Yes we can: Schulden machen!

13. März 2014 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer & Volker Schnabel

Während der Wirkungsgrad einer Maschine mit zunehmendem technischem Fortschritt wächst, läuft es in der Wirtschaftsmacht USA genau umgekehrt. Jeder neue US-Dollar bewirkt immer weniger…

Während ein Auto für 100 Kilometer früher noch zehn Liter Treibstoff benötigte, reichen heute oft nur noch fünf Liter aus. Betrachtet man allerdings die Supermacht USA, muss man dort heute schon 20 Liter Kraftstoff verheizen, um überhaupt 500 Meter weit zu kommen.

Es gibt neue Zahlen. Die Schulden der USA wachsen entgegen aller Ignoranz schneller als die Unwissenheit der Experten darum. Hierbei wollen wir an ein glückliches Jahr 2013 erinnern. Die Wirtschaft der USA boomte offiziell. Schließlich haben die US-Aktienindizes neue Rekorde erreicht.

Und tatsächlich! Das US-Bruttoinlandsprodukt erhöhte sich im letzten Jahr um 552 Milliarden US-Dollar auf 16,8 Billionen US-Dollar. Dass dafür rund zwei Billionen an neuen Schulden aufgenommen wurden, fällt bei aller euphorischen Berichterstattung schnell hinten runter.

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Jeder Verschuldungsdollar „produzierte“ sozusagen 0,28 US-Dollar an Wirtschaftsleistung. Der Wirkungsgrad liegt bei 28 Prozent. Das nenne ich effektiv! Manch Kohlekraftwerk träumt davon.

Erinnern wir uns auch an den 20. Januar 2009. Das war der Tag, an dem US-Präsident Obama seine Antrittsrede hielt. „Yes we can!“ stimmte die Welt hoffnungsfroh wie der Friedensnobelpreis als Krönung seiner Worte. Uns standen an der Börse die Tränen in den Augen – den einen vor Lachen, den anderen aus anderen Gründen. Obama lief plötzlich über Wasser. Das Meer verwandelte sich in Wein. Im Himmel war plötzlich wieder Jahrmarkt.

Zum Amtsantritt des aktuellen US-Präsidenten betrug die offizielle Staatsverschuldung 10.628.881.485.510 US-Dollar. Wenn Ihnen die Zahl zu groß vorkommen sollte, es sind 10,6 Billionen. Fünf Jahre später ist diese Zahl auf 17,8 Billionen US-Dollar gewachsen, also 7,2 Billionen mehr. Wie soll der Schuldenstand jemals wieder abgebaut werden? Ganz einfach: Gar nicht.

„Yes we can!“ war in der Tat keine hohle Phrase. Im Gegenteil! Obama und seine Kollegen konnten es wirklich. Der 44. Präsident der USA hat inzwischen 64,3% der Schulden gemacht, die 43 Präsidenten in der Zeit zwischen 1789 und 2009 aufgebaut haben. Gratulation!

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Im gesamten Fiskaljahr 2013 stieg die US-Schuldenlast um 672 Milliarden US-Dollar. Dieses Fiskaljahr lief vom 1.10.2012 bis 30.09.2013. Das neue Fiskaljahr ist gerade fünf Monate und einige Tage alt. In dieser Zeit, es sind 140 Tage, wuchs der Schuldenberg der US-Regierung um 729 Milliarden US-Dollar.

Und dabei hieß es im Februar aus dem Budgetbüro des Kongresses, 2014 werde das Defizit im Staatshaushalt 514 Milliarden Dollar und damit 3,0 Prozent des Bruttoinlandsproduktes betragen.

Börsen lieben Trends. Wie Sie sehen können, ist der Aufwärtstrend der Verschuldung intakt. Sicherlich wird daraus etwas an Wirtschaftskraft erwachsen, allerdings nimmt der Wirkungsgrad der neuen Schulden auf die Wirtschaft ab.

