Zu wenige bissige Flöhe!

21. Mai 2016 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Experimente sind vor allem mit Blick auf ihren ungewissen Ausgang äußerst spannend. Für Schäden in der Politik zahlt ohnehin der Steuerzahler. Für Schäden in der Geldpolitik der Sparer. Und wenn man Glück hat, für einen Wasserschaden, die Hausratversicherung…

Ja, man merkt, die Bundestagswahl steht bald wieder an. Zeit für Steuerversprechen in Zeiten, in denen noch nie so viel Geld dem Bürger geraubt, Pardon, weggenommen wurde wie jetzt. Das Ulkige ist aber, dass die Leute beharrlich darauf hereinfallen, jedenfalls, die zur Wahl gehen und dort für die Mehrheiten sorgen. Nie wird so oft gelogen wie vor einer Wahl und nach der Jagd, sagte mal ein kluger Kopf. Und dazwischen natürlich auch.

Zwar werden Politiker vom Volk gewählt, doch in welchem Interesse sie danach agieren, bleibt meist im Dunkeln wie der Inhalt vom vermeintlich freien Handelsabkommen TTIP. Was für eine Frechheit, dass dessen Inhalt in die Öffentlichkeit gelangt ist. Überhaupt sind Whistleblower ganz böse Menschen – weil sie Wahrheiten verraten.

Unser geliebter EU-Kommissionschef Jean Claude Juncker sagte:

“Wenn es ernst wird, muss man lügen.“

Und:

„Wir beschließen etwas, stellen das dann in den Raum und warten einige Zeit ab, was passiert. Wenn es dann kein großes Geschrei gibt und keine Aufstände, weil die meisten gar nicht begreifen, was da beschlossen wurde, dann machen wir weiter – Schritt für Schritt, bis es kein Zurück mehr gibt.“

Doch für wen?

Geldpolitik funktioniert in gleicher Weise. Wir werden seit einigen Monaten an Minus-Zinsen gewöhnt. Regt sich jemand auf? Ach was! Das große Zins-Besäufnis wird irgendwann mit einem Kater enden und großen Unfällen. Doch noch ist die Party wunderbar. Wir werden reich gedruckt, obwohl wir real ärmer werden. Prost! Wenn die Börsenkurse steigen, muss das doch gut sein, ja, ein Beweis für eine florierende Wirtschaft und steigenden Wohlstand. Stößchen! Wer nicht dabei ist, der schaut in die Röhre. Mathematik ist eben doch ein Problemfach, aber dennoch unbestechlich.

Wenn man sich zudem überlegt, wogegen die Leute heute alle so sind, und das sogar mehrheitlich, dann ist es schon erstaunlich, dass sie genau das dann bekommen, was sie laut der vielen Umfragen gar nicht möchten. Man könnte meinen, das sei eine Fortschreibung oder Auslegungssache der Demokratie.

Soweit man weiß, will kaum jemand dieses so freie Freihandelsabkommen TTIP, außer die USA und deren Handlanger in Europa. Deshalb wird es wohl auch kommen – wie die weitere Genehmigung für den Unkraut-Killer Glyphosat, dass dieser weiterhin über die Felder gesprüht werden darf – ganz gleich, ob er Krebs verursacht oder nicht, wir sind davon belastet mit ungewissem Ausgang. Ein Jungbrunnen ist es nicht.

Warten wir doch einfach ab, was bei diesem Langzeit-Experiment passiert. Ob wir wirklich abwarten könen? Das Zeug produziert übrigens Monsanto. Die Bayer AG aus Leverkusen ist ganz wild darauf, Monsanto für 54 Milliarden US-Dollar zu kaufen. Wer weiß, vielleicht werden die Klagewellen gegen das Saatgut-Monster noch teurer, wenn die Rechnung Bayer bezahlt.

Wenn TTIP scheitern sollte, ist zumindest der lückenlose Glyphosat-Einsatz gesichert wie auch Monsantos Gentechnik auf den heimischen Äckern. Mahlzeit! Ach, wir wollen doch billiges Essen … bis wir ins Gras beißen, natürlich mit Glyphosat verseucht. Aber auch das werden wir dankbar hinnehmen, wenn der Füllstoff für den Magen billig bleibt.

Was sagte Juncker einst?

Zum Beispiel weiß jeder, auch der in „Brehms Tierleben“ weniger Kundige, dass ein Floh einen Löwen zum Wahnsinn treiben kann, einen Löwe einen Floh aber nie zum Wahnsinn treiben kann.“

Das lässt die Vermutung aufkommen, dass Glyphosat viel mehr vernichtet als nur Unkraut – wahrscheinlich sogar Flöhe. Sonst wären genügend da, um diese „Löwen“ längst schon in den Wahnsinn gebissen zu haben – oder ganz weg.

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5 Kommentare auf "Zu wenige bissige Flöhe!"

  1. Avantgarde sagt:

    Richtig: MIT TTIP kommt Glyphosat auf jeden Fall.
    Zum einen könnte die EU zu Milliarden Entschädigungszahlungen wegen dem dem Produkt-Verkaufsverbot verklagt werden werden – und zum anderen….selbst wenn man es dennoch durchsteht. Die importieren glyphosathaltigen Produkte könnte man dann dennoch nicht verbieten. Und gerade die Landwirtschaftsprodukte sind es doch die die USA besser über TTIP verkaufen möchten.
    Und noch eines obendrauf: Bisher sind Glyphosat-resistente Pflanzen in der EU nicht zugelassen – auch dies würde sich mit TTIP wohl ändern. Notfalls mit Mrd-schwereren Strafzahlungen.
    Aber Glyphosat steht da ja nur beispielhaft.

