Zeichen an der Wand

8. Juli 2016 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Steht eine nächste Finanzkrise vor der Tür? Unsinn! Die alte ist doch noch gar nicht vorbei. Sie flackert hier und da mal auf, wenn nicht gerade Fußball die Schlagzeilen beherrscht…

Oh! In Italien brennt der Baum im Bankensektor. Und dabei kauft die EZB doch den Banken monatlich für 80 Milliarden Euro Anleihen und anderen Giftmüll ab. Die Banken müssten doch nur so im Geld schwimmen. Tun sie das?

Wenn dem so wäre, dann stünde der europäische Banken-Index nicht so tief wie seit 1987 nicht mehr. Die einst so stolze Unicredit ist nur noch elf Milliarden Euro wert – fast so viel wie „Stuttgart 21“ vorläufig kosten wird.

In Italien arbeitet man wieder an milliardenschweren EU-Not-Injektionen zum Überleben der Banken. Fragen Sie nicht, woher dieses Geld kommt. Zumindest versickert dieses auch in einem Fass ohne Boden mit zu wenig Eigenkapital und zu vielen notleidenden Krediten. 350 Milliarden Euro allein in Italien. Offiziell haben die Banken eine super Kapitalausstattung. Nur inoffiziell sieht es anders aus angesichts der Lasten, die sie mit sich herum schleppen. An denen haben sie übrigens früher gut verdient, bis sie zur Last wurden.

Müssen wir uns Sorgen machen? Solange das Geld aus der Wand kommt, sicherlich nicht, auch wenn man das, was da ausgespuckt wird, nicht „Geld“ nennen darf, sondern Zahlungsmittel. Solange jemand dafür etwas eintauscht, läuft diese Fiat-Money-Happy-Show.

Ach, derzeit redet man wieder über diese BREXIT-Angst. Eine Woche zuvor war diese mit steigenden Kursen plötzlich verschwunden. Jetzt ist sie mit sinkenden Notierungen wieder da. Die Kurse machen heute die Nachrichten und nicht umgekehrt. Ist es nicht auch erstaunlich, dass das Leben nach dem Referendum in Großbritannien weiter geht und die Erde sich weiterdreht, sogar um ihre eigene Achse? Man muss sich schon wundern!

Gefühlt und angezeigt

Auch wenn der DAX in dieser Woche fast 400 Punkte gefallen ist, gefühlt und theoretisch steht er doch längst schon bei 15.000 Punkten und damit auf einem frischen Allzeithoch. Nur in der Praxis fehlen noch ein paar tausend Punkte. Aber die Zentralplaner aus Politik, Wirtschaft, EU und EZB arbeiten daran. Vielleicht ist das ja das große Problem.

Monatlich druckt die EZB 80 Milliarden Euro frisches Geld. Kredite kosten kaum noch was. Erspartes bringt keine Zinsen mehr. Der Leitzins ist ausgelöscht. Statistisch gesehen wächst Euroland, wohin auch immer. Viel wird geredet und versprochen, was später nicht eintritt. Das alles sind doch keine Symptome eines Aufschwungs, sondern Symptome einer Krise und Fragilität. Auch wenn die Leute da draußen es nicht verstehen, sie ahnen und spüren doch etwas. Und das entspricht alles nicht der offiziellen Meinung der letzten Regierungserklärungen.

Großes Kopfzerbrechen bereitet der EZB gerade, so liest man, dass sich die Deutschen nicht noch höher verschulden, trotz niedriger Zinsen, sondern weiter sparen und Schulden abbauen. Dabei soll man sich jetzt verschulden und/oder das Gesparte auf den Kopf hauen. Das sind Grüße und Empfehlungen einer modernen Ökonomie, auf Pump zu leben wie in den USA.

Jede Zeit hat ihre Moden. Die Moden kommen und gehen wieder. Manche sind auch erstaunlich widerstandsfähig wie Glaube, dass Spinat reich an Eisen sei – wie das Borgen aus der Zukunft bei aller Gewissheit, diese Schulden später auch noch bezahlen zu müssen – vielleicht aber nicht zu können. Nein, es ist keine Dummheit, die Schnäppchen nicht zu nutzen, sondern eher vernünftig, diese Konsumpropaganda zu meiden. Schließlich machen Schulden abhängig und wollen bedient werden. Diese Freiheit opfert doch niemand freiwillig mit etwas Verstand. Aber dieser wird ja nicht mit Gießkannen verschüttet, sondern will gehegt, gepflegt und genährt werden.

Sozialstaat ade!

Wir werden später auch ein paar Ersparnisse brauchen, denn es wird vielleicht niemand da sein, der das, was man wirklich braucht, wie heute bezahlen wird. Ja, man will uns billiges Geld aufschwatzen. Konsum ist in und Sparen out. Dabei verursacht die Nullzinspolitik keinerlei Vertrauen in die Zukunft, sondern verursacht genau das Gegenteil. Gut so!