So wuchs das BIP seit 2000 um sieben Billionen US-Dollar. Die Schulden der Gesamtwirtschaft wuchsen in gleicher Zeit um 31,8 Billionen US-Dollar. Jeder Verschuldungsdollar produzierte in den letzten 13 Jahren noch 0,22 USD Wachstum. Da hilft nur eines: Mehr Gas geben!

 

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6 Kommentare auf "Yes we can: Schulden machen!"

  1. Michael sagt:

    Dieser Aufwärtstrend ist solide und fundamental bestens abgesichert. Wem sollen die U.S. auch die Schulden zurückzahlen 😉

  2. Dagobert sagt:

    Vor ca. 4 Jahren geisterte so ein Chart durchs Netz – die FAZ erfand einen passenden Namen: “Schuldensättigungs-Monster”…

    http://economicedge.blogspot.ch/2010/03/most-important-chart-of-century.html

    http://www.faz.net/aktuell/finanzen/anleihen-zinsen/rentenmarkt-manche-staaten-naehern-sich-der-schuldensaettigung-1236135.html

    …wie sieht das wohl heute aus?

  3. FDominicus sagt:

    Ich fand vor gar nicht lange Zeit folgende Zahlen:
    Einnahmen Ausgaben Defizit
    2008 2.523.991 2.982.544 -458.553
    2009 2.104.989 3.517.677 -1.412.688
    2010 2.162.706 3.457.079 -1.294.373
    2011 2.303.466 3.603.059 -1.299.593
    2012 2.450.164 3.537.127 -1.086.963
    2013 estimate 2.712.045 3.684.947 -972.902

    Umgerechnet auf die Neuverschuldung für jeden ausgegebenen Dollar:
    2008 0,15 ¢ neue Schulden
    2009 0,40 ¢
    2010 0,37 ¢
    2011 0,36 ¢
    2012 0,30 ¢
    2013 vor. 0,26 ¢

    Somit haben Sie mehr als Recht. „they can (make debts)“

  4. 4fairconomy sagt:

    Am Ende versinkt jede kapitalistische Gesellschaft in einem Schuldenberg. Schulden = anderswo Vermögen. Diese wachsen immer mehr nur bei einer Minderheit, welche weder Konsum- noch Investitionsbedürfnisse hat. Letzteres ist ja nur der Fall, wenn es sich genügend lohnt. Dafür müssten aber kaufkräftige Konsumenten vorhanden sein. Da diese Kaufkraft aber radikal von eben dieser immer reicher werdenen Minderheit abgeschöpft wird, fehlt diese bei den Bedürftigen. Diese müssen immer mehr produzieren zur Finanzierung der Kapitalerträge, haben aber immer weniger Kaufkraft, um die produzierten Güter zu kaufen. Damit dieses absurde System nicht zu rasch kollabiert, kann sich der Staat verschulden und so die Nachfrage noch etwas aufrecht erhalten (siehe Aussage von Krugmann im unten verlinkten Artikel!). Die zunehmende Staatsverschuldung ist unausweichlich und systembedingt. Jedes System, welches das Leistungsprinzip dermassen verletzt wie die kapitalistische Wirtschaft in den USA, endet früher oder später in eine Katastrophe.
    Siehe: http://www.monde-diplomatique.de/pm/2014/03/14.mondeText.artikel,a0002.idx,5

    • FDominicus sagt:

      „Am Ende versinkt jede kapitalistische Gesellschaft in einem Schuldenberg. Schulden = anderswo Vermögen. “

      Ist in dieser Form schlicht und einfach falsch, und wird auch durch wiederholen nicht richtiger. Nicht alles Vermögen sind Schulden und damit ist diese Gleichung schlicht und einfach nicht zutreffend.

      Und nein es ist nicht das kapitalistische System was das Problem ist sondern was die Staaten unternehmen um Kapitalismus nicht zuzulassen. Aber mit dieser Kritik sind Sie in allerbester Begleitung.

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