Wohnst Du schon? Oder mietest Du noch?

29. Juni 2014 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Die Märkte schwimmen weiter ihre langweiligen Runden im zinstiefen Sommerloch, während sich der DAX in seiner Tafel verbeißt und manche Attacke schultert…In dieser Woche kam er um 1,6% zurück, der größte Rückgang seit April 2014. Was war passiert? Nichts. Im ersten Halbjahr stieg der DAX um drei Prozent, gefühlt aber um mindestens ein Viertel.

Doch die Leute lieben derzeit Immobilien, heißt es.

Wer nichts anderes kennt oder mag, findet das sehr chic, auch gegenüber den Bekannten, Freunden und Arbeitskollegen. Im Gegensatz zu Aktien benötigt man beim Erwerb von Betongold kein Geld, sondern einen Kredit. Diesen gibt es inzwischen so günstig, dass sogar die EZB schon vor ihrer eigenen Zinspolitik warnt. Auch die Bundesbank warnt. Was aber hat sie noch zu sagen? Künftig hat die Bundesrepublik alle fünf Monate keine Stimme mehr in der EZB. Entsprechend heiser sind die Warnungen auch vor einer vermeintlichen Immobilienblase.

Man kann heute für spottbilliges Geld auch völlig überteuerte Häuser und Wohnungen finanzieren. Tolle Wurst! Wo ist der Vorteil? Zum Glück werden Häuser nicht an der Börse gehandelt. Das hielte ja keiner aus. Übrigens wird das deutsche Immobilienvermögen vom Bundesverband deutscher Banken auf 5,5 Billionen Euro geschätzt. Dazu kommen noch 5,2 Billionen Euro auf Konten und in Lebensversicherungen und ein weiterer Vorschlag vom IWF, wie ein Staat im Fall der Fälle schneller an die Guthaben aus diesem Sammelbecken kommen könnte. Wenn es da künftig nicht mal zu Begehrlichkeiten kommt. Wer hören wollte, konnte das in dieser Woche.

Mit glühenden Herzen und Flausen im Kopf beißt die Gier manchmal auch das Hirn. Im Überschwang hat man dann zu viel Betongold und Kredit an der Backe. Ja, der Kunde steht im Mittelpunkt, also steht er im Weg – und manchmal auch sich selbst. Zudem verkaufen die Banken ja gerne Kredite. Warum sollten sie warnen? Supermärkte warnen ja auch nicht vor ungesunden Ess- und Trinkgewohnheiten. Wenn dann in der Rushhour des Lebens mal etwas schief geht, dann steht die Bank im Grundbuch und Hausbesitzer sind erstaunt, dass sie nur den Kredit besitzen, nicht aber das Haus oder die Wohnung. Übrigens haben Schulden mit Schule anfänglich recht wenig miteinander zu tun. Später dann aber umso mehr.

Frank Meyer, Kolumne aus den Lübecker Nachrichten (Langfassung)



 

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Ein Kommentar auf "Wohnst Du schon? Oder mietest Du noch?"

  1. FDominicus sagt:

    Lieber Herr Meyer, Sie haben das mit der Umverteilung leider immer noch nicht verstanden. Kredite sind die Hamsterräder in denen die Schmarotzer die Leistenden einsperren wollen. Früher reicht für den Hamster zwei seitliche Schritte und er fiel aus dem Hamsterrad, das Hamsterrad hat sich inzwischen zu einem veritablen Globus entwickelt, aus dem es so gut wie kein Entrinnen mehr gibt. Die paar Löcher durch die man noch schlüpfen könnte, werden peu a peu gestopft Dann heißt es nicht mehr, möchten Sie einen Kredit sondern ein solcher wird regelmässig durch die Politiker in Ihrem Namen abgeschlossen. Der Zins wird von der Bank zur gerechteren Umverteilung festgelegt und variiert je nach Nähe zum Regime, je näher beim System (Subventionen etc) desto niedriger je weiter weg desto höher. Die Laufzeit wird am Anfang noch etwas länger sein bis wir bei einem wöchentlichen Kredit ankommen, wahrscheinlich nennt man es nicht mehr Kredit sondern Geld und dann haben wir auch das von so vielen geforderte Schwundgeld, das so manche hier schon seit lange Zeit als „Rettung“ fordern….

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