Gaudium maximum! Die Zombifizierung schreitet voran!

12. Juni 2012 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

(von Frank Meyer) Spannende Schlagzeilen: Lagarde als Crashprophetin… Roubini fordert Reisegutscheine für Deutsche in die Südländer… Grenzkontrollen und Kapitalverkehrskontrollen für den Notall… Oh ja! Endlich mal was Neues! Kapitalkontrollen sind der Sommer-Hit und wenigstens mal etwas anderes als das ständige Geschrei über diese Krise in der Eurozone…

Grenzkontrollen gibt es ja zeitweise heute schon wieder. Begrenzung von Abhebungen an Geldautomaten sind für den Fall, dass es nach einem Austritt von Griechenland aus der Eurozone zu Turbulenzen kommt irgendwie auch vorgesehen. Natürlich wird ein Austritt nicht erwartet. Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten. In heutigen Zeiten kann aber schnell Unerwartetes passieren. Wozu soll man sein Geld auf dem Konto haben? Lieber ein Jahr zu früh handeln, statt einer Stunde zu spät.

Während dutzende Milliarden für marode spanische Banken versprochen wurden, müsste/will/sollte (unzutreffendes bitte streichen) der frühere Musterknabe Zypern ebenfalls unter den Schirm. Ist Zypern schon drunter? Man hört nichts davon. Auf die paar Milliarden kommt es nun wirklich nicht mehr an, aber vielleicht auf das Prinzip. Ach Quatsch! Nicht während der Fussball-Europameisterschaft. Und so erhöhen sich die Forderungen gegenüber Deutschland aber auch gegenüber Frankreich täglich um einige Milliarden. Wir sind eins – und wenn nicht, sollen wir das werden, indem wir die Macht an seltsame Leuten mit seltsamen Ideen abtreten.

Einsparungen als Zeichen der Solidarität

Unterdessen kann man hierzulande die Folgen der großen Solidarität spüren. Neulich habe ich eine Radtour durch ein Schlagloch gemacht. Das Geld ist knapp. Es wird gespart. Überall. Mal sehen, wann der Bild-Zeitung auffällt, dass die Straßen so schnell verkommen wie das Vertrauen in die Politik. Der deutsche Nahverkehr gilt beispielsweise als chronisch unterfinanziert und steht vor dem Kollaps, schreibt das Handelsblatt. Mein Lieblingsthema! Marode Bahnen, Verspätungen und immer süß säuselnde Stimmen aus dem Lautsprecher, es gäbe ein Problem und zugleich auch Kuchen im Bord-Restaurant. Fahren Sie mal, immer zu ungeraden Stunden, von Gernsheim nach Frankfurt. Ein Fest für die Sinne!

Sollten Sie Pech haben und das dringende Bedürfnis nach einer Toilette verspüren, nehmen Sie vorsorglich ein paar Tüten zum Auffangen des oralen Aufwurfs mit. Besser noch: Dem „werten Bahnkunden“ werden diese Tüten kundennah am Platz bereit gelegt wie im Flugzeug. In der ersten Klasse bekommen Sie vielleicht eine Plampers.

Maximus Gaudi nicht nur auf der Zugtoilette und beim Umfahren von Schlaglöchern – jetzt auch täglich an der Börse. Am Morgen kaufte man voller Freude und Zuversicht Papiere zum Tageshöchstkurs. Dann kamen die Börsen von ihrem Tageshoch wieder auf den Ausgangspunkt zurück, trotz der 100 Milliarden für spanische Banken. Geben wir dem DAX eine Chance. der Euro könnte auch eine gebrauchen…

Mit einer weiteren Billion aus der EZB wäre das nicht passiert. Dann hätte man vielleicht sogar zehn Tage lang steigende Kurse gesehen. So aber gab der DAX seine Gewinne wieder ab, der Euro wurde abverkauft und die spanischen Anleihen, die auf einmal als nachrangig eingestuft worden, (Rettungsschirm und IWF haben Vortritt) stiegen auf 6,5 Prozent.

