Zinswende bleibt aus. Gut für Gold.

30. August 2014 | Kategorie: RottMeyer

von Prof. Thorsten Polleit

Aus der Tiefzinspolitik gibt es keine Abkehr, die Zinskurve bleibt „steil“ – das sollte positiv für den Goldpreis sein. Die „Steilheit der Zinskurve“ bezeichnet den Unterschied zwischen den lang- und kurzfristigen Zinsen. Je größer der Unterschied ist, desto steiler ist die Zinskurve; je geringer er ist, desto flacher verläuft sie…

Die Steilheit der US-Zinskurve erwies sich in der jüngeren Vergangenheit als ein (Früh-)Indikator für die kommende Entwicklung der Konjunktur und vor allem der Aktienmärkte. Phasen, in denen die Zinskurve negativ geneigt war (in der also die langfristigen Zinsen tiefer waren als die kurzfristigen Zinsen), signalisierten baldige Wendepunkte für die Aktienmärkte.

So zeigte sich Anfang 2000 eine negative Zinskurve, gleiches war ab Mitte 2006 zu beobachten. In beiden Fällen folgte – mit einer Zeitverzögerung – ein überaus scharfer Rückgang der Aktienkurse: Vom 24. März 2000 bis zum 9. Oktober 2002 brach der US-Aktienindex S&P 500 um 49 Prozent ein; vom 9. Oktober 2007 bis zum 9. März 2009 fiel er um knapp 57 Prozent.

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Eine negativ geneigte Zinskurve bringt die Geschäftsbanken in Ertragsprobleme. Sie schränken daraufhin ihre Kreditvergabe ein, und das Konjunkturgebäude sackt in sich zusammen. Derzeit sendet die Steilheit der Zinskurve keine Indikation, dass der Aktien- markt in absehbarer Zeit durch die Kreditmarktkonditionen eine ernste Korrektur erfahren könnte.

Interessant ist zudem die Beziehung zwischen der Zinskurve und dem Gold- preis. Ab dem Jahr 2000 ist der Goldpreis gestiegen – ob nun bei flacher, steiler oder gar negativ geneigter Zinskurve. Wie erklärt sich das?

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Eine steile Zinskurve spricht für ein Anwachsen der Schulden und damit der Kreditrisiken im Finanz- und Wirtschaftssystem und befördert die Nachfrage nach Gold für Absicherungs- und Versicherungszwecke. Ein Abflachen der Zinskurve, beziehungsweise eine inverse Zinskurve, verschärft die Kreditrisiken im Finanzsystem, und spricht ebenfalls für einen steigenden Goldpreis. Dies war bis Herbst 2011 auch zu beobachten.

Danach flachte sich die Zinskurve merklich ab, und der Goldpreis begann zu fallen. Seit Mitte 2012 wird die Zinskurve wieder steiler. Der Goldpreis hat darauf jedoch bislang noch nicht reagiert.

Neben den gesunkenen Kreditausfallsorgen könnte das zu erklären sein durch die Markterwartungen, die US-Zentralbank könnte bald die Zinsen anheben – und damit die Goldhaltung weniger attraktiv machen… (Seite 2)


 

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