Die Forderung der Moderne, sich zu verschulden, nur weil Geld billig ist, grenzt an verantwortungslose Idiotie. Aber offenbar gibt es immer noch nicht genügend Idioten. Und das ist ein Hoffnungsschimmer in Zeiten, in denen ganz Verrückte meinen, man solle sich reich kaufen. Nein, die Zeichen stehen auf Krise, nicht auf sonnendurchflutete Zukunft. Wenn man merkt, dass man ein totes Pferd reitet, sollte man absteigen. Spätestens dann.

 

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6 Kommentare auf "Zeichen an der Wand"

  1. bluestar sagt:

    „Müssen wir uns Sorgen machen?“
    Angesichts aktueller Aussagen von wie der von Frau Mogherini „Unser europäisches Projekt, das uns in beispielloser Weise Frieden, Wohlstand und Demokratie gebracht hat…“ in Verbindung mit einer weiteren Wählermehrheit für Blockparteien in Deutschland sollte man sich Sorgen machen oder besser noch mit dem unvermeidlichen Ergebnis dieser Konstellation abfinden.
    Nach dem Crash ist vor dem Crash. Solange Dummheit der wichtigste Rohstoff dieses Systems ist und bleibt, wird sich grundsätzlich nichts ändern, maximal ein Spieleraustausch bei unveränderten Regeln ist drin. Alles läuft bestens für die 0,0001%.

  2. cubus53 sagt:

    Inzwischen muss doch jedem klar sein, dass dieses Finanzsystem ein schlimmes Ende nehmen wird. Das Ende wird nur hinausgezögert.

    Die Notenbanken z.B. helfen dabei, indem sie Geld auf den Markt werfen. Aber auch die „kleinen Leute“ zögernd das Ende hinaus, indem sie auf dem halbtoten Pferd sitzen bleiben und hoffen, das Pferd möge doch bitte erst nach dem Erreichen des persönlichen Ziels zusammenkrachen.

    Ein Bäcker, der heute im Schweisse seines Angesichts Brot backt und das gutgläubig gegen Euros tauscht, ist an dem ganzen Geschehen genauso mitschuldig wie eine Notenbank.
    Jetzt werden viele sagen, der Bäcker hätte keine andere Wahl. Dann antworte ich, die Notenbank auch nicht.

  3. Diederich Hessling sagt:

    Lieber Herr Meyer,

    danke für diesen erfrischenden Beitrag zum täglichen Irrsinn der in Deutschland seit Monaten stattfindet.
    Sie beschreiben die Situation wie immer sehr treffend und mit nicht zu überhörender Ironie.

    Machen Sie weiter so und vor allem: kaufen Sie Gold und Silber ohne Ende.
    Nur damit gibt es ein Überleben.

    Herzliche Grüße und alles Gute
    Diederich Heßling

  4. bluestar sagt:

    „Aber offenbar gibt es immer noch nicht genügend Idioten.“
    Ist deren Zahl in Deutschland noch steigerungsfähig ?
    Deutschlandtrend aktuell: GROKO-Parteien legen bei Wählern mit zusammen 56% zu;
    nur 11% sehen Nachteile in Mitgliedschaft EU; 79% sind überzeugt dass Mitgliedschaft in EU dafür sorgt dass es uns wirtschaftlich gut geht, 74% glauben dass wir in der EU sicherer leben.
    Muss man sich wieder schämen Deutscher zu sein ?
    Und Frau Mogherini meint : „Unser europäisches Projekt, das uns in beispielloser Weise Frieden, Wohlstand und Demokratie gebracht hat….“
    „Müssen wir uns Sorgen machen?“
    Beim Falschgeldsystem nicht mehr, da ist klar wie die Sache ausgeht, beim Zustand der Köpfe schon. Ansonsten ist nach dem Crash gleich vor dem Crash, mit höchstens ein paar neuen Statisten. Alles läuft bestens für die 0,0001 %.

  5. Lickneeson sagt:

    Schon lustig wie hilflos die absurd überbezahlte europäische Finanzmafia versucht einen Eimer heisser Sch..e in eine kleine Flasche zu bekommen. Die Summen werden immer grösser, die Mittel bleiben die gleichen. Wie war das noch: Es ist Wahnsinn immer das Gleiche zu tun und auf ein anderes Ergebnis zu hoffen? Wohl wahr.

    Aber Rettung steht ja an der Seitenlinie. Gab es da nicht seit der „Finanzkrise“ die Bankenabgabe, die in zukünftigen Notfällen ( die ja 2009 faktisch als undenkbar bezeichnet wurden…) anstelle des Steuerzahlers einspringen soll? Ho -Ho -Ho! Hat das vielleicht jemand geglaubt? Mittlerweile dürften sich da einige Millionen angesammelt haben. Damit kann man leider nicht mal ein Monatsgehalt aller Daxvorstände bezahlen. Die Hoffnung stirbt zuletzt.

    Langsam wird es Zeit für einen modernen „Robin Hood“.

    MfG

  6. Paul Mueller sagt:

    Ich kann nicht mehr,…einer muß wieder Schuld sein.
    Ich habe geraubt,gelogen und betrogen.
    Im Geheimen so viele Schulden aufgetürmt dass alles Vermögen verschwinden wird.
    Nur der treudumme Michel schläft tief und fest.
    Danke für das Vertrauen in unser Ponzischema
    „Ich habe fertig“. Eure Deutsche Bank

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