Italien steht heute bei über sechs Prozent. Wen würde es wundern, wenn nicht auch italienische und dann französische Banken inmitten eines Fussballspiels nach Finanzhilfe rufen würden – wissen sie doch, dass sie so wichtig sind und die Sache einfach zu erledigen wäre. Wir treffen uns alle – unter dem Schutzschirm zur großen Schutzschirm-Party!

Eine Kleinigkeit am Rande: Aus der Bank of England fordert Mister Posen, es wäre an der Zeit für die Zentralbanken, auch für die BoE, private Assets aufzukaufen. Es würde der Wirtschaft helfen. Ja, das ist neu, ging aber irgendwie in den ganzen Schlagzeilen unter. Zerohedge gibt den dringenden Rat, vor den Aufkäufern da zu sein, wenn ich das richtig verstanden habe…

 

Ich glaube das ist eine gute Zeit dem Finanzsystem den Rücken zu kehren. Vergessen Sie Gold! Nur Dummköpfe kaufen welches. China und Indien sind besonders dumm und kaufen jährlich die halbe Weltjahresproduktion weg. Experten warnen. Und auch ein Freund, der seine Ersparnisse aus Sorge vor Inflation gerade in seiner Wohnung für neue Granitplatten und neue Fliesen verbaut.

Wo ist eigentlich das ganze Geld, das die spanischen Banken sich aus den angebotenen Tendern der EZB besorgt haben? Ist es etwa schon verbraucht? Die nächsten großen Aktionen sind sicherlich längst vorbereitet. Irgendwann später passieren diese andauernd, ohne Ankündigung, ohne Erklärung oder irgendwelcher Empörung. So lässt sich Europa zusammenhalten und zugleich umbauen. Folgenlos wird es nicht bleiben, weder für die Kaufkraft des Geldes, für das Vertrauen in Politik, Wirtschaft, Banken und diejenigen, die permanent Gesetze brechen und rote Linien überrennen. Doch wenn`s kurzfristig hilft?

Man hört schon wieder, dass Banken enger an die Leine genommen werden müssten. Sehr witzig! Hängt in Wirklichkeit nicht die Politik an der Leine der Banken? Ein gut in Szene gesetztes Theaterstück mit betörendem betörendem Gesang.

Nicht nur die Zahl der Milliarden wird entscheiden, ob der politisch gewollte Zombie am Leben gehalten werden kann, sondern auch darüber, wer dessen Leine hält. Und diejenigen legen, die schon an der Leine ausgeführt werden, lassen ihrerseits die leine nicht aus der Hand. Bis jemand stürzt oder gestürzt wird.


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8 Kommentare auf "Gaudium maximum! Die Zombifizierung schreitet voran!"

  1. Avantgarde sagt:

    „Die nächsten großen Aktionen sind sicherlich längst vorbereitet. Irgendwann später passieren diese andauernd, ohne Ankündigung, ohne Erklärung oder irgendwelcher Empörung. So lässt sich Europa zusammenhalten und zugleich umbauen.“

    So ist es wenn man den 3. Schritt vor dem ersten macht.
    Ursprünglich war mal die „Krönungstheorie“ also die Einführung einer gemeinsamen Währung nach der politischen Einigung geplant.
    Das dauerte der sog. Elite aber zu lange – nun haben wir den Salat.
    Ohne politische Einigung wird das nix mehr mit dem Euro – nun kommt der Zwang.
    Wir spielen jetzt Alles oder Nichts – rien ne va plus: die Kugel rollt bereits.

    „Man hört schon wieder, dass Banken enger an die Leine genommen werden müssten. Sehr witzig! Hängt in Wirklichkeit nicht die Politik an der Leine der Banken? Ein gut in Szene gesetztes Theaterstück mit betörendem betörendem Gesang.“

    Man hätte die Banken bereits 2008/9 verstaatlichen und später zu kleineren Einheiten an den Markt zurückbringen können.
    Nicht nur die Chance vertan – die sog. systemrelevanten Banken hat man auch gleich noch größer werden lassen.

