Zentralbanken haben mit Kapitalismus nichts zu tun

20. März 2015 | Kategorie: RottMeyer

von Claus Vogt

Eines der besten Bonmots über den Unterschied zwischen Sozialisten und Kapitalisten lautet: „Wer mit 16 kein Sozialist ist, der hat kein Herz; und wer mit 18 immer noch Sozialist ist, der hat kein Hirn.“

Wie es sich vor diesem Hintergrund mit Journalisten verhält, die „Blockupy“, also den gewaltsamen Protest gegen die Europäische Zentralbank (EZB), als „Kampf gegen den Kapitalismus“ bezeichnen, weiß ich nicht. Allerdings weiß ich, dass die Institution Zentralbank mit Kapitalismus genauso viel gemeinsam hat wie Islamistische Gotteskrieger und das Weltbild der Aufklärung. Also nichts, rein gar nichts.

Zentralbanken sind nämlich planwirtschaftliche Fremdkörper in einer Marktwirtschaft. Sie verwalten das staatliche Papiergeldmonopol und verhindern den Preisfindungsmechanismus freier Märkte. Und das ausgerechnet bei dem mit Abstand wichtigsten Preis einer Volkswirtschaft: Dem Preis von Geld und Kapital, das heißt dem Zins.

„Blockupy“ hat sich also den falschen Gegner ausgesucht, denn forderten nicht Marx und Engels die Schaffung von Zentralbanken?

Wenn sich die in den Medien als „Blockupy“ bezeichnete Protestbewegung also tatsächlich gegen den Kapitalismus wendet, dann haben sich die Beteiligten mit der EZB ganz offensichtlich den falschen Gegner ausgesucht. Denn die Nomenklatura der Draghis, Kurodas und Yellens dieser Welt sind lupenreine Planwirtschaftler, die den Markt für Geld durch das Diktat ihrer göttlichen bürokratischen Weisheit ersetzen. Die Erzkommunisten Karl Marx und Friedrich Engels wussten das noch sehr genau. Deshalb forderten sie in ihrem Kommunistischen Manifest unter anderem die Schaffung von Zentralbanken.

Woran der Sozialismus immer scheitern muss

Geistreicher als mit dem oben zitierten Bonmot, dessen Schöpfer mir leider nicht bekannt ist, kann man die bereits in den 1920er Jahren veröffentlichten ökonomischen Erkenntnisse Ludwig von Mises‘ über das unlösbare Kernproblem einer Planwirtschaft nicht formulieren. Mises erkannte als erster Ökonom die zentrale Bedeutung des Preisfindungsmechanismus freier Märkte für die effiziente Koordination von Nachfrage und Angebot im Zeitablauf. Ohne diesen marktwirtschaftlichen Steuerungsprozess kommt es unweigerlich zu Missverhältnissen zwischen Angebot und Nachfrage. Leere Regale und mangelhafte Produkte bei einem gleichzeitigen Überangebot bestimmter wenig nachgefragter Waren sind die Folge.

Der bedauernswerte Zustand, den unsere Freunde in der DDR und anderen sozialistischen Ländern erleben mussten, war also keine Folge mangelnder Arbeitsethik oder schlechter Startbedingungen nach dem Zweiten Weltkrieg. Er war ein zwingendes Ergebnis eines planwirtschaftlichen Wirtschaftssystems, bei dem sozialistische Bürokraten mit der ihnen angeborenen göttlichen Weisheit den Markt ersetzen sollen. So wie es jetzt die Zentralbanker tun.

© Claus Vogt,  Auszug aus dem Börsenbrief Krisensicher Investieren

P.S.: Auch an der US-Börse hat sich die Lage deutlich zugespitzt: Die Anzeichen, die für eine bald beginnende Rezession in den USA sprechen, werden immer deutlicher.




 

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3 Kommentare auf "Zentralbanken haben mit Kapitalismus nichts zu tun"

  1. beccon sagt:

    Ein neueres Beispiel ist Venezuela – einst eines der reichsten Länder in Südamerika. Für seine Nachbarn war es das, was der „Goldene Westen“ für uns Ossies war. Heute ist trotz Ölreichtums der Sprit rationiert – Grundnahrungsmittel, Kondome und Klopapier sind knapp. Klar – der Kapitalismus und vor allem die USA sind schuld daran…

    • FDominicus sagt:

      Sozialisten hängen immer ziemlich wenn Ihnen die Geldgeber ausgehen. Da ist Venezuela nur ein Beispiel, wir brauchen in Europa gar nicht wo weit reisen und sehen es auch.

      Aber macht alles nichts, es gibt nur eine Kur für zuviel Staat noch mehr Staat. Fragen Sie Ihre EUkraten

  2. Sandra (andere) sagt:

    Ich möchte in diesem Kontext auf einen eher weniger beachteten Effekt in Bezug auf das Handeln der Zentralbanken hinweisen. Letztendlich sind Haushalte, Unternehmen und „Staaten“ genauso Zentralbanken, weil diese durch ihr Ausgaben- und Investitionsverhalten eine Zentralbank imitieren und durch die asymmetrische Polarisation der Vermögen im Zeitablauf die Beschlüsse/Maßnahmen der Zentralbanken sogar sehr effektvoll konterkarieren können. Durch die Geldschöpfung aus dem Nichts der Geschäftsbanken machen sich die Zentralbanken selbst überflüssig bzw. deren Marktmacht wird hierdurch marginalisiert.

    Das Problem mit der Mangelwirtschaft ist dem Irrglaube geschuldet, dass man allen Ernstes glaubt ein komplexes Wirtschaftssystem mit all den benötigten Gütern und Dienstleistungen in Verbindung mit den ganzen Vorleistungen zentral steuern zu können. Solche Systeme lassen sich noch nicht einmal mit einem Rechenzentrum der NASA bewerkstelligen.

    Allerdings möchte ich mit einem anderen Irrglauben aufräumen: alle Unternehmen sind ebenfalls Zentralverwaltungswirtschaften/Planwirtschaften. Daher sind sehr große Unternehmen aufgrund ihrer eigenen Bürokratie auch prädestiniert Trends und Neuentwicklungen zu verschlafen und werden letztendlich genauso handlungsunfähig wie Staaten. Der einzige Unterschied liegt lediglich in der Gesamtkomplexität der zu organisierenden Aufgaben.

    Einen Aspekt, der sich mir wohl nie erschließen wird, ist die mangelnde Bereitschaft jedes Individuums Verantwortung zu übernehmen und bemüht ist diese auf Dritte abzuschieben. Diesen Effekt kann man bei den okkulten Spinnern mit ihren religiösen Ideologien und dem hiermit einhergehenden Götterwahn sowie bei adligen-, politischen-, ökonomischen- und sonstigen Herrschaftssysteme der selbsternannten Elite erkennen. D. h. die Masse ist immer bemüht die Verantwortung an Dritte zu delegieren, um weiterhin der Illusion zu erliegen, dass für erfahrenes Unglück Dritte verantwortlich sind. Daher funktionieren die ganzen Führerkultsysteme bis heuer.

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