    Ausgerechnet die Geschichte ums Glyphosat finde ich etwas merkwürdig.
    Glyphosat ist das weltweit am häufigsten eingesetzte Breitbandherbizid der Welt.
    Der Patentschutz läuft überall ab, Monsanto ist nicht mehr der einzige Hersteller.

    Was kommt denn nach Glyphosat?
    Wird ja wohl keiner glauben, daß unsere intensive Landwirtschaft auf solche Mittelchen verzichten könnte.
    Eines kann man bereits jetzt wissen: auch das Nachfolgepräparat (was auch immer es ist) wird zu den gesundheitlich bedenklichen Stoffen gehören, in Grundwasser gelangen und ein Teil in den Menschen.
    Um das herauszufinden wird man aber freilich mind. 20 Jahre brauchen.

    Mit Sicherheit aber wird das neue Produkt teurer sein. Weil möglicherweise mit Patentschutz?!?
    Ein Schelm wer böses dabei denkt.

  2. Reiner Vogels sagt:

    Ob Glyphosat eine neue Genehmigung bekommt, hängt m.E. an der Haltung des SPD.

    Die SPD, so meine Überzeugung, wird ihre Entscheidung nicht nach Sachgesichtspunkten treffen, sondern nach rein parteipolitisch-taktischen Kriterien.

    Zur Erläuterung: Die Lage der SPD ist katastrophal. In den Umfragen befindet sie sich im freuen Fall, und bis zur nächsten Wahl ist es nicht mehr weit. Wenn es so weitergeht, zeichnet sich bei der Wahl ein Debakel für diese einstige Arbeiterpartei ab. Sie steht in Gefahr, w

    • Reiner Vogels sagt:

      Fortsetzung:

      Sie steht in Gefahr, weit unter 20% zu fallen. Es spricht Bände, daß niemand in der SPD gerne Kanzlerkandidat sein will. Man will Gabriel als Kanzlerkandidaten, weil die bevorstehende Wahlkatastrophe dann seine Katastrophe sein wird.

      Was soll die SPD in dieser verzweifelten Situation tun? Warum sollte sie sich bei Glyphosat nicht weiter querstellen und so das Ende der Koalition risikieren? Sie wüßte ja: Der Widerstand gegen Glyphosat ist in der Bevölkerung riesig. Daher würde das Scheitern der Koalition eher CDU/CSU angelastet werden als der SPD.

      Ob es dann vorgezogene Neuwahlen geben wird oder den Versuch einer rot-rot-grünen Koalition, so daß Gabriel als Kanzler in den Wahlkampf ziehen könnte, bleibt abzuwarten.

      Die Sache ist also spannend. Ich tippe darauf, daß die SPD aus diesen Erwägungen heraus bei ihrem Nein bleibt. Monsanto hat schlechte Karten.

  3. Lickneeson sagt:

    „Zur Erläuterung: Die Lage der SPD ist katastrophal. In den Umfragen befindet sie sich im freuen Fall, und bis zur nächsten Wahl ist es nicht mehr weit. Wenn es so weitergeht, zeichnet sich bei der Wahl ein Debakel für diese einstige Arbeiterpartei ab. Sie steht in Gefahr, “

    @ Vogels

    Richtig, und was tut die alte Tante SPD? Zum Beispiel innovative, bahnbrechende und wirklich wichtige Vorschläge zu unterbreiten:

    „…sollte die Promillegrenze für Radfahrer von 1,6 auf 1,1 abgesenkt werden. Dies sollte helfen Unfälle im Strassenverkehr deutlich zu senken…“ übrigens von vorgestern.

    Typisch für die SPD ausgerechnet jetzt deratige Ideen zu verbreiten, wo durch illegal veranstaltete Autorennen in Städten mehrer Menschen schwer verletzt wurden, bzw. starben.
    Durch lasche Gesetze sowie eine „positive Sozialprognose“ kann man bei uns Leute sinnlos totfahren und kommt noch nicht einmal ins Gefängnis. Zitat eines Verteidigers: „Mein Mandant wusste nicht, wie schnell er tatsächlich fährt…“ Ohne Worte.

    Riding a dead horse gilt für jeden SPD Wähler. Da brauchts einen echten Wechsel im Personal und in der Gesinnung. Gut, das man nicht wählen muss.

    Ach ja, zum Artikel.

    „“Wenn es ernst wird, muss man lügen.“

    Damit ist alles gesagt. Never trust a politician!

    MfG

  4. mohrfan sagt:

    @Avantgarde:
    Guter Punkt mit dem dank Patentschutz teureren Folgeprodukt von Glyphosat.

    Der Punkt geht mir in der ganzen Diskussion darum immer viel zu sehr unter. Was machen wir denn ohne Glyphosat. Wir werden sicher nicht zur Dreifelderwirtschaft mit Kuhdung zurück kehren. Wie gefährlich sind denn die Ersatzprodukte?

    Außerdem: Klar ist Glyphosat krebserregend. Ich habe aber nicht vor das Mittel zu trinken oder damit zu duschen. Und wie gefährlich es in Kleinstmengen ist, die bei häufigen Gebrauch nun mal jeder aufnimmt, steht auf einem anderen Blatt.

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