Zirkus für Leichtgläubige…

15. Mai 2016 | Kategorie: RottMeyer

von Andreas Hoose

Wollen wir uns noch länger wie ein dummer Esel durch die Manege führen lassen? Mit einer Karotte vor der Nase!

Das Wetter am langen Pfingstwochenende soll ja bescheiden werden. Dauerregen ist angekündigt. Beim Blick aus dem Fenster drängen sich Analogien auf: Wenn der Boden kein Wasser mehr aufnehmen kann, dann wächst dort nichts mehr. Die Pflanzen bekommen keine Nährstoffe, können nicht mehr atmen, sterben ab und verfaulen.

Mit unserem Finanzsystem ist es ganz genauso: Seit Jahren wird dort versucht, mit immer größeren Schulden das so dringend benötigte Wachstum zu erzeugen. Doch der gewünschte Effekt lässt mehr und mehr nach – weil überschuldete Volkswirtschaften kaum noch Kredite aufnehmen können, gibt es auch kein Wachstum, alles beginnt abzusterben und zu verfaulen.

USD Wirkung

Dessen ungeachtet, und obwohl die Anzeichen des Zerfalls längst unübersehbar sind, bemühen sich viele Kollegen immer noch, dem ganzen Treiben einen Anschein von „Normalität“ zu geben. Da werden komplizierte Schaubilder erstellt und wortreich erklärt, warum jetzt dieses oder jenes geschehen wird.

Dabei hätte der Groschen spätestens 2008 fallen müssen: Seinerzeit hatte alles nach einem unrühmlichen Ende des bestehenden Finanzsystems ausgesehen. Durch immer absurdere Geldsummen wird der Kollaps seither hinausgezögert. Acht Jahre ist das jetzt her – und es funktioniert immer noch. Scheinbar jedenfalls.

Doch glücklicherweise lassen sich nicht alle von der trügerischen Ruhe blenden, die sich seither wie Mehltau über den gesamten Planeten gelegt hat. Die beiden geschätzten Kollegen Matthias Weik und Marc Friedrich gehören zu den wenigen Fachleuten, die den Mut haben, die Dinge beim Namen zu nennen: Wenn zu viele Schulden mit noch mehr Schulden beglichen werden sollen, dann kann das auf Dauer eben nicht funktionieren, erklären die beiden im folgenden aktuellen Interview.

Wer sich für ein Ende dieser zerstörerischen Geldpolitik aussprechen möchte, der kann das hier tun und sich einer Petition anschließen, die Matthias Weik und Marc Friedrich vor wenigen Tagen ins Leben gerufen haben.

Den Traumtänzern unter uns, die immer noch nicht sehen wollen, was hier in Wahrheit gespielt wird, wollen wir an dieser Stelle einen Artikel ans Herz legen, der eindrucksvoll zeigt, was aus unserem Finanzsystem geworden ist:

Laut einer aktuellen Studie der Schweizer Großbank UBS sind bei den Entscheidungen der US-Notenbank über die künftige Zins- und Geldpolitik nicht harte Fakten wie Inflationszahlen oder die Arbeitslosenquote maßgeblich. Statt dessen orientiert sich die Fed am – Trommelwirbel, Tusch – Aktienmarkt!

Das heißt, was wie eine sinnvolle Strategie aussehen soll, das dient in Wahrheit den Interessen der Wall Street.

Esel und Karotte

Natürlich macht das Sinn, denn die US-Notenbank als verlängerter Arm US-amerikanischer Großbanken wie JP Morgan und Goldman Sachs wird nichts unternehmen, was den Interessen dieser Banken zuwiderläuft.

Fed Entscheidungen

Daran können die vielen Experten ja einmal denken, wenn sie in seitenlangen Analysen wieder einmal begründen, warum jetzt dieses oder jenes geschehen wird. Denn Basis dieser Analysen sind jene althergebrachten (=antiquierten) Erklärungsmuster, die zwar jahrzehntelang Gültigkeit hatten, die aber wegen der allgegenwärtigen Eingriffe der Notenbanken in das Marktgeschehen heute nicht mehr funktionieren.

