Endlich! Krise so beliebt wie Fußpilz…

10. Dezember 2012 | Kategorie: RottMeyer

(von Frank Meyer) Erstaunlich, wenn man sich die „Einschaltquoten“ der großen Finanzportale in den letzten sechs Monaten anschaut. Seit den ESM-Beschlüssen und einem kurzen kollektiven Widerstand in Form von vielen Buchstaben und Kommentaren hat sich das Interesse der Leute hinsichtlich der Krise inzwischen merklich abgekühlt…

Woran man das ablesen kann? An den Klicks der großen Seiten bzw. dem Ranking der Seiten laut Alexa, einem kleinen Plugin bei Firefox. Oder anders beschrieben: Biedermeier 2.0 – wir kommen! Quatsch! Wir sind schon da. Kümmert Ihr Euch um Euch, ich mich um mich…

Irgendwann ist einfach mal genug. Man zieht sich auf das Wesentliche im Privaten zurück. Doch was ist Wesentlich? Das, was man spürt. Wenn es täglich, und das über mehrere Monate hinweg, die ein und dieselben Thema wie Schulden und „Krise“ regnet und man in Europa rund um die Uhr damir „beballert“ wird, ist das inzwischen langweilig. Kennen wir alles schon. Oder interessiert Sie das Thema „Krise“ überhaupt noch? Sehen Sie! Alles gesagt. Alles geschrieben. Alles kommentiert.

Es gibt Spannenderes, zum Beispiel das persönliche Leben, statt die Dinge, die man ohnehin nicht ändern kann. Außerdem ist Weihnachtszeit und damit Zeit der Schnäppchenjäger.

Die TOPs der Blogs wird durch diese Sparte inzwischen dominiert. Stand Sonntag, 09.12.2012, 22 Uhr (Quelle: Bloggerei.de)

Die TOP 10 – Blogs bei Blogoscoop Wieso ist Rottmeyer auf Platz 10? Bestimmt ein Versehen.

Die Politik fährt ihren Schlitten, koste was, was es wolle. Kein Wunder, dass sich jetzt auch ein Hang zur Resignation breit macht. Selbst der lauteste Spuk, die offensichtlichsten Täuschungen oder die größten Zahlen im Milliardenbereich sind heute nicht mehr so interessant wie zu Zeiten, wo das alles neu war. „Shitstorms“ liest man heute meist in den Kommentarzeilen der großen Zeitungen oder auf Facebook. Generell interessiert Anderes. Ein Überblick über die TOP-Seiten in Deutschland: LINK

Selbst das Thema Gold zieht derzeit nicht. Man hat zu viel gehört davon. Außerdem liegen in der Sache die Dinge klar auf dem Tisch. Entweder man hat es, oder man hätte es gerne gehabt. Hier das Ranking von Proaurum bei Alexa…

Zudem ist die Grenze zwischen Markt und Marketing verwischt. Edelmetalle hatten ihren medialen Höhepunkt vorerst im Mai 2011. Es braucht heute heute schon eine geschliffenere Marketing-Strategien bzw. laut kreischender Überschriften, um Aufmerksamkeit zu erlangen. Auf einmal tauchen ganz plötzlich die ganzen „Kostolany-Freunde“ auf und senden Crash-Warnungen, um Gehör in der Öffentlichkeit zu bekommen – mit Crashs, die dann nach oben gehen. Oder ausfallen. Hauptsache Aufmerksamkeit. Kursziele von Gold…2.000, 3000, 5.000, 15.000…  Tja, das macht das her – in der Überschrift.. Klick! (Seite 2)

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7 Kommentare auf "Endlich! Krise so beliebt wie Fußpilz…"

  1. FDominicus sagt:

    Ich denke die meisten Hits zeigen ziemlich genau, wie tief wir in der Krise stecken. Den Leuten geht offenbar das Geld aus, warum sonst sollte man nach speziell nach „Schnäppchen“ Ausschau halten. Die Krise ist voll da und die Leute reagieren indem Sie Ihr „Geld“ zusammenhalten.

    Somit schließe ich mich Ihrem Fazit:
    „Die Krise ist nicht weg. Nein. Sie schläft derzeit nur etwas…“

    Nur teilweise an. Die Krise ist da und die Leute sehen zu, daß Sie darüber hinweg kommen. Zuletzt denken Sie dabei an die Politik….

  2. Lickneeson sagt:

    „Selbst das Thema Gold zieht derzeit nicht. Man hat zu viel gehört davon. Außerdem liegen in der Sache die Dinge klar auf dem Tisch. Entweder man hat es, oder man hätte es gerne gehabt.“

    Schön formuliert,hehehe.

