„Zu viel“ hat seine Konsequenzen

21. November 2012 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

(von Bill Bonner) Schulden sind eine große Last geworden, für die Volkswirtschaften in Nordamerika, Europa und Japan. Die halten diese Volkswirtschaften davon ab, Ersparnisse zu bilden, zu konsumieren, zu investieren und neuen Reichtum zu bilden. Warum? Weil die Ressourcen, die für den Aufbau der Zukunft verwendet werden könnten, bereits durch die Vergangenheit in Anspruch genommen werden…

Die Schulden wurden aufgenommen. Und jetzt müssen sie bezahlt werden. Das ist so, als ob sich in meinem letzten Beispiel der Pharao das Getreide, welches er brauchte, einfach geliehen hätte. So, als ob das Getreide, welches für die Aussaat im nächsten Jahr benötigt würde, bereits gegessen worden ist. Sobald es konsumiert ist, kann man es auch nicht mehr leihen oder verleihen. Es ist weg.

Wenn man seine Kreditkarte überzieht, dann hat man oft Schulden für Dinge, die nicht mehr existieren. Hamburger, die vor Monaten gegessen worden sind. Kleider, welche letzten Sommer schon „out“ geworden sind. Ein Ski-Urlaub, im Schnee vom letzten Winter. Mit dieser Last der Vergangenheit auf den Schultern, findet man es schwieriger, in die Zukunft zu schauen. Die Fußstapfen der Vergangenheit werden mitgeschleppt, das Leben schrumpft. Man ist dazu gezwungen, sein morgen damit zu verbringen, mit den Schulden von gestern klarzukommen.

Wenn Sie Schulden in Höhe ihres Jahreseinkommens haben, zu Zinsen von 5%, dann werden sie mehr als einen von 20 Arbeitstagen nur für das Zahlen der Zinsen erbringen müssen. Ich sage „mehr als“, weil sie die Zinsen mit versteuertem Geld bezahlen müssen. Bei einem Steuersatz von 25% (aus Vereinfachungsgründen) müssen Sie schon einen Tag alle zwei Wochen

Sie können die Größe des derzeitigen Problems erkennen, wenn Sie realisieren, dass die gesamte Verschuldung der USA (private und öffentliche) bei ungefähr 353% des BIP liegt. Bei 5% Zinsen, dem Ausblenden von Steuern, muss der Gläubiger fast einen Tag pro Woche arbeiten, um für den Konsum der Vergangenheit zu bezahlen.

„Zu viel“ kommt leicht über die Lippen, wenn wir jemanden beschreiben, der zu viele Hamburger gegessen hat oder zu viele Urlaube auf Kredit durchgeführt hat. Er mag zwar weitere Schulden aufnehmen können…um weitere Hamburger zu essen. Aber das ist selten eine gute Idee. Ab einem bestimmten Punkt sind neue Schulden mehr von Schaden als von Nutzen. Dann hat man den Boden erreicht.

Der Grenznutzen von Schulden ist recht hoch, wenn man die nutzt, um ein Unternehmen oder eine Brücke aufzubauen. Aber dieser Grenznutzen geht stark zurück, sobald man beginnt, Schulden zu machen für die täglichen Ausgaben. Eine Investitionen, finanziert durch Schulden, schafft neue Einkommensströme – ein Ergebnis, welches das Investment rechtfertigt und sich auszahlt. Mit ein bisschen Glück kann der Investor das zusätzliche Geld nehmen, um den Kredit inkl. Zinsen zurückzahlen zu können, und er erhält noch zusätzlich etwas. Dieses zusätzliche ist dann reales „Wachstum“ – neuer Reichtum, der vorher nicht existierte.

Aber es gibt keine zusätzlichen Einkommensströme, welche neu erschaffen werden, wenn Schulden aufgenommen werden, um für Sozialleistungen Geld zu haben. Oder für Kampfflugzeuge. Oder die neueste Mode…und andere Konsumenten-Dinge.

Das Geld ist in diesen Fällen weg. Aufgebraucht. Konsumiert. Es existiert nicht mehr. Obwohl alle diese Dinge Genuss bringen können….vielleicht eine lange Zeit…generieren sie keinen Einkommenfluss. Der Boden darum herum bleibt trocken.

Wenn man in solchen Fällen Schulden macht, und immer weiter Geld ausgibt, dann wird man irgendwann nicht mehr so weitermachen können. Das Gewicht der Vergangenheit wird zu schwer. Die Beine werden nachgeben und der Rücken wird zusammenbrechen.

„Zu viel“ hat eine Bedeutung, welche Ingenieure nicht anwenden können. Die Maschine kann nicht so eingestellt werden, dass es weitergeht. „Zu viel“ muss angenommen werden, und es bedeutet Leiden. Das Leiden, welches in so einem Fall auf einen Markt zukommt, ist eine „Korrektur“.

Starke, dramatische Korrekturen werden „Crash“ genannt. In einer Volkswirtschaft ist das ein „Abschwung“ oder eine „Rezession“. Schwere Fälle werden „Depression“ genannt.

Die kann man verneinen. Die kann man verzögern. Aber die verschwinden nicht. „Zu viel“ hat Konsequenzen; der Abschwung muss seine Zeit haben.

Quelle: Kapitalschutz Akte
„Zu viel“ hat seine Konsequenzen (von Bill Bonner)
Weitere Informationen: Investor Verlag

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