Zu wahr, um schön zu sein

6. April 2015 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Pippi Langstrumpf ist, dem Zeitgeist gemäß, jetzt angeblich auch zur Schutzheiligen der Statistiker ernannt worden. Bekanntlich malt sie sich die Welt, wie sie ihr gefällt…

Ich weiß nicht, ob das zur Rubrik „Aprilscherz“ gehört, aber es ist mir völlig Ich schreibe heute stur den 35. März, denn in den April traue ich mich nicht. Wäre ja noch schöner! Zudem sind die Aprilscherze heute von realen Nachrichten gar nicht mehr zu unterscheiden. Ich bleibe im März. Das ist sogar sicherer als die berühmt-berüchtigte HSH Nordbank. Kennen Sie die?

Das Zahlenwerk der HSH Nordbank wurde pünktlich am 1. April veröffentlicht. Zufall? Lasst uns in die Hände klatschen! Ihr Gesamterlös sank im letzten Jahr um 39 (!) Prozent auf 909 Millionen Euro, dafür aber gibt es dicke Gewinne. An diesem Erfolg wird jetzt der Steuerzahler in Hamburg und Schleswig Holstein umgehend beteiligt, indem er nun statt für 1,6 sogar für 2,1 Milliarden Euro geradesteht. Ist das nicht toll? Mehr vom weniger… oder so ähnlich…

Die Gewinne entstanden übrigens vor allem durch Auflösung von Rückstellungen, weil andere die Risiken tragen. Zudem schwimmt das Schifffahrtsgeschäft weiterhin Kiel oben und auch im US-Dollar hat man sich mal hübsch verzockt, macht aber nix, bei der Ha-Ha-Ha Nordbank. Harry Potter, übernehmen Sie!

Die Hände sind noch nicht rot genug vom Beifall? Was halten Sie hiervon? Dass der deutsche Staat im letzten Jahr 18 Milliarden Euro Überschuss ausweist und gleichzeitig zwei Milliarden Euro mehr Schulden verkündet, wirft Fragen auf, oder es handelt sich wieder mal um ein Meisterstück. Wie geht das? Man gibt Geld aus und wird reicher oder man spart und wird ärmer. Amerika lässt grüßen. Nicht nur dort sind die Minuszeichen als Relikt der Vergangenheit verstorben wie der gute Geschmack längst auch.

Doch auch hierzulande passt das Zahlenwerk, denn alle Zahlungen für die sogenannten Rettungsprogramme tauchen in der Bilanz gar nicht mehr auf. Wenn also Griechenland Pleite geht, wird das hierzulande niemand merken. Und die verlorenen 91 Milliarden Euro, die derzeit am Fliegenfänger hängen? Daraus hätten ein paar neue Kitas werden können oder Kilometer Autobahn zu überteuerten Preisen. Einfach zum Fenster raus. Lasst uns dennoch feiern! Pippi Stützstrumpf lässt grüßen.

Frank Meyer, Kolumne aus den Lübecker Nachrichten (Langfassung)


 

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4 Kommentare auf "Zu wahr, um schön zu sein"

  1. asisi1 sagt:

    wir sollten auch, in der Sommerzeit die Uhren um 12 stunden vorstellen, dann haben wir immer tag.
    gute nacht

  2. bluestar sagt:

    Achtung: Folgendes ist kein verspäteter Aprilscherz !
    Laut aktueller Forsa-Umfrage stimmen 65% der Wähler für die Parteien der GROKO, bei 29%
    Stimmenthaltung und 10% für die ökologischen Kriegspopulisten. Also 75% Wählerstimmen für die Blockparteien.
    Alle sind glücklich und zufrieden mit der Arbeit der Regierenden. Ist das nicht toll ?
    Die Schere zwischen Arme und Reiche soll ja in Deutschland immer mehr auseinandergehen.
    Schlimmer und allerdings ist die Schere zwischen Idioten und Denkfähigen in diesem Land, da eigenes Denkvermögen als werthaltiges Gut drastisch abzunehmen droht.

  3. jugen sagt:

    „Wenn also Griechenland Pleite geht, wird das hierzulande niemand merken. Und die verlorenen 91 Milliarden Euro, die derzeit am Fliegenfänger hängen?“

    …nicht zu vergessen, die circa 50 Milliarden Euro, die auf dem griechischen Target2 Konto noch mit einem fetten Minuszeichen zu Buche stehen…:-)

  4. JayJay sagt:

    Doch der Bürger wird die Verluste dann schon merken, wenn mit einmal die geliebte, politische Kaste daher kommt, Steuer und Abgaben zu erhöhen.

    Aber denke die haben Abteilungen, die schon daran arbeiten das dann als gut und richtig zu verkaufen.

    Eben alternativlos und eine Sache von Krieg und Frieden.
    Ach, das hatten wir ja schon. 😉

    Wünsche einen schönen 38.März 🙂

    Gold & Silber Ahoi 🙂

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