Wohin nur mit der bitcoin-Kohle?

9. Dezember 2017 | Kategorie: RottMeyer

von Bankhaus Rott

Wer sein Geld in diesem Jahr mit Bitcoin verzehnfacht, mit IOTA verzwanzigfacht oder mit VERIs verdreißigfacht hat, der sollte sich langsam Gedanken darüber machen, wohin er Teile dieser Gewinne verlagern kann. Es wäre doch jammerschade gute Gelegenheiten zu verschlafen.

Die Aufwärtsbewegungen des bitcoin und seiner nahen und fernen Verwandten muss man als historisch einstufen. Eine derartige Entwicklung wird man abseits von Hyperinflationen wohl nicht allzu oft erleben dürfen. Schlimm ist das nicht, denn von solchen Bewegungen braucht man nicht allzu viele. Das wirklich bemerkenswerte an der Preissteigerung ist, dass gar nicht so viele dabei sind, wie man denken könnte. Der Blick auf die Verteilung der Bestände aller bitcoin-wallets (hier „Adressen“) zeigt derzeit folgendes Bild.

Bitcoin _Adressen und Vermögensverteilung

Es existieren lediglich 175.000 wallets mit einem in $ umgerechneten Bestand in Höhe von mehr als 100.000$. Weniger als 700.000 Adressen halten mehr als einen einzigen bitcoin. Das ist für etwas, das sich in den letzten 24 Monaten verzigfacht hat, eine überraschend niedrige Zahl. Diese erklärt wiederum, wie ein derartiger Bullenmarkt immer noch von den meisten entweder ignoriert, belächelt oder verteufelt wird. Je mehr man von der Aufwärtsbewegung verpasst, desto näher liegt man freilich am Ende der Aufwärtsbewegung, aber viele Trader werden sich die Frage stellen, wie sie es geschafft haben, die Bewegung gänzlich zu verpassen. So etwas kann dann in einer finalen Euphorie zur Kapitulation und verzweifelten Käufen nach dem Motto „ich muss jetzt doch dabei sein“ führen.

Viele der größten wallets gehören übrigens den „Börsen“-betreiben. Es wäre mal interessant zu ermitteln, wie viele bitcoins die Kunden dieser „Börsen“ in ihren „Depots“ halten und wie viele bitcoins die Börsen in ihren wallets haben. Eine gewisse Differenz würde uns nicht wundern. Das ist nur einer der Gründe, warum wir vor diesen „Börsen“ immer wieder warnen. Wer nichts von möglichen Risiken ahnt, dem sei die Suche nach MF Global oder Refco empfohlen, zwei Debakeln aus der herkömmlichen Anlagewelt mit ihren Kontrollen. Was dort möglich ist bei unregulierten Märkten natürlich ebenfalls möglich. Alternativ kann man jemanden befragen, der auf einer dieser Plattformen trotz steigender Notierungen die Hälfte oder mehr seiner Kohle verloren hat.

Im ersten Schritt wirken diese Plattformen für den unbedarften Nutzer zwar einfacher, da sie ähnlich aufgebaut sind wie klassische Handelsplattformen. Man kann viele verschiedene coins handeln und muss sich nicht mit komplizierteren Oberflächen beschäftigen. Kurz gesagt ist es bequem und für jeden in drei Minuten erlernbar. Langfristig Geld verdienen ist jedoch selten bequem, und jede Bequemlichkeit hat ihren Preis. In diesem Fall ist es die Sicherheit. Aber das sei nur nebenbei angemerkt, wir wollen mit den Warnungen niemanden langweilen.

Als wir Anfang des Jahres über bitcoin schrieben stand der Kurs bei 765$. Heute steht der Kurs bei 13.000$ und jeder hat noch zusätzlich aus Abspaltungen („forks“) pro bitcoin einen bitcoin cash (1469$) und einen bitcoin gold (293$) in seinem wallet. In Summe macht dies dann 14.762$ aus, womit die Entwicklung nahezu eine Verzwanzigfachung hinausläuft. Der VERI, das token von Veritaseum wurde als wir darüber schrieben für rund 10 Dollar feilgeboten. Heute steht er bei 150$. Immerhin auch eine Veränderung um das 15-fache. Zwischenzeitlich lag er auch bei 400$ und bei 50$. Der Cryptomarkt ist eben nichts für Kinder und Herzkranke.

