Worüber man sich wirklich aufregen könnte…

13. April 2016 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Es gibt Tage, an denen gibt es wirklich nichts zu schreiben. Da passiert nichts, außer die kleinen Unfälle des Tages. Alles andere wäre jetzt Unsinn. Gibt es wirklich nichts Wichtiges?

Nein. Die Nachrichten? Ach was! Sie haben den Wert, dem man dem Geld nachsagt. Wären sie wertvoll, nennte man doch sie Vor-richten. Sie sind aber nichts, wonach man sich nach-richten sollte, außer bei Erdbeben und Vulkanausbrüchen.

In der DDR-Zeit nannte man diese Veranstaltungen oft „Flimmerstunde“. Wahrscheinlich wegen des Herzflimmerns nach erduldeten zehn Minuten. Damals hieß „Sudel-Ede“ noch Karl Eduard von Schnitz…  Wobei er Schnitzler hieß und den „Schwarzen Kanal“ moderierte. Das wusste man aber nicht, weil die Leute da schon abgeschaltet hatten. Ein Viertel Jahrhundert später hatte er mit vielem sogar hier und dort recht.

Ein Tag ohne News bzw. Breaking News ist sehr zu empfehlen. In Wirklichkeit sind es doch die kleinen Ärgernisse, die einen auf die Palme bringen, wie mein Nachbar, der eine wirklich gute Figur bei der Stasi gemacht hätte – ganz ohne Internet. Er hält seine Nase in alles. Neulich musste man ihn aus der Mülltonne retten, hieß es. Den bekommt man nicht los. Er klebt wie Pattex. Aber er hält die Einbrecher ab, sagen die anderen Nachbarn. Sonst kann man ihn zu nichts gebrauchen, schon gar nicht zur Unterhaltung. 

Mein Auto steht jetzt seit drei Tagen auf dem öffentlichen Parkplatz vor seinem Haus. Das mag er gar nicht. Ich befürchte, er ruft deswegen in Kürze die Polizei oder … nein, lassen wir das…

Es ist auch erfrischend, die anderen Leute in der Nachbarschaft zu beobachten, besonders die Frau, die weder sich, noch ihren Hund im Griff hat, vor allem, wenn es längst dunkel ist. Der Hund hat offenbar zwei Knöpfe: „Aus!“ und „Hier!“. Leider funktionieren sie nicht.

Ich habe wirklich keine Ahnung, was kürzlich passiert ist. Und wenn ich es wüsste, würde ich das nicht kommentieren. Man kann doch kaum noch die Folgen abschätzen. Mal sehen, wann unsere Kanzlerin den Herrn Böhmermann in den Kerker in die Türkei abschiebt. Und den Hallervorden gleich noch mit. Wir, die Betreiber dieses Blogs, werden wohl früher oder später in einem Notenbank-Kerker landen.

Die beste Zeit für Satire und Comedy dürfte jetzt erst einmal vorbei sein. Denn, wenn man sich über etwas lustig macht, weil es entweder lustig oder auch nur krank und verrückt ist, wird es dann heißen, die Demokratie wäre bedroht – oder das, was davon noch übrig ist.

Als „Ossi“ hat man dafür gute Antennen für Unsinn von oben. Diese Lektionen muss der Westen noch lernen, zu spüren, wenn man belogen wird. Da haben die Ostdeutschen einen Vorsprung, da drüben in „Dunkeldeutschland“, wie man den Landesteil auch nennt. Sie regen sich jetzt auf? Nehmen Sie vorsorglich eine Herztablette.

Was ist sonst passiert? Nichts. Der Kirschbaum blüht in der Nachbarschaft. Die Birke ist plötzlich grün geworden. Nachtigallen singen. Es gibt den ersten Spargel. 18 Euro das Kilo. Bald kommen die Erdbeeren aus Holland. Manches Erdbeer-Zelt wird hier jetzt künstlich beheizt und belichtet, damit der „Markt“ zeitig versorgt werden kann. 

