Wohin mit dem Geld? (1)

16. Mai 2017 | Kategorie: RottMeyer

von Bill Bonner

Ja, liebe Leser, vor kurzem haben wir etwas Geld verdient. Es floss uns ein wenig Dividende von einem holzverarbeitenden Betrieb in Nicaragua zu. Der Laden wurde mit einer bescheidenen Investition und bescheidenen Ambitionen aufgebaut. Die Zahl der Menschen, die Häuser an der Küste bauen bzw. bauen wollten, hat sich in den letzten Jahren erhöht. Kein Wunder also, dass es mit dem Betrieb bergauf geht.

Jetzt verdienen wir also Geld mit der Firma.

Die Frage, die sich nun für uns stellt, ist folgende:

Wohin mit dem Geld?

Aktien?
Anleihen?
Cash?
Gold?
Grundeigentum?

Also, wir nehmen unsere Antwort an der Stelle ja schon vorweg. Ja, liebe Leser, nach langem Überlegen haben wir uns entschlossen, ein bisschen Waldland in Virginia zu kaufen. Aber, lassen schauen wir uns gemeinsam an, was für Auswahlmöglichkeiten wir haben und was es insofern zu sagen zu gibt.

Wir halten etwa ein Drittel unseres liquiden Vermögens in Aktien. Ein Teil davon ist in den langfristigen, konservativen Empfehlungen, die Chris Mayer in seinem Bonner Private Portfolio vorschlägt, investiert. Es ist noch zu früh, um hier zu abschließenden Bewertungen zu kommen. Chris startete mit seinem Dienst für uns ja erst Ende April 2016. Aber unter dem Strich liegen wir hier schon stolze neun Prozent vorn.

ETF-Investments

Wir haben ein weiteres kleines Portfolio an länderspezifischen Börsen-ETFs (Exchange Traded Funds). Die Idee ist einfach. Einzelne Unternehmen gehen pleite, ein ganzer Index eines Landes nur selten. Also, wenn ein ganzer Aktienmarkt niedergeschlagen ist und gehasst wird, gibt es guten Grund zur Annahme, dass er sich eines Tages wieder fangen und erholen wird.

Die Idee leitet sich aus der „Dogs of the World“-Strategie des Fondsmanager Michael B. O’Higgins ab. Wir kaufen die billigsten Märkte der Welt … und warten einfach ab. Ohne jegliche detaillierte Aktienanalyse. Ohne große Raterei. Ohne große Kosten und hohe Gebühren. Keine ausführliche Lektüre von speziellen Zeitungen. Ohne die ständige Frage, was wohl als nächstes passieren wird.

Sie wollen die aktuelle Liste dieser Länder wissen?

Türkei, Malaysia, Mexico, Dänemark und Großbritannien.

Dieser Ansatz ist nicht für alle Investoren geeignet.

Schlechte Aussichten für Aktien

Weil nicht jeder so lang Zeit hat, auf die Erholung geduldig zu warten. Und kurzfristig könnte alles passieren. Schreckliche Märkte – wie Griechenland – können noch schrecklicher werden. Und das große Makro-Bild für Aktien ist schlecht. Und zwar weltweit. Die Aktienmärkte werden weltweit bepreist und bewertet für eine Welt, die dauerhaft und für immer Null-Zinsen hat. Aber eine solche Welt gibt es nicht für immer.

Also, auch mit Blick auf unsere anderen Vorlieben würden wir derzeit lieber nicht noch mehr Geld in Aktien investieren. Wie sieht es nun mit Investments am Rentenmarkt aus? Vergessen Sie es.

Unserer Einschätzung zufolge erreichte der 37-jährige Bullenmarkt in Anleihen im vergangenen Juli seinen Höhepunkt. Hochwertige, sprich AAA-Anleihen könnten in der nächsten Krise wieder in werden. Aber am Ende werden sie dann schließlich durch Inflation und höhere Zinsen ermordet. Sie werden Nerven aus Stahl brauchen, um bei diesem wilden Ritt mitzumachen.

Qualitativ minderwertige Anleihen werden schnell abverkauft werden, wenn die nächste Kreditkrise beginnt. Es ist unmöglich zu sagen, wann bzw. wie das passieren wird. Aber uns ist das Risiko hier eindeutig zu groß.

