Schwarzes Loch: Altersvorsorge

6. April 2014 | Kategorie: Gäste, RottMeyer

von Manfred Gburek

Redakteure, die das Thema Altersvorsorge gern auf der Titelseite ihrer Zeitung sehen möchten, werden vom Chefredakteur mindestens gebeten, sich dazu eine knackige Überschrift einfallen zu lassen. Ansonsten werde das Thema auf die hinteren Seiten verbannt…

Redakteure, die vorschlagen, dass ihre Zeitung sich mehr mit der Demografie beschäftigen sollte, sorgen unter Kollegen für Hohn und Spott. Derweil bittet der Chefredakteur um Aufklärung, was denn an der Demografie so spannend sei, dass sie als Thema für die Titelseite tauge. Und schließlich gibt es noch Redakteure, die es wagen, für PRIIP eine Lanze zu brechen. Da lachen sich die Kollegen kaputt, und dem Chefredakteur platzt der Kragen.

Nun aber mal gemach, so abwegig sind die drei Themen gar nicht, genaugenommen gehören sie sogar zusammen. Es handelt sich um unterschiedliche Teile einer Zeitbombe, der ich in meinem Buch nur ein Kapitel widmen konnte. Ein dicker Wälzer über mehrere hundert Seiten wäre angemessen. Im Folgenden versuche ich, dessen möglichen Inhalt auf den Punkt zu bringen:

Um die Altersvorsorge ist es in Deutschland immer schlechter bestellt. Die gesetzliche Rente steht mal wieder zur Reform an, aber so, dass der Schuss zulasten des Bundeshaushalts und damit auf dem Rücken der Steuerzahler später nach hinten losgehen wird.

Die private Vorsorge über die weit verbreiteten Kapital- und Fondslebens- sowie die privaten Rentenversicherungen läuft Gefahr, wegen der langjährigen Niedrigzinsphase auszutrocknen. Und die Riester-Rente, mit der vor allem Versicherer und Fondsgesellschaften zu punkten versuchen, ist viel zu unübersichtlich, um durchschlagende Erfolge zu erzielen.

Die betriebliche Altersversorgung wird beschnitten, wo immer es geht. Die Konzerne, die sie ihren Beschäftigten früher gern angeboten hatten, entdecken mittlerweile immer häufiger, worauf sie sich da eingelassen haben: Pensionslasten, die an den Gewinnen zehren. Das Schlimme daran: Einen Weg zurück gibt es nicht; bestenfalls abgewandelte Systeme der Altersversorgung für neue Arbeitnehmer bieten sich an, damit die Lasten nicht zu schwer werden.

Hinter dem Begriff Demografie verbirgt sich konkret nichts anderes als die zunehmende Überalterung mit entsprechenden negativen Folgen für alle Versorgungssysteme. Der Börseninformationsdienst „Der Wellenreiter“ hat dazu am Donnerstag eine interessante wie brisante Statistik veröffentlicht.

Derzufolge wird in Deutschland das Verhältnis der Altersgruppe von 65 und mehr Jahren zur Gruppe der 20- bis 64-Jährigen dramatisch steigen. Oder in Zahlen ausgedrückt: Während 100 Personen im arbeitsfähigen Alter aktuell 35 Rentner mittels Umlage versorgen, werden entsprechende 100 Personen im Jahr 2035 für nicht weniger als 60 Rentner aufkommen müssen.

Natürlich hängen solche Hochrechnungen von bestimmten Annahmen ab, die sich im Lauf der Jahre verschieben können (doch am Trend ändert sich dadurch nichts). Das ist denn auch einer der Gründe, warum Bedenken allzu oft weggewischt werden – und warum die Große Koalition sich erdreisten kann, die kontraproduktive Rente mit 63 Jahren einzuführen.

Gburek_Online_-_2014-03-14_22.19.28PRIIP bedeutet Packaged Retail and Insurance-based Investment Products, sinngemäß übersetzt: verpackte Finanzprodukte. Das sind vorrangig Fonds, Kapitallebensversicherungen und Zertifikate. Dazu gibt es eine am 1. April verabschiedete EU-Verordnung (kein Aprilscherz), die wahrscheinlich noch vor der Europawahl im Mai die letzten bürokratischen Hürden nehmen wird.

Jetzt stelle man sich eine(n) repräsentative(n) Deutsche(n) oder eine repräsentative deutsche Familie vor, deren Ziel die finanzielle Vorsorge fürs Alter ist. Wo sollen sie ansetzen?

Die gesetzliche Rentenversicherung nimmt man halt mit; für den Großteil der Ruheständler wird sie allerdings nicht reichen. Kapital- und sonstige kapitalgebundene Lebensversicherungen sind ebenso wie die zunehmend angebotenen Fondskonstrukte und Zertifikate eine Spekulation auf die Zukunft. Das heißt, unsere repräsentativen Deutschen haben es mit Finanzprodukten zu tun, die nur bedingt oder gar nicht für die Altersvorsorge taugen. Da hilft es nur wenig, dass jeder PRIIP-Anleger als Beipackzettel ein Informationsblatt ausgehändigt bekommen wird, das die äußerst komplizierten Produkte auf nicht mehr als drei Seiten erklären soll. Einfach lächerlich.

Fazit

Unsere zu Beginn erwähnte Redaktion wird noch viel Aufklärungsarbeit leisten müssen, um potenzielle Ruheständler richtig zu informieren. Immer im Bewusstsein, dass die demografische Zeitbombe jederzeit explodieren kann. Das dreiseitige Informationsblatt ist ebenso ein Witz wie die Tatsache, dass verpackte Finanzprodukte einheitlich geregelt werden sollen, obwohl sie sich total unterscheiden. Ihre Tauglichkeit für die Altersvorsorge ist zumindest umstritten. Dass sie verpackt sind, bedeutet im Kern ja nichts anderes, als dass ihre Anbieter mithilfe der Verpackung möglichst viel Geld verdienen wollen.

Die bessere Alternative besteht allemal in nicht verpackten Produkten, wie später zur gegebenen Zeit Aktien, irgendwann auch mal wieder Anleihen erster Bonität, auf jeden Fall schon jetzt Gold, bei hohem Vermögen zusätzlich eine selbst genutzte Immobilie und das Ganze ergänzt um Tagesgeld, das je nach Börsenentwicklung mal höher, mal niedriger sein sollte. Der Zeitaufwand für die Recherchen zu dieser Art Altersvorsorge zahlt sich allemal aus.

Manfred Gburek – Homepage von Manfred Gburek


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