Deshalb lauten die entscheidenden Fragen heutzutage nicht, ob etwa der Ölpreis wegen hoher Lagerbestände wieder fallen wird, ob der Aktienmarkt wegen „guter Konjunkturzahlen“ oder einer „niedrigen Arbeitslosenquote“ steigt, oder ob in den USA jetzt endlich die Zinswende kommt. Die alles entscheidende Frage lautet vielmehr:

Was nützt der Wall Street?

Weil dem so ist, wird es auf absehbare Zeit keinen Aktienmarktcrash geben, keine Zinswende in den USA und auch keinen starken Einbruch beim Ölpreis.

Denn jedes Ereignis dieser Art wäre für sich genommen geeignet, das immer fragiler werdende Finanzsystem über die Klippen zu stürzen. Und weil man das weiß, wird man es verhindern.

Das führt uns zur 1.000-Dollar-Frage, die da lautet: Wie lange kann das alles noch gutgehen? Die Antwort darauf ist einfacher als es auf den ersten Blick erscheinen mag: In diesem Zirkus für Leichtgläubige werden die Zauberkünstler, Clowns und Hochseilartisten das Publikum so lange für dumm verkaufen, so lange es genügend naive Gemüter gibt, die bereit sind, die ganzen Taschenspielertricks und Kunststückchen für bare Münze zu nehmen, die dort veranstaltet werden.

Auf die Kapitalmärkte übertragen bedeutet das: Wer bereit ist, Aktien zu kaufen, weil etwa die so genannte „Arbeitslosenquote“ in den USA „erfreulich niedrig“ ausgefallen ist, weil der Ölpreis „steigt“ oder die Wirtschaft „wächst“, der wird auch bereit sein, den ganzen anderen Blödsinn zu glauben, der tagtäglich durch die Finanzpresse geistert.

Womit wir bei einem Thema wären, das uns in diesem Jahr noch sehr ausführlich beschäftigen wird: Der Aufstieg Donald Trumps zum mutmaßlich nächsten US-Präsidenten dürfte maßgeblich damit zu tun haben, dass immer mehr US-Bürger diese Zusammenhänge durchschauen und nicht mehr bereit sind, all die Lügen, Verdrehungen und Manipulationen für bare Münze zu nehmen, die uns tagtäglich aufgetischt werden.

Genießen Sie daher den Regen und die ruhigen Pfingstfeiertage. Turbulent wird es in diesem Jahr noch von ganz alleine…
©Andreas Hoose – Antizyklischer Börsenbrief

 

4 Kommentare auf "Zirkus für Leichtgläubige…"

  1. samy sagt:

    Zum Thema Leichtgläubigkeit, da fällt mir auch das Thema Bargeldverbot ein.
    Bei dem Wetter kann man sich im folgenden Link etwas einlesen. Ich finde ihn wertvoll, weil er als Primärquelle (Landtag-NRW) gleich die Stellungnahmen der einzelnen Akteure enthält. Und die sind hochkarätig, u.a. auch die Bundesbank.
    https://www.landtag.nrw.de/portal/WWW/Webmaster/GB_I/I.1/aktuelle_drucksachen/aktuelle_Dokumente.jsp?docTyp=ST&wp=15&dokNum=Drs+16%2F9597

    Es geht um die Expertenanhörung im Landtag NRW zum Thema Bargeldobergrenze. Eine Bemerkung von Norbert Häring dazu:
    „ Bei der Expertenanhörung im Landtag NRW am 3. Mai zu Barzahlungsobergrenzen, wie sie der NRW-Finanzminister und der Bundesfinanzminister gefordert hatten, gab es eine sehr einseitige Diskussion. Von den elf Sachverständigen aus neun Organisationen war nur einer für eine Barzahlungsobergrenze, und selbst der wollte nur eine Obergrenze von 10.000 Euro verteidigen, nicht die 2000 Euro bzw. 5000 Euro, die die Finanzminister gefordert hatten.“