Wer nun zu den besonders glücklichen oder besonders schlauen (jeder darf selbst wählen) gehört und die Welle schon eine Weile geritten ist, der hat vermutlich eine hübsche Summe beisammen. Wer sich im Zuge einer Strategie, das künftige Bedauern zu vermindern, nun dazu entscheidet, regelmäßig Teile seines Geldes aus diesem Markt zu ziehen, sollte das langfristig nicht bereuen. Aktuell ist die Entwicklung ohnehin so dynamisch, dass das Konto selbst dann wächst, wenn jede Woche 2% abfließen. Wir geben an dieser Stelle nie finanzielle Ratschläge, aber unsere langjährigen Leser wissen, für wie sinnvoll wir es halten, nicht nur auf die Erträge zu starren sondern vor allem die Risiken im Blick zu behalten. Das gilt für Aktien und High Yield Bonds genauso wie für Cryptos.

Da man nie wissen kann, wie weit die Reise noch geht, schlägt derjenige, der nicht alles sofort verkaufen will, so zwei Fliegen mit einer Klappe. Er realisiert einen Teil seiner Gewinne und hat das nötige Durchhaltevermögen mit dem Rest noch an Bord zu bleiben. Wer all-in ist wird emotional von einer größeren Korrektur – die ja auch das Ende der Veranstaltung einläuten kann – schwer gefordert werden. Diese Korrekturen kommen blitzartig und haben gerne ein Ausmaß von 25% bis 50%. Spaß macht das nicht. Man sollte übrigens nicht davon ausgehen, dass alle Betreiber, die heute Dienstleistungen anbieten, wie etwa den Transfer von Euros zu bitcoins, eine Krise überleben können. Dazu genügt eine kleine Rechnung. Angenommen,  Anleger zahlen 1 Mrd. Euro ein und kaufen für diesen Betrag bitcoins. Der Wert der bitcoins steigt dann auf 50 Mrd Euro. Nun wollen alle wieder raus und wollen für 50 Mrd. Euro bitcoins über den Anbieter zurückgeben. Klingt interessant, oder? No way, wie der Amerikaner sagen würde.

Ansonsten haben die Cryptos in den letzten Jahren zumindest preislich schon einen weiten Weg zurückgelegt. Man darf sich Gedanken um die eingepreisten Vorschusslorbeeren machen und überlegen, was gerechtfertigt erscheint und was nicht.

(Bankhaus Rott, September 2015) Eine Nutzung der auch dem Bitcoin zu Grunde liegenden Technologie dürfte auch für die Crypto-Währungen einen Akzeptanzschub bringen. Ob jeder einzelne diese Entwicklung begrüßt oder nicht, dürfte für die Ausbreitung keine große Rolle spielen

Bitcoin, Blockchain und Emerging Markets

Für die realisierten Gewinne, die ja für die meisten recht unverhofft gekommen sein dürften, findet sich sicherlich noch ein schönes Plätzchen in der Realwirtschaft. Wer sich etwa in einigen geprügelten Sektoren wie der Schifffahrt oder auch bei den Öl-Dienstleistern umschaut, der findet das eine oder andere sehr günstige Angebot. Wer kauft nicht gerne eine kleine Beteiligung an einem schuldenfreien Unternehmen mit positiven Cash Flows weit unter Buchwert? Ist das nicht eine gute Alternative über die kaum jemand spricht? Ach ja, manche Firmen zahlen sogar Dividenden. Mit Blockchain & Co haben die freilich nichts zu tun, aber man kann halt nicht alles haben.

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5 Kommentare auf "Wohin nur mit der bitcoin-Kohle?"

  1. cubus53 sagt:

    Die Volatilität des Bitcoins in diesem Ausmaß ist mir bisher nur im Zusammenhang mit Ramschaktien bekannt. In der Folge ist der Bitcoin auch nur Ramsch.

    Es gibt angeblich nur 21 Mio. Stück davon, und wenn ich einen hätte, würde ich im Augenblick auch nicht verkaufen. Also steigt das Ding, weil der Markt sehr eng ist. Genauso schnell geht es dann abwärts …

    Man muss sich nochmals auf der Zunge zergehen lassen, was ein Bitcoin eigentlich ist. Eines Tages kam einer auf die Idee, 21 Mio. Seriennummer in vernetzten Datenbanken zu verwalten und gleichzeitig zu behaupten, das sei ein Zahlungsmittel. Ist den Bitcoin-Besitzern klar, dass sie nur eine digital erzeugte Seriennummer in Händen halten? Ich würde in diesem Fall eher von einem Lotterielos sprechen.