Draußen steht der Bärlauch in vollem Saft. Die Leute kaufen ihn für 1,99 Euro im Supermarkt wie die Äpfel und das andere, was es sonst kostenlos am Wegesrand gibt. Und endlich fahren hier im „Gemüseland“ die Glyphosat-Verteiler über die Felder, so dass Unkraut keine Chance hat. Was glauben Sie, was alles über die Felder gebracht wird, dass es den Leuten aus der Stadt schmeckt für einen „günstigen“ Preis?

Heute Morgen…

Es war gegen 8 Uhr. Ich weiß, die meisten Leute würden gerne liegenbleiben, trauen sich aber nicht ihrem Chef zu schreiben, sie stünden nicht zur Verfügung. Aber sie brauchen das Geld. „Arbeit macht das Leben süß… sagte man früher. Brechen deshalb die Leute so früh auf, auch die, die ihren Job und ihren Chef hassen und sich immer nach dem Wochenende sehnen? Weil sie das Geld benötigen… Sie tun dafür alles. Und immer mehr für immer weniger. Und wenn sie es haben, dann ist es auch nicht mehr sicher.

Nein, dieser Tag war offiziell langweilig und auch noch aufregend. Was passiert, wenn man 50 Kilometer mit dem Rad unterwegs war? Richtig! Man hat die Schutzengel herausgefordert, fast ein paar Leute umgefahren und wurde von Hunden verfolgt. Die lieben mich! Vor allem mein Pfefferspray. Steht drauf, es wäre nur gegen Hunde. Eine Frage der Definition…

Man hat Durst. Großen Durst. In so einem Zustand ist einem wirklich alles egal ist. Dann schüttet man einen halben Liter Apfelschorle für 3,30 Euro binnen einer Minute in sich hinein. Selbstbedienung, versteht sich. Das geht schneller, als man ein Auto auftanken kann – wobei der Diesel pro Liter nur ein Sechstel der Apfelschorle kostet, und der Tankwart davon nicht leben kann. Deshalb verkauft auch er Apfelschorle für 2,50 Euro für ein Drittel Liter.

Nein, das Leben wird ja sonst immer billiger, habe ich gehört. Wir leiden ja schließlich unter der Deflation. Dann habe ich heute gelesen, ein Schokoladenpudding aus dem Supermarkt kostet (mit Sahnehäubchen!) überall nur noch 19 Cents. Jetzt verstehe ich, warum es uns oft so schlecht geht. 

 

6 Kommentare auf "Worüber man sich wirklich aufregen könnte…"

  1. A.Ludwig sagt:

    Diesen Irrsinn gibt es schon seit Jahren. Nur hat es keiner gemerkt. Die Welt schrieb letztens das immer mehr Motorradfahrer sterben. Angeblich wegen Selbstüberschätzung. Nach 25 Jahren auf dem Bike weiss ich etwas anderes zu berichten. Ich könnte stundenlang ein Buch darüber schreiben. Regt es mich noch auf? Nein.
    Ich fahre einfach mit dem Bike Äpfel auflesen. Birnen, Kirschen.
    Mich regen auch diese Blockwarte nicht mehr auf. Ich lasse sie einfach stehen. Mich regt auch diese Regierung nicht mehr auf. Diese ganzen Eskapaden von Rente bis Migration hat definitiv bei der Bevölkerung ein Verfallsdatum. Dann geht es mit den Trompeten von Jericho in die Apokalypse.Mich regt auch die Börse nicht mehr auf, ich habe dort kein Geld angelegt. Auch nicht bei der Bausparkasse und in Lebensversicherungen. Ich rege mich auch nicht über meinen Chef auf. Ich bin Selbständig. Ich rege mich auch nicht mehr über meine Kunden auf, die haben die gleichen Probleme wie alle. Sie tun zwar so, als hätten sie die nicht, aber ich brauche dabei nur nach NRW schauen zu Thyssen. Ich rege mich auch nicht über meinen Hund auf, ich habe keinen. Die anderen hat meine Monsterkatze verscheucht mit 7 Kilo. Über das einzige was ich mich aufrege ist meine Frau….die schnarcht…
    In diesem Sinne, nehmt es logger, kauft keine Apfelschorle auf der Tanke, behaltet Pfefferspray bereit, kümmert euch um das wesentliche zum überleben, kauft Silber und Gold und lasst euch zwischendurch ein Angebot machen von einer Möbelspedition, damit die Flucht reibungslos abläuft.
    Gruss