    Ich denke das abnehmende Interesse ist ein ganz normal menschliches Abwehrverhalten.Hat man das Gefühl nichts ändern zu können, steckt man seinen Kopf halt in den Sand oder den Grabbeltisch bei Saturn, Mediamarkt oder Woolworth.Die zirkusreife Jonglierarbeit mit Milliardensummen hilft sicher bei der Abkehr von der Realität.
    Aber entgegen „FDominicus“ halte ich die Schnäppchenjagerei nicht für ein Ergebnis der Krise sondern ein Ergebnis der China – 5 Eurohosen – Politik.Die Leute sind jahrelang mit Billigangeboten überschüttet worden, das sie es einfach nicht einsehen, mehr zu zahlen.

    Eigentlich ist Ihr Ergebnis ja ein schöner Kontraindikator. Der nächste Knall kommt sicher in Kürze.Wenn Griechenland dann endlich austritt oder klar wird mit wieviel Geld wir haften dürfen, wird es auch wieder Brennpunkte, Spezialsendung und allgemein mediales Interesse geben.

    Die Krise ist vorbei, es lebe die Krise.

  3. Skyjumper sagt:

    Auch ich würde mich der These „Die Krise schläft nur etwas“ nicht anschließen wollen. Sie tobt unvermindert weiter, nur durch die Hinterzimmer und nicht mehr im Vorgarten. Nur weil etwas weniger mediale Aufmerksam erregt, und etwas weniger Interesse der Bevölkerung auf sich zieht, ist es nicht eweniger dramatisch.

    Ansonsten ist die Analyse sehr treffend und es ist nicht allzuviel hinzuzufügen. 3 Punkte vielleicht:

    1)Es gibt keine wirklichen Neuigkeiten mehr. Im wesentlichen sind die „neuen“ Berichte nur Konservendosen mit nuanciert anderem Blickwinkel. Demnach erzeugen sie weniger Interesse.

    2)Während ich 2010 bei mir persönlich ein erhebliches Wissensdefizit zu dem Themadunstkreis feststellen musste, sind zwischenzeitlich doch einige Lücken zumindest soweit gefüllt dass ich mir eine halbwegs fundierte Meinung bilden konnte. Deshalb suche und lese ich weniger.

    3) Nicht nur Überschriften werden reißerischer. Auch die Inhalte von Artikeln und Kommentare werden zunehmend obskurer und weisen eine zunehmende Tendenz zur schlichten Unwahrheit auf. Und das muss ich mir nicht geben.

  4. JayJay sagt:

    Resignation bei den Menschen, das ist es wohl. Man verliert ja auch den Überblick bei den ganzen Krisen seit 2008. Aber die Menschen werden auch balde wieder, mit Macht aus ihrem Biedermeier 2.0 Schlaf gerissen.

    Frohe Weihnachten und Allen einen guten Rutsch nach 2013

    Gold & Silber Ahoi

  5. samy sagt:

    Interessant wäre es zu sehen, wie das Surfverhalten in den Krisenländern ist, also Spanien, Portugal, Griechenland usw..

    Ich vermute andere Ergebnisse.

  6. Insignis sagt:

    gestern Abend
    NDR Tageschau vor 20 Jahren
    Stahlkonzern (Name vergessen) steht vor aus – Retten – Arbeitsplätze – blabla
    EG kann sich nicht einigen zum Maastrichter Vertrag – Zusammenhalt gefährdet – Auseinanderbruch – EG vor Scheidepunkt – blabla
    Nato – Einsatz für Jugoslawien steht bevor -Befriedung – Blabla
    Wetter – Schnee – Tauwetter setzt ein – blabla
    Tagesthemen gestern, nachfolgende Sendung
    Stahlkonzern Krupp – Nato Syrien – EU – Wetter (Tauwetter setzt ein) – alles DASSELBE – Krass!!
    Für mich vor 20Jahren (Samstags )
    War sicherlich unterwegs mit Freunden – lernte zu dieser Zeit meinen leider verstorbenen Mann kennen – hab somit mein persönliches WORST CASE erleben dürfen, der Rest – blabla
    Nur wenn der große Crash kommt, oder sonstig Schlimmes passiert, wird sich etwas ändern. Der Rest blabla.
    Frohe Weihnachten

    • linsensuppe sagt:

      Genau so isses Insignis.

      Immer das Gleiche immer das Selbe.

      Nicht mal das Wetter ändert sich.

      Ab und zu ein Bruch der die Welt für einen kurzen Moment erschüttert, mir fällt da im Moment der 09.11.1989 ein, dann geht´s weiter.

      Die Orte und Namen sind austauschbar. Ansonsten, dein Blabla triffts genau.

      Amen

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