    Warum kaufen Sie nicht heute noch den ausgefüllten Lotto-Tippzettel Ihres Nachbarn für 10000 Euro auf? Denn der könnte nach der Ziehung heute Abend mindestens 1 Mio. wert sein!

  2. Skyjumper sagt:

    Was habe ich doch für ein Glück. Ich liege irgendwo bei den 2.5 Mio Menschen die weniger als 10K$, aber mehr als 1.000 $ haben. Ich bin sogar noch viel glücklicher. Ich habe nämlich Donnerstag bei einem Kurs von bummelig 13.000,- € soviel Bruchteile verkauft gehabt dass mein Einsatz gesichert ist.
    Und wie glücklich schätzte ich mich erst als ich am späten Donnerstag zu einem Kurs von 14.488,- € den Rest verkaufte und folglich alle verbliebenen Bitcoinanteile auf die Reise zum Broker schickte. Imerhin sehr dicht dran am bisherigen Alltime High.

    Dumm war das Erwachen am Freitag morgen als ich fesstellte dass die sinnvolle Transaktionsgebühr so dermaßen in den Himmel geschossen war, dass ich besser nicht nur die von mir gezahlten 40,- $, sondern lieber 80,- $ als Gebühr hätte ausloben sollen. Es hatte nämlich niemand der Miner meine Transaktion in einen seiner kostbaren Blöcke packen wollen, also hing die Überweisung fest im Nirvana. Der Broker hatte das Geschäft zwischenzeitlich abgebrochen. Der Kurs war futsch. Übrigens ein Ablauf den ich in der Spitze mit 207.000 anderen Möchtegernüberweisern geteilt habe.

    Zwischenzeitlich sind die Bitcoin’s (am Sonntagvormittag) beim Broker gelandet. Hat ja dann nur 2 1/2 Tage gedauert. Doch der will sie ja gar nicht mehr. 40,- $ weg für nix, es sei denn ich entscheide mich (und der Broker macht mit) am Montag zum (aktuell) deutlich schlechteren Kurs das Geschäft zu wiederholen. Auch so kann es gehen mit den lieben Bitcoins.

    Den Gewinn hab ich übrigens bereits re“investiert“. Fernab von Blockchain und Co. In ein, hoffentlich, unterbewertetes Unternehmen der Möbelbranche. Ob das Ende nächster Woche überhaupt noch existiert weiß leider auch niemand so genau. Aber irgendwie muss der unverhoffte Bitcoin-Gewinn, der sich nun überraschend noch gar nicht auf meinem Konto eingefunden hat, ja wieder unters Volk gebracht werden.

    Und die Moral von der Geschicht: Der Bitcoin ist nicht nur hoch spekulativ, sondern auch die nicht (mehr) ausgegorene Technik stellt ein ziemliches Risiko dar. Und Moral Nr. 2: 40 bis 80,- $ Überweisungsgebühr im Bitcoinsystem (nicht die Brokergebühr) ist ganz schön happig für ein Zahlungsmittel mit dem man mal die Pizza bezahlen sollte/wollte. Bei einem Transaktionsvolumen von mehreren Tausend € akzeptiert man das ja noch zähneknirschend, aber wenn man nun nur 100,- od. 200,- € transferieren will/kann?

    • Bankhaus Rott sagt:

      Hallo skyjumper,

      danke für die Story! Sie können uns und vor allem den anderen Lesern gerne mitteilen, bei welcher Plattform sie unterwegs waren. Dass der Kurs futsch war kann eigentlich nur bedeuten, dass Sie bei einer der so genannten zentralisierten „Börsen“ sind. Vor denen kann nur gewarnt werden. Ansonsten bleibt der Kurs wie er war, es kann lediglich länger dauern. Als Zahlungsmittel ist das natürlich nicht ernsthaft anzusehen, aber darum geht es derzeit wohl auch den wenigsten. Die Transaktionskosten sind abhängig von der Nachfrage. An manchen Tagen zahlt man wenig, wenn alle gleichzeitig rein oder raus wollen zahlt man viel. So ganz wird man die Zwischenhändler nicht los 🙂

      Beste Grüße
      Bankhaus Rott

    • Skyjumper sagt:

      Guten Morgen Bankhaus Rott,

      nein, ich bin (mit meinem Wallet) nicht bei einer zentralisierten „Börse“. Ich habe auf dem heimischen Rechner einen Node laufen. Und weil ich auch meinem eigenen Rechner nicht recht traue habe ich den Betrag sogar auf einem Paperwallet gehabt. Das im Detail auszuführen würde jetzt zu weit führen, aber sicherer geht es nach meinem Verständnis der Materie nicht.

