Worte, Weihrauch und Verwirrung

24. August 2014 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Notenbankchefs wird nachgesagt, sie wären den Göttern so nah wie eine Hose dem Hintern. In dieser Woche trafen sie sich in Jackson Hole. Worum es ging, wissen wir nicht…

Vielleicht wollten sie in der Einsamkeit der Rocky Mountains ungestört ihre Heiligenscheine vergleichen und Bären erschrecken. Normalerweise stiften sie Verwirrung und verdünnen die Kaufkraft des Geldes. Derzeit schüren sie Sorgen vor einer Zinswende und schlagen sich dann vor Lachen wegen der Marktreaktionen auf ihre Schenkel. Wenn die Zinsen steigen sollten, dann verbal und nicht real.

Zentralbanken setzen die Zinsen nach Belieben und politischen Vorgaben fest. Sie manipulieren sie, während Banken dafür bestraft werden. Wenn der Markt die Dinge zu bestimmen hätte, es wäre nie zur Ausrottung des Zinses gekommen, sondern zu Pleiten und Bereinigungen und nicht zum Wildwuchs scheintoter Finanzkreaturen.

Was halten Sie hiervon? Milliarden von Anlagegeldern stürzen sich wegen der weltweiten Zinslosigkeit schon längere Zeit auf Papiere, wie Geier auf Knochen, an denen noch etwas Gammelfleisch hängt. Von daher ist es kaum verwunderlich, dass trotz neuer Rekordschulden in Spanien von jetzt über einer Billion Euro die Kurse der Anleihen höher stehen als die in den USA und entsprechend die Renditen unter das US-Niveau gefallen sind. Nach außen sieht es so aus, als ob es in Spanien oder auch Italien finanzielle Fortschritte gäbe. Dem ist nicht so, selbst wenn das eingefleischte Experten uns glauben machen möchten. Die Zentralbänker haben den Markt in den Schrank gesperrt und die Schlüssel weggeworfen.

Was Geldgötter beschließen, hat nicht nur eine Marktverzerrung als Folge, sondern auch Sparer auszubaden. Trotzdem lieben die Deutschen ihre inzwischen zinslosen Geldanlagen wie Sparbücher und Lebensversicherungen. Sie kennen ja nichts anderes. Wie jetzt schon wird es künftig auch heißen, die Aktien wären alternativlos. Das ist natürlich Unsinn, denn es gibt immer Alternativen, nur gefallen die uns oft nicht.

Können Dividenden als ein Zinsersatz dienen in einer Welt der Zinslosigkeit? Vielleicht, wenn man aushalten kann, dass die Aktienpreise wackeln können wie die Hintern von Tänzerinnen im Rotlichtviertel. Was aber, wenn Unternehmen künftig als Folge eines Zinssozialismus und der damit einhergehenden Marktverzerrungen keine Dividenden mehr auszahlen können? Haben Sie eine Idee?

Frank Meyer, Kolumne aus den Lübecker Nachrichten (Langfassung)


 

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