XGD: Bloomberg-Kürzel für die neue Drachme (post Euro)

1. Juni 2012 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

(von Frank Meyer) Der Weg aus der Börse führte mich heute über den Rentensaal. Dort schnappt man oft interessante Dinge auf – beispielsweise ein neues Kürzel: XGD – die Bezeichnung für eine neue Währung im Bloomberg-System. XGD curncy – und schon landet man bei der neuen griechischen Drachme. GREEK DRACHMA (POST EURO).

Man denkt ja an nichts Schlimmes, wenn man die Börse nach dem Dienst als Reporter endlich verlassen kann. Kein guter Tag für den DAX. Der hat eins über die Rübe bekommen und fiel 210 Punkte. Schöner Start in den Juni. Dem Euro war ähnlich übel. Was das zu bedeuten hat? Keine Ahnung, sagte der Händler, bestätigte aber dieses Gerücht auch von anderen Kollegen an der Börse.(Quelle: Bloomberg)

Schaut man auf die Feiertage in Griechenland, so fällt auf, dass am Montag Pfingsten gefeiert wird. Noch hat die EU-Kommission den Feiertag nicht abgeschafft.

Die Börsen werden geschlossen bleiben. Auch in London sind am Montag die Börsen wegen des Bank Spring Holiday-Feiertags geschlossen. Bankfeiertag. Welch ironisches Wort. Am Dienstag ist auch geschlossen. Die Queen feiert ihr 60. Thronjubiläum (Queens Diamond Jubilee). Soweit ich weiß, werden die meisten Währungen in London gehandelt. An beiden Feiertagen gibt es auch kein Goldfixing. Seltsamerweise stieg der Goldpreis am Freitag um 85 US-Dollar ausgehend von seinem Tagestief nach Bekanntgabe der Harry Potter`schen Arbeitsmarktdaten in den USA. (Quelle: Godmode Trader)

Laut weiteren Informationen soll es sich Bei Bloomberg nur um einen Testlauf handeln. Für den Fall der Fälle? Wer weiß, wann dieser eintritt. Aber man weiß das ja nicht. Kollege Rott und sagte mir am Telefon, das im Rentenhandel auf einzelnen Systemen ebenfalls schon mit der Drachme operiert werden könnte. Es dürfte also kein Problem sein, für den Fall der Fälle, Rentenpapiere in dieser Währung zu handeln, sollte es ganz überraschend kommen.

Bloomberg kennt viele Kürzel. Zumindest kann ich mich erinnern, dass man den Goldpreis auch nach der D-Mark noch in D-Mark als Chart aufrufen konnte. Die Währung gab es auch als Chart gegenüber dem US-Dollar. Manchmal sehr interessant. In Sendungen damals habe ich das öfters mal gezeigt.

Es gibt weitere Indizien dafür, dass man in Griechenland schon Vorsorge für den Fall der Fälle getroffen hat. Überall konnte man lesen, dass die Griechen Unsummen an Geld von den Konten abheben, es ins Ausland bringen, oder unter der Matratze verstecken. Für den Fall der Fälle, dass die Drachme wieder Einzug hält, kann man diese Euro in vermutlich viele Drachmen tauschen. Seltsamerweise wurde diese Meldung lang, laut und quer durch die Finanzpresse gezogen. Zum anderen gab es einen medialen Schwenk auch in der Politik, die einen Austritt Griechenlands jetzt nicht mehr kategorisch ausschließt. Ob dieser kommen wird, bleibt ungewiss aber wahrscheinlich. Und wenn, dann gibt es zumindest bei Bloomberg unter „XGD“ ein Kürzel, unter dem man die Kurse dann ablesen kann.


 

9 Kommentare auf "XGD: Bloomberg-Kürzel für die neue Drachme (post Euro)"

  1. beccon sagt:

    Das Währungskürzel für eine neue Drachme wird nicht XGD sein. Daran kann man sehen, daß die Bloomberg Seite ein Test oder eine gezielte Provokation ist.

    Der ISO Währungscode (ISO 4217) ist wie folgt aufgebaut:

    Stelle 1-2: ISO Code des Landes – also GR
    Stelle 3 Anfangsbuchstabe der Währung

    Ist der Name der Währung vergeben, was meist nach Währungsreformen oder Umrechnungen („3 Nullen wegstreichen“) der Fall ist so wird meist N genommen.

    Beispiele:
    Polnischer Zloty – 1995 neu – 4 Nullen gestrichen – PLN – vorher PLZ
    Mexikanischer Peso – 1992 neu – 3 Nullen gestrichen MXN – vorher MXP

    Keine Regel ohne Ausnahme: Rußland 1998: aus RUR wird RUB – mit drei Nullen weniger.