      Tatsächlich wäre in diesem spez. Fall mein Problem wohl gar nicht aufgetreten wenn ich meine Kryptotaler wirklich bei einer dieser Zentralbörsen gehalten gehabt hätte. So aber mussten die Coins ja erst einmal „physisch“ von mir zum Broker. Da ich das nicht pünktlich auf die Reihe gebracht habe, er also seinerseits nicht über die Bitcoins verfügen konnte, hat er das Geschäft abgebrochen. Finde ich auch (abgesehen davon dass es mir vorab bekannt war) absolut nachvollziehbar und weder moralisch noch betriebswirtschaftlich zu beanstanden.

      Hinsichtlich der varierenden Höhe der Transaktionsgebühren haben Sie selbstverständlich Recht. Ich wollte damit auch lediglich auf 2 Punkte hinweisen:
      a) kaum noch einer der Vorteile mit denen der Bitcoin mal ins Feld gezogen ist, ist wirklich noch Realität. Er ist nicht wertstabil, er ist keine geeignete Recheneinheit, er ist kein preiswertes Zahlungsmittel, und er ist nicht (immer) uneingeschränkt übertragbar.
      b) es ist ein schwerwiegender Systemfehler des Bitcoins (nicht aller Kryptowährungen) dass das System nicht leistungsfähig genug ist. Alle etwa 10 Minuten wird ein neuer Block gemined. Je Block sind max. Transaktionen von 1 MB unterbringbar. Bei durchschnittl. 333 B je Transaktion also nur 3.000 Transaktionen je Block, und das alle 10 Minuten. 300 je Minute, 5 je Sekunde. Tatsächlich liegen in den meisten Blöcken sogar nur um 2.500 Transaktionen drin. Ein solches System KANN bei steigender Verbreitung nicht mehr funktionieren. Mathematisch ausgeschlossen. Nicht zuletzt aus diesem Grund gibt es ja soviele Altcoins die auf unterschiedlichste Weise versuchen ein besserer „Bitcoin“ zu sein.

      • Bankhaus Rott sagt:

        Hallo skyjumper,

        danke für die Ausführungen, der das umschreibt, was immer so schön als „network congestion“ im Statusupdate zu lesen ist. In der Tat darf man sich darüber wundern, warum ausgerechnet nicht sonderlich skalierbare Versionen wie der bitcoin als digitales Zahlungsmittel progpagiert werden, als das sie aus den auch von Ihnen genannten Ursachen nicht taugen. Es gibt sicherlich einige Alternativen, die deutlich skalierbarer sind, aber auch die werden in den aktuellen Versionen ebenso wenig Visa ersetzen. Ein verteiltes System ist eben auch tausende Male (oder eher mehr) langsamer als eine effiziente Datenbank. In Phasen wie der aktuellen interessiert dies niemanden, so wie es wenige zur Jahrtausendwende interessierte, dass man clicks nicht essen kann.

        Interessant ist jedoch, wenn man einmal überlegt, wie weit sich diese Illiquidität bereits seit Jahren in das konventionelle System frisst. Große Teile des Anleihemarktes sind nicht mehr liquide, Small Cap Aktien sind in wirklich nennenswertem Umfang nicht mehr seriös und kostengünstig handelbar und mehr als 50% der US High Yield Bonds wurden in den letzten 6 Wochen vermutlich nicht einmal gehandelt. Wenn einmal, ob dies bei bitcoins oder bei konventionellen Märkten, jemand auf die Idee kommt, eine nennenswerte Position schnell aufzulösen, wird es systemweit das geben, was heute die Freunde des Digitalen mit ihren „network congestions“ ärgert. Das Ausmaß wird jedoch etwas größer sein, aber den bitcoin also Schuldigen oder Auslöser näme man vermutlich dankbar an.

        Ihnen einen schönen Abend und beim nächsten Mal ein paar weniger unverdaute Transaktionen!

        Beste Grüße
        Bankhaus Rott

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