelter, ein bekannter Querdenker, hat das auf seiner Internetseite am 4. September so formuliert: „Die Flüchtlingsdebatte trieft vor Scheinheiligkeiten.“

Ein aktuelles Beispiel aus München zeigt, dass die ganz großen Probleme jetzt erst richtig losgehen: Da landen Flüchtlinge am Hauptbahnhof, besteigen S- und U-Bahnen oder Taxis, um irgendwie weiter zu kommen, viele ohne klares Ziel, zum Teil unkontrolliert und irregeleitet. Nun stelle man sich vor, wie dieses Chaos eskalieren kann, sobald am 19. September das Oktoberfest (die Wiesn) beginnt, wenn das Bier in Strömen fließt und so mancher Betrunkene – nach bisherigen Erfahrungen überwiegend außerhalb der Festzelte – zum Rowdy wird.

Es handelt sich um das mit Abstand größte Volksfest der Welt. Da treffen viele Italiener, Amerikaner, Japaner und Australier auf Deutsche aus allen Bevölkerungsschichten und nun auch auf Flüchtlinge. Selbst wenn es der Münchner Polizei gelingen sollte, die Menschenmassen innerhalb der Wiesn im Zaum zu halten – außerhalb dürfte sie machtlos sein. Ach ja, und danach beginnt es in München wie auch im übrigen Oberbayern bitterkalt zu werden. Das erfordert warme Quartiere, aber woher nehmen? Bislang hat dafür noch niemand eine passable Lösung gefunden.

Vielleicht geht es ja so: Stelter, ehemals Unternehmensberater, könnte zum Politikberater avancieren. Denn er legt einen Zehn-Punkte-Plan vor, der sich überwiegend an Politiker richtet: Bürokratie abkürzen, möglichst schnell in Arbeit kommen, massive Investitionen in Bildung und Integration, Werte vermitteln, verpflichtend machen, Qualifizierte anwerben, auf Dauer angelegt, Hilfe vor Ort, aktive Friedenspolitik, es konsequent machen. Stelter geht davon aus, dass 30 Prozent der Flüchtlinge sich integrieren lassen. Das bringt ihm Kritik vonseiten seiner Leser ein, die mit niedrigeren Quoten rechnen. Und was wird aus den 70 oder mehr Prozent? Keine Frage, es handelt sich um Aufgaben für mindestens eine ganze Generation, wahrscheinlich sogar mehr.

Was mich immer wieder aufregt, sind Vergleiche mit der deutschen Flüchtlingswelle nach dem Zweiten Weltkrieg. Denn erstens hatten wir damals im Gegensatz zu heute eine gemeinsame Sprache, und zweitens prallten nicht grundverschiedene Kulturen aufeinander – um nur zwei Argumente anzuführen. Später gab es im Westen den Marshallplan. Von dem hatten wir in Schlesien nichts. Wir sollten in das polnisch-russische System integriert werden. Doch das klappte eher schlecht als recht, sodass wir schließlich in Richtung DDR und danach in den für uns attraktiveren Westen reisen durften.

Was die Sprache angeht, gab es einige Besonderheiten. Zu Hause redeten wir natürlich deutsch miteinander, was offiziell verboten war. Der Schulunterricht fand auf Polnisch statt, obwohl die meisten Schüler Deutsche waren. Nur ab und zu bekamen wir Schimpfworte zu hören, wie niemiec (Deutscher, als Schimpfwort gemeint) oder – ganz böse – szwab (was aber nichts mit Schwaben zu tun hatte). In der DDR angekommen, wurden wir schon mal als Polen beschimpft, in der groben Form als Polaken. Doch wir standen souverän darüber und zeigten erst den Ossis, dann den Wessis, zu welchen Leistungen wir fähig waren. Ich hoffe und wünsche sehr, dass die jetzigen Flüchtlinge aus aller Herren Länder so etwas auch schaffen. Allein, mit fehlt der Glaube. © Manfred Gburek (Homepage)

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4 Kommentare auf "Zufälle?"

  1. nursongedanke sagt:

    Heuer fällt die Wiesn aus!

    … reichlich Platz ist doch in den Oktoberfestzelten. Gemütlich ist es dort bekanntlich auch.
    Und wer will schon feiern, bei soviel Flüchtigselend? Und dem noch größeren politschen Elend in Berlin?

    Dafür hat doch jeder Wiesnfan garantiert Verständnis. Gerade die Wiesn ist ja für die Unterbringung ganzer Völkerwanderungen weltweit berühmt.

    Sofort sind so schon wenigstens 50000+ untergebracht..
    Also – das Oktoberfest fällt halt dieses Jahr mal aus. Nur vorübergehend, wie der freie Grenzverkehr.
    Es sei denn auch im nächsten Jahr ist der Zustrom unverändert.

  2. Habnix sagt:

    Trotz der gemeinsamen Sprache, darf ich vielleicht annhemen, das es die Flüchtlinge damals vor 70 Jahren wesentlich schwerer hatten.Müssten die Flüchtlinge heute, so flüchten wie damals,man könnte es sich nicht vorstellen.Es gibt kein gefrorenes Mittelmeer und sonstige Wiedrigkeiten.Manche der heutigen Flüchtlinge, geben sich meiner Meinung nach unnötig in extreme Gefahr, was damals vielleicht für die Flüchtlinge unvermeidbar war.Hier mussten die Flüchtlinge von damals,wie mir aus Dokumentationen bekannt ist, mit Barracken als Vorläufige Unterkunft vorlieb nehmen,aber heute kommt man vielleicht gleich mit Ansprüchen.Was wenn die Infrastruktur in einem harten Winter zusammen kracht? Das möchte ich mir nicht ausmalen.

  3. bluestar sagt:

    Vielen Dank Herr Gburek für diesen Artikel mit sehr persönlicher Note.
    Zum aktuellen Thema kann ich nur sagen:
    Hier wird die ganze Heuchelei, Unehrlichkeit, Feigheit und Demagogie des Regimes ersichtlich.

  4. Es ist auch „Zufall“, dass in Österreich besonders die der 1770 EW-Gemeinde Nickelsdorf im Burgenland an der Grenze zu Ungarn betroffen ist. Bereits ehe Deutschland die Grenze geschlossen hatte, richtet der Bürgermeister einen offenen Brief an die Bundesregierung; keine Reaktion; geholfen hat sowieso nur die burgenländische Landesregierung, die von Medien gebasht wird, weil sie nicht auf NATO-Kurs ist. Sie kann aber keine Soldaten und Polizisten an der Grenze zu Ungarn aufstellen. Interessanterweise untertreiben unsere sonst so dramatisierenden Medien wenn es um die Ansturm auf Nickelsdorf und die Situation in der 1770 EW-Gemeinde geht; hier ein ungeschminkter Bericht, da ich mit der Pressesprecherin und Gemeinderätin Eva Nikolaou sprach:

    Flüchtlingswelle: Ein Hilferuf aus Nickelsdorf
    http://ceiberweiber.myblog.de/ceiberweiber/art/8892177/Fluchtlingswelle-Ein-Hilferuf-aus-Nickelsdorf
    – in der Landesregierung sitzt Ex-Verteidigungsminister Darabos, der auch für Asyl zuständig ist und dem die Amerikaner heftig zusetzen; er war u.a. gegen den Raketenschild und gegen US-Militäroperationen und der letzte Nicht-NATO-Spitzenpolitiker in der Bundes-SPÖ.

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