So ändern sich die Zeiten

26. Juli 2010 | Kategorie: Kommentare

Früher hatten man vor den Notenbankern noch Respekt. Sie waren die Herren des Geldes und der Zinsen. Heute sind es die Gejagten. Früher schufen Politiker Vertrauen, heute verspielen sie es. Vor Jahren war es richtig, Geld für magere Zeiten zur Seite zu legen, heute ist Sparen längst keine Tugend mehr. Sparen wich dem Konsum zum Teufel komm raus. Wozu auch sparen, wenn die Teuerung als unbarmherziger Sensenmann heimlich um die Papiertöpfe schleicht. Ein Job als Automechaniker ist heute längst keine Garantie mehr dafür, vom Lohn auch leben zu können. Vor ein paar Jahren wurden Fehlentwicklungen noch bereinigt. Heute aber stellt man sicher, dass die Abrechnung für die Schlendriane um Monate oder Jahre verschoben wird. Zeitenwende.

Selbst über den FED-Chef Bernanke macht man sich lustig. Mancher sagt, Bernanke hat alles falsch gemacht hat, was er falsch machen konnte. Doch welche andere Wahl hatte er? Seine Probleme sind gewaltig. Ihm rutscht gerade die US-Realwirtschaft weg. Der Konsument ist statistisch gesehen pleite. Das Land auch.

Hat jemand auf den GAU des Finanzsystems gewettet? Knapp war es ja, wie es knapper nicht hätte sein können. Die Welt würde sich heute in anderen Bahnen bewegen, wenn nicht aberwitzig viele Milliarden Dollar ins System gepumpt worden wären. Und selbst heute sind die Notenbanker bereit, noch mehr Geld in die Systeme zu pumpen, sollte es nötig sein. Normale Finanzmärkte sind das nicht. Auch der amerikanische Finanzminister hat heute wieder etwas gesagt. Wow! Er sieht das baldige Ende der Finanzkrise. Haben Sie etwas anderes erwartet? Wenn ich ihm so zuhöre, sind da auch immer diese Zweifel, ob er das wirklich ernst meint, was er sagt. Er schloss doch bislang genau das kategorisch aus, was sich zum Problem ausgewachsen hat.

Eine alte Weisheit sagt, dass man Fehler nur mit größeren Fehlern verdecken kann und einen Betrug mit nur einem noch größeren. Das alte Rom zeigt schon, dass es ähnliche Probleme hatte wie wir im 21. Jahrhundert. Wir wissen, wie es geendet hat. Nur die Schafe am Tiber standen auf den saftigen Wiesen und fraßen gemütlich ihr Grünzeug. Rom hatte die beste Zeit längst hinter sich. Nach Größenwahn folge der Abstieg in die Normalität. Es dauerte viele Jahrhunderte. Als Rom auf seinen Zenit stand, war der Weg vorgezeichnet – bergab. Doch die Schafe machten sich darüber recht wenige Gedanken, denn das Gras blieb grün.

Ich vermute, dass Amerika seinen Zenit längst überschritten hat, auch wenn die Finanzkrise wird gerade öffentlichkeitswirksam zu Grabe getragen wird. Es herrscht wieder Aufbruchstimmung an den Börsen. Sorgen? In den Zeitungen wird heute darüber geschrieben und erklärt, wie hochoffizielle Statistiken diversen Schönheitsoperationen unterzogen werden. Das ist schon wieder so kompliziert, dass es kaum einer wissen will. Aber immerhin, es scheint doch zu funktionieren. Suchen Sie nach der Schraube, die bei Ihnen locker sein könnte, wenn sie offizielle Inflationsdaten mit ihrer gefühlen Teuerung vergleichen? Lesen Sie Zeitung.

Ich frage mich, was mit diesem vielen neu geschaffenen Geld passiert.Man entschied sich für die Variante des ungezügelten Gelddruckens. Wie immer. Im eigentlichen Sinne gar kein Geld, sondern Kredit, denn die Leistung dafür muss erst noch erbracht werden. Währenddessen vermehrt sich diese gesamte Geldsuppe aus Guthaben und Schuld durch Zins und Zinseszins. Es wird zwangsläufig immer mehr. Niedrigere Zinsen verzögern den Prozess, doch der Zins garantiert die Vermehrung des Geldes von ganz allein. Auch das alte Rom hatte dieses Problem. Der Trick der Geldvermehrung bestand damals in der Verschlechterung der Münze. Dem Gold und Silber wurden unedle Metalle beigemischt. Und es wurde immer mehr, da es zum Funktionieren der damaligen Welt gebraucht wurde. Das Ergebnis ist bekannt. Nichts anderes passiert heute.

Ach ja. Die Schafe am Tiber. Auf ihren grünen Wiesen haben sie sich über diese Dinge keine Gedanken gemacht. Manchmal meine ich, wir werden von denen, die es wissen oder ahnen auch für solche gehalten.

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