Zucker für die Affen!

29. Oktober 2015 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Es ist immer noch ein „Event“ wenn die US-Notenbank ein Bündel Worte in die Öffentlichkeit wirft. So auch dieses mal. Aktien hoch, Gold runter – und es regnete jede Menge Konfetti. Doch eigentlich…

…glaubt man dort, das Richtige zu tun, also für steigende Aktien- und Hauspreise zu sorgen und das Geld nach und nach zu entwerten. Anleihen schaffen es aus eigener Kraft nicht mehr, sich oben zu halten. Deshalb werden sie verbal nach oben manipuliert – etliche Zentralbanken sind zum größten Aufkäufer dieser Schuldtitel geworden.

Die Notenbanken wissen außerdem die Märkte zu unterhalten und in die Irre zu führen. Vielleicht machen sie das auch zur eigenen Belustigung im eigenen Labor. Sie legen einen Würfelzucker in den Käfig der Affen und beobachten, wie diese sich dann freuen. Früher schütteten sie auch mal Essig in die Saufnäpfe. Aber das ist lange her. Und wenn, dann drohen sie jetzt mit einer leeren Flasche Essig, also einer Zinserhöhung. Großer Spaß!

Das waren noch Zeiten, als die Notenbanken mit Mister Market an der Zinskette spazieren waren. Als aber die Kette immer kürzer wurde, stieg die Gefahr, dass der Kerl hätte zuschnappen können. Seitdem bleibt er im Verhau mit Gitterstäben gefangen, der aus Macht und Paragraphen gezimmert wurde.

Wer hat den Notenbanken eigentlich ihre Macht als Zoowärter gegeben? Die Gründung der FED war ein Kind der Krise, welche unter Umständen nicht ganz von allein gekommen war. US-Präsident Wilson bedauerte später seinen Entschluss, im Jahr 1913 der FED grünes Licht gegeben zu haben.

Ich habe unwissentlich mein eigenes Land ruiniert, indem ich eine große Industrienation ihrem eigenen Kreditwesen unterstellt habe.

Das ist einhundert Jahre her. Seitdem ist das Bedauern der Tatsache gewichen, dass es plötzlich immer Geld gab. Diejenigen mit dem meisten Nutzen, die Politiker, wussten, dass sie ausgeliefert waren, hatten plötzlich Spielraum für Wahlversprechen und Wohlfahrt.

Auch die kleinen Leute kamen unter Aufgabe ihrer finanziellen Freiheit leichter an Geld. Die Kreditexpansion bekam einen zusätzlichen Schub, als das Geld vom Gold entkoppelt wurde. Der Hemmschuh war weg, die Wirtschaft auf Pump blühte auf. Zurückzahlen? Ach was! Um eine planmäßige Entwertung des Geldes kümmern sich die Zentralbanken.

Die Zeit von süß-sauer, also Zucker und Essig ist vorbei. Mister Market wird nur noch mit Zucker gefüttert. Statt Essig schüttet man ihm Tranquilizer in den Saufnapf, welcher in einer Art „Wortlabor“ kreiert wird und durch mediale Schläuche dorthin geleitet werden. Und was soll man sagen? Es funktioniert. Noch.

Auch am Mittwoch hat die FED schon wieder ausgeschenkt. Hier ein paar Würfelzucker, dort eine paar leere Essigflaschen. Sie belässt die Zinsen bei Null (Zucker), denn die wirtschaftlichen Daten haben sich eingetrübt. Doch am 16. Dezember haben sie sich dann (vielleicht) so weit aufgehellt, dass die Zinsen (kosmetisch) angehoben werden (leere Essigflasche).

Und während diesmal nur ein FED-Mitglied für höhere Zinsen votierte, werden es am 16. Dezember dann alle sein. Wirklich! Versprochen! Wenn nichts dazwischen kommt. Das wird es aber und zwar höchstwahrscheinlich…

Diese Politik verfolgt man nun schon seit einigen Jahren. Bislang ging es gut. Und wenn es nicht gutgehen sollte, wenn man also den ganzen Zirkus nicht mehr glaubt, wird man sich etwas Neues einfallen lassen haben – vielleicht sogar das Gegenteil aller bisherigen Versprechen – also statt einer roten Möhre den Leuten eine blaue Version vor die Nase halten und die Mischung der verbalen Drogen verändern. Glaube versetzt bekanntlich Berge.

Da lobt man sich doch die Politik eines Mario Draghi. Er hat versichert, dass die Zinsen unten bleiben, noch mehr Geld erschaffen – und der Euro plattgewalzt wird wie ein Wiener Schnitzel. Sie wissen, was zu tun ist?

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