Zahlen und deren Interpretation

8. Oktober 2016 | Kategorie: RottMeyer

von Ralph Malisch

Für unsere Heftkategorie „Löcher in der Matrix“ sammeln wir laufend Erstaunliches und Schräges aus der Welt der Medien. Unser wöchentliches Update…

„Beliebtheits-Umfrage: Merkel-Kurve schießt nach oben“ (bild.de, 7.10.2016)

„ARD-DeutschlandTrend: Merkel überwindet ihr Tief“ (tagesschau.de, 6.10.2016)

Hoppla, mag sich da manch einer verwundert die Augen gerieben haben: „Merkel-Kurve schießt nach oben“ vermeldet bild.de  und ja, es geht um eine Beliebtheitsumfrage. „Beliebtheit“ und „Bundeskanzlerin“ sind zwei Begriffe, die in letzter Zeit kaum noch unter einen Hut zu bekommen waren – weder in Dresden, noch in Deutschland und auch schon seit längerer Zeit nicht mehr in Europa.

Umso bemerkenswerter ist der Überschwang des Springer-Boulevards. Die Bildunterschrift „Angela Merkel ist beliebt“ unter einem sympathischen Konterfei der Kanzlerin lässt keinen Zweifel zu – soll keinen Zweifel zulassen. Möglicherweise will das Haus Springer den Weg zu einer erneuten Kanzlerschaft Merkels medial ebnen. Denn die Entscheidung, wen die CDU nächstes Jahr ins Rennen schickt, ist langsam überfällig.

Nach vier krachend verlorenen Landtagswahlen im Jahr 2016 stehen die Christdemokraten mit dem Rücken zur Wand: Deren sichtbarstes Problem ist eine, im „humanistischen Imperativ“ halsstarrig entrückte Chefin, die außerhalb des Medienmainstreams immer weniger zu vermitteln ist. Das weniger sichtbare Problem: Merkel hat in der eigenen Partei praktisch jeden weggebissen, der ihr hätte gefährlich werden können, wodurch sie tatsächlich „alternativlos“ wurde – allerdings nur innerhalb der eigenen Truppe.

Vermutlich muss bild.de deshalb die noch immer magere Zustimmung von 54% zu einem veritablen Höhenflug umdeuten. Dass Merkel vor dem Sprung um neun Prozentpunkte tief im Umfragekeller steckte, davon kein Wort. In der Originalquelle tagesschau.de findet sich noch eine explizite Einordnung dieser Ausgangsbasis: „Im Vormonat hatte sie den schlechtesten Wert seit fünf Jahren erreicht.“ Bei bild.de mag man das hingegen nicht erneut thematisieren.

Wäre Merkel eine Aktie, würde man von einer Technischen Reaktion im Abwärtstrend sprechen – eine klassische Bärenmarktrally. Selbst der knochentrockne Finanzminister Schäuble weist mit einer Zustimmung von 63% mehr „Relative Stärke“ auf – von Beliebtheit sprechen Normalbürger bei einem Finanzminister ohnehin eher selten.

Komplett in Fettdruck ist bei bild.de schließlich der Absatz zu Horst Seehofer geraten – und das ist kein Zufall. Geradezu triumphierend wird dort dessen Abrutschen um sieben Prozentpunkte auf nur noch 37% vermeldet. Diese Hervorhebung dient offenbar der Demontage von Merkels sichtbarstem Kritiker.

Selbst die Ursache für Seehofers Rückgang meint man zu kennen, obwohl die Originalmeldung dies in keiner Weise hergibt – Interpretation à la bild.de. Denn mit deutlich erhobenem Zeigefinger wird klargemacht, dass sich (s)eine kritische Haltung zu Merkels „Flüchtlingspolitik“ nicht auszahlt. Tatsächlich geht das Abrutschen Seehofers aber durchaus in Ordnung, denn „Heißluft-Horsti“ spitzte zwar oft die Lippen, pfeifen mochte er bislang jedoch nicht.

©Ralph Malisch – Homepage vom Smart Investor

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Ein Kommentar auf "Zahlen und deren Interpretation"

  1. bluestar sagt:

    Allein 50% Zustimmung für die Zerstörerin des Heimatlandes ist ein Armutszeugnis für den geistigen Zustand der Deutschen.
    Während die hiesigen Medien dabei sind den aktuellen weltweiten Wettbewerb um die Verteufelung von Trump und Heiligsprechung von Clinton zu gewinnen, bereitet man sich offenbar schon auf die nächste Wahl 2017 in Deutschland vor.
    Meine Prognose: Blockparteien mit verfassungsändernder Mehrheit von einem sich selbst zerstörenden Volkes gewählt.

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