Wünsch Dir was!

9. Oktober 2011 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer, Slideshow

von Frank Meyer

Die großen Banken sind heute mächtiger als die Politik. Bald werden einige mit neuen Steuergeldern gerettet. Im Namen des Volkes. Die Rettungsboote sind schon unterwegs, beladen mit guten Absichten, gigantischen Kosten und Schmierfett für die Finanzindustrie. Willkommen in der Bankenkrise 2.0! Dabei zahlen wir doch noch die erste Krise ab.

Die Kanzlerin meinte, es wäre vernünftig angelegtes Geld. Kein Wunder, dass Zorn und Misstrauen gegenüber denjenigen gedeihen, die mit Löchern in der Bilanz unter BurnOut leiden und auf Kosten der Allgemeinheit ein gar lustiges Leben führen. Ach, die Banken vertrauen sich nicht mehr? Warum sollte ich ihnen dann trauen?

An der Börse herrschte Bombenstimmung. Erst gab es eine Bombendrohung und dann gingen die Kurse der Bankaktien ab wie Trichets Katze. Auf seiner letzten Pressekonferenz als EZB-Chef stellte er neue Hilfen und weitere Anleihekäufe in Aussicht. Im Keller ölt er die Gelddruckmaschinen. „Trichet“ kann man übrigens leicht mit dem französischen Wort „tricher“ verwechseln. Beide Worte klingen gleich. Das eine ist der Name vom noch obersten „Währungshüter“. Das andere Wort bedeutet „schummeln“. Welche Zufälle es doch gibt.

Die EZB hat den Pfad der Stabilität längst verlassen. Frau Merkel gab den Banken jetzt quasi eine dritte Staatsgarantie. Und aus dem Rettungsfonds EFSF soll bald eine Investmentbank werden, die die Drecksarbeit durch Aufkauf der Müllpapiere übernimmt. Es ist noch Suppe da für alle. Wir dürfen sie auslöffeln. Ein tolles Spiel für Banken. Dort heißt es: „Wünsch Dir was!“. Für den Bürger heißt es: „So isses!“.

Frank Meyer, Kolumne in den Lübecker Nachrichten

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6 Kommentare auf "Wünsch Dir was!"

  1. konnt_ja_keiner_ahnen sagt:

    Schön, dass wenigstens Herr Meyer noch Worte findet. Ich bin mittlerweile zunehmend sprachlos, wenn ich die Erklärungen von Merkel & Co. höre, wenn sich Kanzleramtsminister als ordinäre Pöbler entpuppen und wenn sich der Staatstrojaner (ganz überraschend) als vefassungsfeindlich herausstellt. Kranke Welt.

  2. cubus53 sagt:

    Frau Merkel ist die verspätete Rache Honeckers an der Wiedervereinigung. Es lebe der Sozialismus !

  3. Reiner Vogels sagt:

    Bis Ende Oktober, so haben Merkel und Sarkozy heute angekündigt, soll es ein Gesamtkonzept für eine umfassende Lösung der Euro-Schuldenkrise geben. Einzelheiten nannten sie noch nicht.

    Wer kann solchen Ankündigungen glauben? Wenn es eine solche umfassende Lösung gibt, warum haben Sie dann so lange damit hinter dem Berg gehalten? Warum haben Merkel und Sarkozy ihre genialen Ideen, mit denen man die Krise umfassend bewältigen kann, bisher verschwiegen? Wenn sie diese umfassende Lösung schon vor 1 1/2 Jahren, als es um das erste Griechenlandrettungspaket ging (ein falsches Etikett, in Wirklichkeit war und ist es ein Bankenrettungspaket), der Öffentlichkeit präsentiert hätten, hätte der deutsche Steuerzahler viel Geld sparen können.

    Mit anderen Worten: Es wird keine umfassende Lösung geben, Europa fährt weiter mit voller Kraft voraus auf den Eisberg zu.

  4. retracement sagt:

    Die Headline heisst ja wünsch Dir was . . .

    Nun denn! Besser angezogen waren sie ja.

    http://www.youtube.com/watch?v=3ckAlX7mSno

    Hier noch was von ganz gestern gestern für die upper-RTL II -class

    http://www.youtube.com/watch?v=C9zS67ZCkw8&feature=related

  5. nursabine sagt:

    IWF-Berater: Finanzkollaps in 14 Tagen

    http://goo.gl/zMXYZ

    hoffentlich hat er unrecht… 🙁

  6. gilga sagt:

    Das ist meiner Meinung nach eine der ernsteren Meldungen dieser Tage…

    „Erste Group Reveals Stunner: Reports Billions In Previously Undisclosed Underwater Sovereign CDS; Who Is Next? And How Much More Is Out There?“:
    http://www.zerohedge.com/news/erste-group-reveals-stunner-reports-billions-previously-undisclosed-underwater-sovereign-cds-wh

    Wir wissen inzwischen zwar, welche Gefahr von den CDS ausgeht, aber nun wird

    a) „allgemein“ bekannt wie diese „verborgen“ wurden
    b) die ganze Geschichte so langsam zum akuten (und nicht nur zukünftigen) Problem

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