Wie sieht es nun mit schlichtem Cash-Investments aus?

Wir haben bereits etwa ein Drittel unseres Geldes in bar, die Hälfte in US-Dollar und die Hälfte in Schweizer Franken.

Der Schweizer Franken ist schmerzhaft. Die Banken berechnen uns einen negativen Zinssatz. Wir wollen das Geld in etwas anderes umverlagern. Naja, wir sind einfach noch nicht dazu gekommen

Wie sieht es mit reinen Dollar-Investments aus?

Das Problem dabei ist, dass die wahre Verbraucherpreisinflation wahrscheinlich doppelt so hoch wie die offiziell aussgewiesene ist. Und es sieht so aus, als könnte es noch schlimmer werden.

Die jüngsten Zahlen von MIT – die täglich 15 Millionen Online-Preise sammeln – zeigen auf, dass die Preise aktuell so um die 3,6% pro Jahr steigen. Das ist fast doppelt so noch wie die offizielle Fake-News-Rate. Sehr gut möglich also, dass wir 2% oder 3% pro Jahr REAL mit unseren Dollar-Investments verlieren werden.

Aber wir haben nichts dagegen, einige Dollars zu halten. Sie sind eine Form der Versicherung. Wenn wir mit Blick auf die kommende Krise richtig liegen, werden diese Dollars das beste „Investment“ sein, das wir haben.

Aber je länger es dauert, bis die Krise kommt, desto mehr kostet die Versicherung. Und auch Voltaire erinnert uns immer wieder daran: das Papiergeld kehrt immer zu seinem intrinsischen Wert, nämlich NULL, zurück.

In der morgigen Ausgabe erklären wir Ihnen u.a. dann, was wir aktuell von Gold bzw. Bitcoins halten…
Quelle: Kapitalschutz-Akte
Weitere Informationen: Investor Verlag

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9 Kommentare auf "Wohin mit dem Geld? (1)"

  1. p.koslowski sagt:

    Warum hält er soviel Dollar wenn er seinen Wert gegen Null fallen sieht? Wird es später nicht schwierig, soviel Bargeld in andere Werte zu tauschen? Kann mir das mal einer erklären?

  2. Marktbegleiter sagt:

    10 Jahre warte ich nun geduldig auf die Kernschmelze bis ich etwas für mich verstanden habe…

    Variante A – die schnelle Kernschmelze. Sie wird nur im äußersten Notfall kommen! Bzw. zugelassen werden. Warum? Weil die eigentlichen Geldmagier diese gar nicht wollen, denn sie würde mit der größten Unsicherheit, sprich einem Kontrollverlust, für exakt diese Kaste einhergehen.

    Variante B – die langsame Umprogrammierung in ein Diktat mit den Stichworten:

    – die bargeldlose Gesellschaft = volle Kontrolle für die Maximalprofiteure und Hintertanen. Wie gehabt.
    – Divide et impera – muss erhalten bleiben.
    – keine Flucht in Assets für niemanden. Stiftungen mal außen vor.

    Lösung: Jeden Tag erhältst du 86.400 Sekunden Leben auf Dein Konto gebucht. Nicht verhandelbar. Nicht umtauschbar. Nicht zum Sparen. Take it, you can’t leave it. Kein Anrecht auf einen neuen Buchungstag. Eine andere Macht bestimmt das. Somit – ist mir mittlerweile vollkommen egal, was die Assets machen, bei dem was kommen wird oder eben auch nicht. Leben im jetzt im Einklang mit seiner Familie und sich selbst. Punkt. Leben und verschenken. Punkt. Niemand wird das Kommende ohne Schaden in der Materie überstehen. Dafür wird gesorgt seitens der Systemmacher. Ganz im Notfall mit der ultimativen Lösung für diese Herren – Krieg.

    Man spielt seit 10 Jahren die Variante B und morgen sind es wieder 86.400 Sekunden für jeden von uns.