    Codes, die mit X anfangen sind Sonderbelegungen: XAU und XAG sind Gold und Silber – aber auch Kolonialwährungen wir die beiden CFA Franc (XAF und XOF) sind in dieser Spalte. (Reine „Binnen“währungen die außer der Banque de France niemand handeln kann)

    Eine Neue Drachme würde dann den Code GRN haben. Aber vielleicht konnte man das bei Bloomberg nicht eingeben.

    Laßt uns dann auf DEN warten…

  2. Hans Zahm sagt:

    Ich halte den Austritt Griechenlands aus der Währungsunion für unwahrscheinlich. Nichts als säbelrasseln um den Griechen Angst zu machen vor der Wahl, damit diejenigen gewinnen, die bisher auch alles falsch gemacht haben.
    Raus werfen aus dem Euro kann man sie natürlich nicht die Griechen, will man auch nicht, den dann kann sie auch niemand zwingen irgendwelche Schulden zu bezahlen. Freiwillig vom Tropf abnabeln werden sie sich auch nicht.
    Es wird weiter gewurschtelt… ob nun Deutschland 5 Billionen oder 50 Billionen an Schulden sammelt spielt doch auch keine Rolle mehr. Die Bürgerinnen und Bürgen werden sich zunehmend Gedanken um ihren eigenen Rettungsschirm machen müssen, wie kann man dem Zugriff des Staates entgehen?
    @ crunchy
    Eine neue Währung wird wohl auch nicht mehr gedruckt werden, Geldscheine sind doch überflüssig. Ob der innere Wert der Bankcard sich Euro oder Drachme oder sonstwie nennt spiel keine Rolle, ist ein Programmierproblem.

    • crunchy sagt:

      Habe heute morgen mit einem griechischen Bekannten gesprochen (Obst- und Gemüsehändler), der sich auf gut informierte Quellen beruft.
      Er ist sich der neuen Drachme sicher, weiss aber nicht,wann sie kommen wird. Zum elekronischen Geld: Die Denke ist gut, es wird auch irgendwann eingeführt werden, doch gegenwärtig würde damit gerade in Griechenland niemand zurechtkommen. Der Markthändler nimmt´s lieber noch bar.

  3. retracement sagt:

    Lustig, jetzt wo es dem Exodus zugeht herrscht bei den Alteingesessenen Zwietracht. Allerorten Gedankengänge a la „de Euroeinführung inne elektronische Systeme hatte Jahre gebraucht“ und so weiter.
    Na und, lass die Lieferanten doch etwas an der Faktura tüfteln.
    Wenn sie denn liefern wollen . . .

    Es ist politisch. Es geht um den inneren Frieden der Griechen. Ansonsten Militärputsch. Unglaublich, wie man immer nur wirtschaftspolitisch denken kann? Glaube echt, daß unser Schäublino da doch wesentlich mehr drauf hat, als man dachte. Jedenfalls ist es von dort sehr ruhig.

  4. dork sagt:

    Wer wird denn gleich Waldohreulen nach Athen tragen 😉

    Der selbe Interbankenbroker ICAP hatte das Szenario schonmal im November 2011 geprobt:
    http://www.handelsblatt.com/finanzen/rohstoffe-devisen/devisen/chaos-szenario-londoner-broker-simuliert-den-zerfall-der-euro-zone/5898386.html

    Artikel aus der FR bzgl. DeLaRue:
    http://www.fr-online.de/schuldenkrise/schuldenkrise-griechenland-druck-der-drachme-wird-vorbereitet,1471908,16067178.html

    > Weg aus der Börse führte mich heute über den Rentensaal

    Ich bekomme grade das Bild nicht aus dem Kopf, wie es in so einem Rentensaal aussehen könnte. Krankenbetten für südländische Staatsanleihen, derzeit noch motorbetriebene Rollatoren für deutsche Anleihenpapiere, ältliche, ergraute Finanzminister, die eilig Bettpfannen für löchrige Staatsanleihenblasen stapeln … und der Notausgang des Rentensaals führt bestimmt über den Derivatefriedhof.

    Viele Grüße und ein schönes Wochenende!

    • crunchy sagt:

      Der Weg in den Rentensaal führt geradewegs durch das U-Boot, da, wo man früher Optionen handelte …. Einfach mal in die Börse eintauchen aber den Kompass nicht vergessen. Ich war das letzte Mal vor 39 Jahren dort. Heute ist alles Kulisse.

  5. samy sagt:

    N’Abend,

    http://www.keeptalkinggreece.com/2012/06/04/athens-hsbc-tested-cash-machines-for-drachma/

    Hieraus:“…The cash machine tests at branches in Athens are understood to have been extensive to ensure that the machines are able to handle banknotes of a different size and texture. …“

    O Gott, es ist soweit. Auch ich mach jetzt mal ein heimliches „Efft … Efft … Efft“

    Gutes Nächtle

  6. […] dann Ende der letzten Woche das neue Währungskürzel XGD der neuen griechischen Währung auf dem Bloombergsystem zu finden war, war klar, dass sich in Europa endlich etwas bewegt. Drei […]

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