Zu wahr um schön zu sein

17. November 2009 | Kategorie: Kommentare

Im letzten Jahr sind die Aktienkurse sind wieder gestiegen. Die Investierten jubeln. 2007 war trotz der „Subprime“-Krise und der durchgeschüttelten Banken ein gutes Börsenjahr. Wer dabei war, kann sich auf die Schulter klopfen. Manch Nicht-Investierte fragen sich vielleicht, wo die anderen das Geld hernehmen.

Ich glaube, daß Börsenkurse größtenteils nur noch unter den Big-Playern ausgehandelt werden. An eine Dienstmädchen-Hausse glaube ich eh nicht.
Vielleicht müsste man diesen Begriff aus Kostolany`s Zeiten Billiglohn-Hausse oder Reinigungskraft-Aufschwung nennen. Den meisten fehlt einfach Geld für Aktien. Wenn der DAX dann fünfstellig notiert, sind es höchstwahrscheinlich die Investoren, die Notenbanken aus ihrem Kreditschlamassel gerettet haben, die sich wild auf gute deutsche Standardwerte stürzen, oder die Staatsfonds, die ihre Berge an aufgestauten Dollar schnell wieder loswerden wollen bzw. müssen

Die Rentenmärkte schnupften vor sich hin. Das große Geld war hier nicht zu holen. Seit Jahren schon nicht. Wer erzählt mir eigentlich immer, daß Anleihen ein sicherer Hafen sind? Die paar Prozente frißt die Inflation schneller auf als ich mein Frühstück. Apropos Frühstück:
Zähle ich zusammen, wieviel meines Einkommens ich inzwischen täglich verputze, müßte meine Wage wegen Überbelastung streiken. Ich gebe für alltägliche Dinge inzwischen weit mehr aus als für Digitalkameras und riesige Bildschirme oder Computer. Den 20 Millionen Rentnern geht es nicht anders. Und auch denen, die durchs Raster der Arbeitslosenstatistik gefallen sind.
Die Nachrichtenticker wollen mir weismachen, dass es die Chinesen sind, die für die Preisanstiege verantwortlich sind. Sie kaufen die Butterberge auf, trinken die Milchseen leer, raffen Öl, Gas, Kupfer, unsere Ingenieure und neulich sogar die Weihnachtsbäume an sich. Und ich möge das auch bitte so glauben.
Manchmal ist es das Ozonloch, manchmal ein Tropensturm, der für Preisanstiege verantwortlich sein soll. Oder die Gewerkschaften. Oder der liebe Gott. Oder alle gleichzeitig in konzertierter Aktion.

Etliche zweifeln an sich, wenn sie die offiziellen Teuerungsraten mit ihren gefühlten Daten vergleichen. Oder die zweifeln an den Daten. Schuldige sind meist schnell gefunden – und alle sind sie weit weg. Jetzt soll schon wieder Bier teurer werden.
Na wenn das gut geht! Klar, wenn man aus Gerste Bioalkohol machen muß? Entlang der Autobahnen sieht man nur noch Weizen, Mais und Raps wachsen. Landschaften verändern sich rasant Wenn es doch ein paar Schneestürme geben würde. Dann müßte man sich diesen Unfug wenigstens für ein paar Wochen
Nicht auch noch ansehen.

Meine Jahresstatistik zeigt noch mehr: Gold zeigte Muskeln und turnt auf seinem nominalen Allzeithoch aus dem Jahr 1980 herum. Ein gutes Drittel stieg Gold im
im letzten Jahr. Es hatte schon immer eine gute Nase, wenn die Druckerpressen dieser Welt zu schnell rotieren, und sich zuviel buntes Papier der Aktienkurse bemächtigt und neuerdings auch die Preisschilder der Gütern und Dienstleistungen.

Wo soll man sein Geld in diesem Jahr anlegen, sofern vorhanden?
Woher soll ich das wissen. Ahnen kann ich es aber.

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