Zaster mit dem Laster

17. September 2016 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Was Spaß macht, ist entweder illegal, unmoralisch, teuer oder es macht dick. Wundert es, dass Lasterhaftes an den Börsen besser läuft als Tugendhaftes?

Ethische Investments können nur das Gewissen beruhigen, Sündenaktien werfen aber mehr ab – in guten und in schlechten Zeiten. Ihre Rendite sind teuflisch gut, wenn man seine Bedenken in Sachen Rauchen, Saufen und Glücksspiel über Bord wirft. Zudem haben Laster-Aktien immer Hochkonjunktur wie die sieben Todsünden, zu denen auch Gier gehört.

Der Welt-Sünden-Index stieg 2016 um bislang 15 Prozent. Der weltweite Aktienmarktindex MSCI World nur um drei Prozent. Auf zehn Jahre betrachtet, schaffte der Laster-Index diabolische 160, weltweite Aktien aber nur 27 Prozent. Unser DAX wirkt dagegen abgeschlagen, bescheiden, ja sogar tugendhaft, was sich mit der Übernahme von Monsanto durch Bayer ändern sollte.

Sünden-Unternehmen laufen immer, weil sie den Sündern immer höhere Preise abknöpfen können. Notfalls können die Leute auf viel verzichten, nur eben nicht auf die Bedienung ihrer Laster. So wird immer geraucht. Der weltweite Tabak-Index stieg in den letzten 20 Jahren um jährlich zwölf Prozent, der weltweite Aktienindex nur um 4,8 Prozent. Einfacher Grund: Wenn Tabak zehn Prozent teurer würde, würden es dann zehn Prozent weniger Raucher geben? Eher nicht!

Ganz anders handhabt es der „Ave Maria – Fonds“ der Katholischen Kirche, der nach ihren Lehren investiert. Er schafft auf zehn Jahren magere vier Prozent. Gutes Gewissen kostet eben Rendite. Man müsste den Sin-Index um Waffenhersteller und Firmen mit Überwachungstechnik erweitern. Skrupel? Ach was! Das ist so zukunftsträchtig wie die Robotik, also wenn künftig Roboter die Arbeitskräfte ersetzen. Die Welt war eben schon immer schlecht. Sünden machen sie vielleicht nur erträglicher.
© Frank Meyer, Kolumne aus den Lübecker Nachrichten

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