    Die Bundesbank ist gegen eine Bargeldobergrenze.
    Auszug aus der Stellungnahme der Bundesbank: „Die Einführung einer Barzahlungsobergrenze würde dazu führen, dass Banknoten diese Qualität des unbeschränkten gesetzlichen Zahlungsmittels verloren und die Bürger ab einem bestimmten Betrag auf Giralgeld ausweichen müssten. Dieses ist aber kein Zentralbankgeld
    und daher mit Ausfallrisiken verbunden, wie es sich in der Finanzkrise gezeigt hat. Auch vor diesem Hintergrund ist eine Einführung von Barzahlungsgrenzen sehr sorgfältig zu diskutieren.“

    Interessant. Von heute auf morgen gäbe es in dieser Volkswirtschaft kein in seiner Höhe unbeschränkt nutzbares Wertaufbewahrungsmittel ohne Ausfallrisiko mehr. Genau das aber sind zwei der wichtigsten Funktionen des (stabilen) Geldes. Zugespitzt gesagt ist das also gar kein Geld. Scheint man kann Bargeld nicht abschaffen ohne Geld abzuschaffen, oder?

    Ach so, es wird Zeit Gold dann zu 1/10 Unzen zu kaufen. Beim Verkauf von 1 Unze dürfte man zukünftig all zu schnell auf dem Radarschirm vieler Neugieriger sein, wenn der Goldpreis deutlich steigt. Thekengeschäfte bis 10000 Euro sind dann ebenfalls nicht mehr möglich. Weil Gold dann indirekt nicht mehr anonym und unbegrenzt eintauschbar wäre, würde es ebenfalls an Geldcharakter verlieren.

    VG

    • Skyjumper sagt:

      „Thekengeschäfte bis 10000 Euro sind dann ebenfalls nicht mehr möglich.“

      Ich glaube ja zu wissen was Sie meinen. Aber es gibt schon einiges an Gold in privater Hand, und wer sagt denn dass ich es bei offiziellen EM-Händlern eintausche? Wann immer der Staat in der Vergangenheit unfähig war der Bevölkerung ein funktionierendes UND vertrauenserweckendes Geld zur Verfügung zu stellen blühte der Schwarzmarkt. Ich wüßte nicht warum das diesmal anders sein sollte.

      Das muss übrigens nicht Gold sein. Menschen sind in der Beziehung schon immer sehr kreativ gewesen.

  2. samy sagt:

    N’Abend,

    richtig. Im Falle einer zuküntig möglichen Geldentwertung würde Geld in Gold gehen wollen. Notfalls auf Schwarzmärkten. Das Risiko und die Folgen der Geldentwertung müssen dann als höher eingeschätzt werden, als die Risiken und Folgen des Handel auf Schwarzmärkten.

    Mir geht es um die Kombination von Anonymität und Legalität, deren Grenze umgehend über Nacht recht schnell erreicht wird. Wenn Politiker Bargeldobergrenzen von 2000€ fordern -die Forderung gibt es in der BRD bereits- dann ist damit auch das anonyme Thekengeschäft bis 10000€ Vergangenheit. Wir hatten schon Goldpreise von 1921 Dollar, also nicht weit weg von dieser Marke. Gold in der Stückelung von 1 Unze könnte man dann relativ schnell nicht mehr anonym kaufen und verkaufen. Da wären Stückelungen von 1/10 Unzen einfacher anonym und legal handelbar. Natürlich ist das eine theoretische Diskussion für jemanden, der größere Mengen kaufen will.

    VG

    • Skyjumper sagt:

      Dann hatte ich Sie richtig verstanden und pflichte Ihnen insoweit zu als es um
      „………. die Kombination von Anonymität und Legalität, deren Grenze umgehend über Nacht recht schnell erreicht wird.“ geht.

      Der Bürger der sich nicht vorbehaltslos dem staatlichen Raubrittertum aussetzen möchte, wird in die Illegalität getrieben. Ein Weg der dank der damit verbundenen Hemmschwellenüberschreitung durchaus nicht unkritisch zu betrachten ist.

      Ich gehe allerdings davon aus, dass es relativ „großzügige“ Übergangsregelungen geben würde die für eine gewisse Zeit durchaus noch legale UND anonyme Hilfskonstrukte des Handels zulässt. Wer in dieser Zeitspanne die Glocken nicht gehört hat, für den ist sowieso Hopfen und Malz verloren.

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