Wozu sollen wir noch sparen?

30. September 2012 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

(von Frank Meyer) Hey! Die Leute konsumieren weiter! Und das trotz steigender Unsicherheit und wirtschaftlichem Abschwung. Sind das nicht gute Nachrichten? Normal ist das jedenfalls nicht. Aber was ist schon normal in Zeiten der zügellosen Geldvermehrung. Was ist das Geld später noch wert ist? Sicherlich weniger als heute…

Bundesbankchef Weidmann erklärte neulich, unser Geld wäre nur bedruckte Baumwolle oder elektronische Verrechnungseinheit. Aber es wohnt ihm offenbar ein Zauber inne – oder ein Aberglaube.

Ein 50-Euro-Schein wiegt 0,92 Gramm. Wer durchschnittlich verdient, bekommt als Gegenwert 50 Gramm Baumwolle im Monat. Welche Mühe, in Zeiten stagnierender Löhne und verrückter Chefs. Die Herstellung der Banknoten ist nahezu kostenlos. Die Leute müssen nur glauben, es wäre echtes Geld. Schon in der Schule werden die Kleinen damit geimpft. Und es funktioniert! Die Marsmännchen wären erstaunt. Seitdem Geld nichts mehr kostet, wird es immer schneller immer mehr. Um Banken zu retten, leihen sich Staaten noch mehr Geld bei ihnen. Erklären Sie das mal jemandem.

Bei null Prozent Guthabenverzinsung auf dem Konto und einer Teuerung von politisch korrekten zwei Prozent, hat der Geldfraß viel zu tun. Wann gibt es eine negative Verzinsung, kostet es Geld, wenn man der Bank welches leiht, aus dem sie ein Vielfaches an Kredit schöpft? Mal sehen…

In Europa fliegen 900 Milliarden Euro Bargeld umher und ein Vielfaches davon elektronisch. Papiergeld ist kein Wertaufbewahrungsmittel mehr. Es hat nur inneren Brennwert. Heutiges Geld lebt vom Vertrauen der Massen, dass es etwas wert sei. Wehe, wenn die Leute diesen Aberglauben hinterfragen. Sie werden dann versuchen, ihre Guthaben immer schneller in etwas Werthaltiges zu tauschen. Erste Zeichen sind längst sichtbar, wenn der Konsum trotz aller Warnzeichen aus der Wirtschaft pulsiert. Was zu Beginn wie ein Boom aussieht, endet dann später in der Katastrophe.

©Frank Meyer, Kolumne aus den Lübecker Nachrichten


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5 Kommentare auf "Wozu sollen wir noch sparen?"

  1. vegaman sagt:

    Na ja,

    mancher mag es ja auch gut finden. Faktisch leben wir in einem zinslosem Schwundgeldsystem, was somit der einen oder anderen Regiowährung ähnelt, z.B. wie ich glaube dem Chiemgauer (wer es besser weiß, bitte verbessern). Im Prinzip also eigentlch gar nicht so schlecht.

    Leider hat die Sache ein paar Haken. Zum einen gibt es innerhalb dieses Systems eine gut situierte Gruppe mit faktisch unbedingtem Grundeinkommen (was zumindest in dieser Höhe nur funktioniert, wenn die Gruppe klein genug im Verhältnis der Gesamtbevölkerung ist…). Zum Anderen wird dieser Gruppe auch noch zusätzliches Geld zur Verfügung gestellt, wodurch die anderen natürlich einen Kaufkraftverlust erleiden.

    Eigentlich müsste man nur noch alle bestehenden Kredite auf 0% Zinsen umschulden (man unterscheide im privatem Bereich Zins und Dienstleistung / Risikovorsorge, daraus auflaufende Gewinne könnten ins Bildungssystem fließen…), das Geldmengenwachstum an eine Monetative übertragen, die nur neues Geld in Höhe der Steigerung der Wirtschaftsleistung ausgibt und auslaufende Staatskredite durch Kredite der Monetative ersetzen…

    Die daraus resultierende Freisetzung gewisser Ressourcen könnte sich an anderer Stelle der Gesellschaft sicherlich als wesentlich nutzbringender erweisen, als – wie derzeit – immer neue Ideen auszutüfteln, wie man irgend jemanden über den Tisch ziehen kann. Das Spiel, das seit langem Züge des Comics Spion&Spion angenommen hat, wäre beendet.

    Eigentlich also ist der bisher beschrittene Weg gar nicht so schlecht. Man muss ihn nur in die richtige Richtung zu Ende gehen.

    Grüße

    vegaman

    • 4fairconomy sagt:

      Die Inflation kann in ihrer Wirkung keine Liquiditätsabgabe ersetzen.
      Bei z.B. 4% Inflation, lohnt sich die Geldausleihe nur zu Zinsen von deutlich über 0%, eher mind. 4%. Die Inflation frisst die Kaufkraft aller Nominalvermögen. Ein wichtiger Punkt ist, dass die Inflation nicht kontrolliert werden kann, weder in ihrer Höhe noch zeitlich. Diese Unsicherheit führt zu höheren Zinsen – besonders bei längeren Laufzeiten – als Risikozuschlag für eventuellen Wertverlust. Ist die Gesellschaft hoch verschuldet, kommt eine Zins-Preisspirale in Gang. Für die Schweiz macht 1% mehr oder weniger auf den Kapitalstock ca. 5% des BIP aus.

      Eine inflationäre Geldpolitik führt wegen der Unsicherheit eher zu kurzfristigeren Anlagen und Spekulationen. Eine Liquiditätsabgabe verteuert kurzfristige Geschäfte und begünstigt langfristige Investitionen. Insbesondere würden Spekulationsblasen verteuert, welche viel Liquidität binden, also vor allem aus kurzfristigen Transaktionen besthen.

      Eine Liquiditätsabgabe wirkt sich sofort und kontrolliert dort aus, wo die Blockade im System besteht, ohne andere Preise zu beeinflussen.

  2. Avantgarde sagt:

    „Bei null Prozent Guthabenverzinsung auf dem Konto und einer Teuerung von politisch korrekten zwei Prozent, hat der Geldfraß viel zu tun.“

    Aus dem Stand kann mindestens 3 Banken nennen, die (ohne Lockangebote mit Befristung) mindestens 2% Zinsen aufs Tagesgeld geben.

    • stephan sagt:

      Dann vertrauen Sie mal schön darauf, dass es die Bank bei Fälligkeit der Zinsen noch gibt und / oder sie die Zinsen zahlen kann (Gegenteiliges soll ja in der Vergangenheit schon vorgekommen sein). Ansonsten haben Sie nicht nur das Problem des Geldfraßes, sondern das des Geldschwundes.

      Im Übrigen haben wir in dem Bereich der essentiellen Lebensgüter (insbesondere Energie und Nahrungsmittel) eine wesentlich höhere Inflation, so dass Ihnen die – ohnehin unsicheren – zwei Prozent auch nicht wirklich helfen.

      Überhaupt fragt sich, warum Sie den Banken gegen Minizinsen Ihr Geld zur Verfügung stellen wollen? Wollen Sie damit das System retten? Dann good luck! Ich für meinen Teil halte es lieber so, dass ich dem System meine Kohle entziehe.

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