    Die Leine halten die Gottes-Werke-Verrichter fest im Griff.
    Und so werden auch weiterhin Geburtstage im Kanzleramt gefeiert, der Finanzminister oder gleich die ganze Regierung vorzugsweise ohne Wahl frei Haus gestellt.

  2. wolfswurt sagt:

    Im Winter 88/89 reichte der gesamte zur Verfügung stehende Kohlevorrat in der DDR 14 Tage.
    Reichte am Ort A der Vorrat 6 Wochen mußte bis auf 14 Tage reduziert werden und die Differenz nach Ort B geschafft werden. Den VEB´s erging es genauso. Energie von der Hand in den Mund.

    Die Kohle von damals sind heute die Bits&Bites-Buchungen.

    Der Vorrat beträgt gefühlsmäßig weniger als 14 Tage.

    Macht nichts solange die da „Oben“ uns alle lieben ala Mielke…

  3. FDominicus sagt:

    Ich weiß gar nicht mehr wie oft ich dagegen angeschrieben habe. Und es war mir klar wenn irgendetwas mit dem Euro „passieren“ wird sind Kapitalverkehrskontrollen eine der ersten Aktionen die Laufen werden. Und sicher habe ich auch vorher das eine oder andere Mal angemerkt, so könne es nicht funktionieren. Aber nein die „Experten“ an den staatlichen Futtertrögen wissen es besser…

  4. Fnord23 sagt:

    Der Euro ist ein politisches Projekt. Das war die Aussage. Da gelten ökonomische Gesetze nicht. Darum laufen auf Logik basierende Ratschläge ins Leere.

    Wir sollten auch nicht vergessen, dass wir wirtschaftliche Probleme auf Grund einer Währung für extem unterschiedlich leistungsstarke Volkswirtschaften haben.

    Gleichzeitig ein Kreditsystem in der Endphase eines Zykluses.

    Warum hört man eigentlich nichts vom Dollar? Gibt es den noch?

    VG

  5. JayJay sagt:

    Das Europa von Frau Merkel & ihrer Vassallen zu des Großkapitals Gnaden, halten in ihrem Lauf weder Ochs, noch Esel auf.

    Im EM-Rausch, kann man viel möglich machen, auf Kosten des dummen, deutschen Michels.

    Die Politikerkaste bettet sicherlich jeden Tag, das die deutsche Elf nicht verliert bzw. ausscheidet.

    Gold & Silber Ahoi

    • FDominicus sagt:

      „halten in ihrem Lauf weder Ochs, noch Esel auf.“

      Wie das endet wissen wir auch.
      Das erledigt die Realität.

      Also sollen sie ruhig weiter manipulieren umso schneller und böser wird der Zusammenbruch, ich garantiere Ihnen aber heute schon. Es war niemals die Schuld der Zombiemacher…..

  6. Oeconomicus sagt:

    Wer den Euro-Katechismus nicht täglich herunterbetet, sondern hinterfragt, wird dämonisiert oder mit den bekannte „Keulen“ bedroht.
    Für mich ist dies Ansporn, den Finger immer wieder in die Wunde zu legen.
    Mein Aufsatz „Semantische Abenteuer-WELTen“ befasst sich mit einem einseitigen Traktat der Welt am Sonntag, mit dem man pseudowissenschaftlich versuchte, die schwelende Debatte um einen Euroausstieg seitens D’s zu vergiften:
    http://www.fortunanetz.de

  7. witok sagt:

    ts, ts, ts …

    Unglaublich, jetzt wechselt ihr aber vor lauter Sarkasmus auch noch zur Liga der Schönredner.
    Oder ist der Wervexler Milliarden/Billionen im letzten Absatz doch nur eine Promille-Unfall ?
    Aber eigentlich – was solls – vielleicht retten ja 1000 Billionen nächstes Jahr die Welt.

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