Zentralbankpolitik und Goldpreis

2. März 2013 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

von Prof. Thorsten Polleit

Mit Ausbruch der internationalen Finanz- und Wirtschaftskrise zeigte sich ein recht enger Gleichlauf zwischen dem Ausweiten der Zentralbankbilanzen und dem Goldpreis (USD pro Feinunze)…

Aus Sicht der Edelmetallinvestoren verdient dieser Gleichlauf besondere Aufmerksamkeit, weil das Anschwellen der Zentralbankbilanzen ein Ausweiten der (Basis-)Geldmengen bedeutet.

 

Und weil in den letzten Jahren die Geldmengen stärker gewachsen sind als das weltweite Goldangebot, erklärt sich auch, warum der Goldpreis angestiegen ist – und zwar in allen wichtigen Währungen gerechnet.

Seit etwa Anfang 2012 scheint sich jedoch der Gleichlauf zwischen den anwachsenden Zentralbankbilanzen und dem Goldpreis gelockert zu haben. Was könnte der Grund sein? Nachfolgend ein Erklärungsversuch…

Angesichts der expansiven Geldpolitiken hatten vermutlich viele Investoren die Sorge, es könnte zu einer (Hoch-)Inflation kommen. Dies trieb den Goldpreis in der Spitze auf über 1.900 USD pro Feinunze am 5. September 2011. Danach änderte sich die Markteinschätzung: Die Investoren schienen nunmehr zu erwarten, dass es den Zentralbanken gelingen wird, die neu geschaffene Geldmenge wieder „einzufangen“ und so eine Inflation zu verhindern.

Der Goldpreis schien ihnen daraufhin überbewertet zu sein. Die Nachfrage nach dem gelben Metall nahm merklich ab, und der Goldpreis fiel, unter erheblichen Schwankungen, auf ein deutlich tieferes Niveau.

Im Zuge dieser Erwartungsveränderung scheint sich auch die Beziehung zwischen der Ausdehnung der Zentralbankbilanzen und der Entwicklung des Goldpreises gelockert zu haben. Interessanterweise hat sich der Zusammenhang zwischen Zentralbankbilanz und Goldpreis allerdings nicht gelockert im Euroraum und in den Vereinigten Staaten von Amerika. So ist die Bilanzsumme der EZB von Juli 2012 bis Februar 2013 um etwa 10,7 Prozent gesunken. In dieser Zeit gab der Goldpreis in Euro gerechnet um gut sieben Prozent nach.

In den Vereinigten Staaten ist die Bilanzsumme der Fed seit Frühjahr 2012 bis Januar 2013 nicht mehr gewachsen. Der Goldpreis in USD gerechnet hat in dieser Phase zwar stark geschwankt, ist aber aktuell nach wie vor auf dem Niveau, das im Mai 2012 zu beobachten war.

Ausweiten der Zentralbankbilanz und Geldmengenerhöhung

Wie erklärt sich der Zusammenhang zwischen dem Ausweiten der Zentralbankbilanz und der Geldmengenerhöhung? Das soll nachfolgend kurz erläutert werden… (Seite 2)

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Ein Kommentar auf "Zentralbankpolitik und Goldpreis"

  1. crunchy sagt:

    … Und dann gibt es noch die Investitionszyklen, die unseren Lebenszyklus bestimmen. Ein Enkel lernt am meisten von seinem Opa. Sorry, wie ist das bei Enkelinnen? Gab es vor „Emma“ schon die Möglichkeit für Frauen, finanzielle Verantwortung zu übernehmen?
    Warum nicht von seinem Vater? Zyklik? Folgt auf Misserfolg Erfolg? Werden Informationen nach 2 Generationen gelöscht? Ja, Herr Professor Polleit, da gibt es mehr: Fragen Sie mal Ihren Kollegen Robert Shiller. Den, der den Home-Price-Index mitentwickelt hat. Er entwickelt ein Preismodell, das die Psyche bei der Preisfindung einbindet. Er könnte ansatzweise begründen, weshalb wir uns sogerne ver-appel-n liessen.
    Backslash: Angst und Gier sorgen beim Goldpreis für natürliche Schwankungen. Na, und was noch: Die Produktionskosten. Die liegen gegenwärtig knapp unter dem aktuellen Preisniveau. Das heisst nicht, dass die Preise kurzfristig nicht noch weiter bis in die Nähe der Förderpreise einbrechen könnten. Unter den gegeben Umständen, bei denen die westlichen Notenbanken nicht in Panik verfallen, ist damit die Bottomline erreicht.

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