Zeit des Zerfalls

11. November 2017 | Kategorie: RottMeyer

von Ralf Flierl

Wenn man das jüngste Treiben in Katalonien aus dem Augenwinkel und nur von der Ferne aus betrachtet, dann könnte man auf die Idee kommen, dass hier nur wieder mal ein paar unzufriedene Leute eine Welle machen und dass sich das Ganze bald beruhigt haben dürfte.

Meiner Meinung nach wurde mit dem überwältigenden „Ja“ der Katalanen zur Unabhängigkeit von Spanien jedoch ein Geist aus der Flasche gelassen, den man nicht mehr einfangen kann. Egal, ob die Zentralregierung in Madrid nun Zwangsmaßnahmen ergreift, den katalanischen Ministerpräsident Carles Puigdemont verhaften oder aber sogar das Militär in die abtrünnige Region einmarschieren lässt: Wenn das Volk nur willens genug ist, dann wird am Ende der derzeitigen Entwicklung mindestens mehr Unabhängigkeit oder sogar die Abspaltung vom spanischen Zentralstaat stehen.

Aber was würde das für die EU und vor allem für den Euro bedeuten, wenn sich die wirtschaftlich stärkste Region vom Euroland Spanien lossagt?

Nach der Brexit-Entscheidung und den bisher fruchtlosen Austrittsverhandlungen droht mit den Parlamentswahlen in Italien im nächsten Frühjahr schon die nächste Katastrophe. Es ist aus heutiger Sicht recht wahrscheinlich, dass dann eine eurofeindliche Konstellation an die Macht kommt. Und dann? Immer mehr EU-Länder bekommen zudem Regierungen, die entweder offen EU-kritisch wie in der Tschechei oder aber doch wie in Österreich zumindest so selbstbewusst sind, dass nicht jeder Unsinn aus Brüssel widerstandslos hingenommen wird. Wenn Sie mich fragen: Was sowohl die EU als auch den Euro anbelangt – die Zeichen stehen klar auf Zerfall.

Zerfallserscheinungen sind aber auch anderweitig beobachtbar. Der Siegeszug der Kryptowährungen scheint nicht nur einer Laune von ein paar verrückten Internet-Boys entsprungen zu sein. Die dahinterstehende disruptive Blockchain-Technologie ist gerade dabei, große Bereiche des Finanzwesens zu revolutionieren.

Dass staatliches Zwangsgeld in Form von Fiat Money permanenter Betrug am Bürger ist, das behandeln wir im Smart Investor schon seit Langem – ganz ausführlich in der 2011 erschienenen Sonderausgabe „Gutes Geld“ (im Verlag noch nachbestellbar). Meiner Meinung nach ist durch die Kryptowährungen das Ende der staatlichen Fiat-Währungen eingeleitet worden. Aufgrund der Fülle der Informationen haben wir dem Thema Bitcoin & Co. eine eigene Beilage gewidmet, die Sie in diesem Heft finden.

Dies sind nur ein paar Beispiele für zerfallende Systeme. Es gäbe hier noch einiges mehr zu schreiben. In jedem Falle aber werden sich dadurch Politik und Gesellschaften, und damit unser aller Leben, in den kommenden Jahren dramatisch wandeln – und erst recht das Finanzwesen. Vor diesem Hintergrund wollen wir Ihnen wie jedes Jahr im Herbst unsere Einschätzungen zum Thema Kapitalschatz präsentieren. Sie finden unsere Titelgeschichte dazu auf S. 16.
© Ralf Flierl – Homepage vom Smart Investor

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