  2. PetraM sagt:

    Was für ein relaxter Beitrag, hat gut getan, ihn zu lesen und darüber zu sinnieren. Auch der Kommentar von A. Ludwig gefiel mir. Es sind letztendlich nur die kleinen Dinge des Lebens, die zählen. Man könnte eigentlich die Tageszeitung abschaffen und den Fernseher vor die Tür stellen- was würde sich da für mein Leben eigentlich ändern? Am Ruder sitzen Böhmermänner oder das Fliegende Spaghettimonster; Gerichte und gar Staatsmänner stimmen ihre Terminpläne nach ihnen ab. Ich habe keine Lust mehr, mich ständig für dieses Land fremdzuschämen- die Flimmerkiste bleibt bis zum Wochenende aus! Ich muss u. a. über die Frage nachdenken, warum ein Ticket mit dem Fernbus nur 8,- € kostet? Mit Fahrer!

  3. Dis Pater sagt:

    Auch ich nehme mir immer wieder vor, mich weniger aufzuregen, schaffe es aber nicht wirklich. Diesem Irrenhaus „Deutschland“ kann man wohl nur durch Auswanderung im Rentenalter oder durch einen beherzten Sprung in die „Kiste“ entfliehen.
    – Volker Beck bekommt ne lächerliche Geldstrafe von 7000 Euro (das zahlt der doch aus der Portokasse)
    – Glyphosat wird uns weiter schmackhaft unter’s Essen gemischt
    – so langsam kocht die Griechenlandkrise wieder hoch
    und so weiter und so weiter.
    Ich sollte mir einfach nicht so viel Gedanken machen, denn ich bekomme regelmäßig ne Halsschlagader so dick wie ein Oberschenkel.
    Abschließend erlaube ich mir dann auch noch, eine gewagte These aufzustellen:

    Geschätze 85% aller Menschen sind der lebende Beweis dafür, dass Hirnversagen nicht unmittelbar zum Tod führt, denn anders kann ich mir manche Abstimmungsergebnisse in irgendwelchen Parlamenten oder auch Gerichtsurteile oder sonstige Entscheidungen in wirklich wichtigen Dingen nicht erklären.

  4. Skyjumper sagt:

    „Draußen steht der Bärlauch in vollem Saft. Die Leute kaufen ihn für 1,99 Euro im Supermarkt wie die Äpfel und das andere, was es sonst kostenlos am Wegesrand gibt.“

    Das erinnert mich daran, dass ich, unter anderem angeregt durch die Aufregung in diesen Blog, mir vor 4 Jahren überlegt habe was ich persönlich denn noch machen könnte ……… ausser in Blogs und Foren rumzuschelten.
    Herausgekommen ist dabei auch ein Kleingarten. Da habe ich vor besagten 4 Jahren Bärlauch gepflanzt. Für etwa einmalig 10,- €. Letztes Wochenende habe ich zum 3 Mal geerntet und festgestellt dass er sich jetzt bereits so stark vermehr hat dass er mehr Blätter liefert als ich benötige. DAS nenne ich mal Rendite 🙂

    • PetraM sagt:

      Hallo, Skyjumper, die Sache mit dem Bärlauch wird auch in meinem Plan A seinen Platz finden. Aber bessere Rendite wirft zweifellos die Apfelschorle ab („einen halben Liter Apfelschorle für 3,30 Euro (schüttet man) binnen einer Minute in sich hinein“). Transportiert sich nur im E-Fall schlecht.

      • Lickneeson sagt:

        „„Draußen steht der Bärlauch in vollem Saft. Die Leute kaufen ihn für 1,99 Euro im Supermarkt wie die Äpfel und das andere, was es sonst kostenlos am Wegesrand gibt.“

        Augen auf beim „Kräutersammeln“! Bärlauch steht gerne in Grüppchen mit Herbstzeitlose zusammen im Wald rum. Letztere als Pesto zu geniessen dürfte eine einmalige Gourmetfreude sein.

        MfG

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