    • Ed sagt:

      Ich kann nur beipflichten ! Mein Informationsbedürfnis rund um das Thema Finanzen, Politik und Gesellschaft tendiert inzwischen gegen 0. Ich schnappe noch einige Happen die sich nicht vermeiden lassen auf, lese einige Beiträge wie diesen hier, aber im Großen und Ganzen belästigen mich diese Banalitäten des Alltags nicht mehr. Griechenland zeigt was möglich ist, es zeigt wie sich ganze Gesellschaften an die Kandarre nehmen lassen und wenn ich heute von Dingen lese wie „Neben Polizei und Geheimdiensten sollen auch Steuer- und Zollfahnder sowie Ordnungsbehörden Lichtbilder aus Personalausweis und Pass bei den Meldeämtern online abrufen dürfen“, EZB-Politik, EU-Verträge die nichts mehr wert sind – oder das HateSpeech-Gesetz das Heiko am Freitag abend schnell, ohne Vorlage des Gesetzestextes, durchpeitschen möchte….auch wenn ich den alten Kohl nicht gerne zitiere, aber seit Satz “ Die Karawane zieht weiter “ ist aktueller denn je….oder sympathischer Rafael Chirbes kurz vor seinem Tod: “ Die alten Götter sind tot, die neuen wurden noch nicht geboren. Und ich, der ich dazwischen bin, will von all dem nichts mehr wissen. Rafael Chirbes hat eine guten Roman über die spanische Immobilienkrise geschrieben (Krematorium) und war so frustiert wie es eigentlich jeder normal denkende Mensch heute sein müßte.

      • dork sagt:

        @ed: Mir geht es auch so. Interesse an Finanzthemen und Geldsystem ist quasi abgeebbt, weil man halt auch nach 10 Jahren mit der Thematik irgendwann nicht mehr viel neues herausfindet.
        Da sich mir aber daher die Frage stellt, warum geht es so weiter (Schrecken ohne Ende statt Ende mit Schrecken) beschäftige ich mit seitdem mit Dinge wie Massenpsychologie (Le Bon – Die Psychologie der Massen) … da wird der aktuelle Politikstil bestens erklärt … ebenso wird ersichtlich, warum die Masse so agiert, wie sie agiert (wenn sie des Argumentierens entwöhnt wurde) und wie das ggf. enden wird. Solange das Volk nicht aufsteht, wird nichts, absolut nichts passieren. Und hier scheint die Schmerzgrenze noch nicht erreicht, oder der Gesinnungsterror schon zu groß. Wie heißt es so schön? Die beste Waffe der Faschisten, ist die Toleranz der Pazifisten.
        Oder frei nach Nietzsche: Toleranz ist die Feigheit, seine Werte zu verteidigen.
        Als Themenfelder bieten sich noch an Geschichte generell und diverse Religionen; insbesondere eine Bestimmte (ja, ich meine den Islam). Und ja, das Leben ist hier und jetzt, mit der Familie. Traumatisierte und entwurzelte gibt es auf diesem Planeten genug, daher ist ein gesundes Familienumfeld vor allem für unsere Kinder wichtig, damit sie kritisch und selbstbewusst werden.
        Denn eines werde ich dem System NICHT hinterlassen: ein unmündiges Kind … älläbätsch!

    • Avantgarde sagt:

      Seien wir mal froh, daß es keine Kernschmelze gab und gibt.
      Denn dann würden Staaten und Regierungsformen kippen.
      Und anzunehmen, daß das „danach“ besser wird ist lediglich Spekulation – es könnte durchaus auch bedeutend schlimmer werden.
      Ein Szenario wie in den 30ern halte ich dann für nicht übertrieben.

      Selbst wenn es das berühmte
      Kick the can down the road
      sein sollte. Alles besser als eine Kernschmelze.

      • Insasse sagt:

        Hallo Avantgarde,

        ohne Ihnen zu nahe treten, oder Sie gar beleidigen zu wollen: Ist Ihre Einstellung nicht ein wenig hasenfüßig?

        Wenn ich mir die faktischen Verhältnisse so anschaue (ein Beispiel unter vielen: https://www.tichyseinblick.de/kolumnen/josef-kraus-lernen-und-bildung/tausende-schulgebaeude-verrotten/), aber auch die politischen, z.B. Mass(i) und die neue, alte Stasi, fühle ich mich in alte DDR-Zeiten zurückversetzt. Da war mir die Kernschmelze (= das Ende mit Schrecken) doch wesentlich lieber, als das Weiter so (= der Schrecken ohne Ende).

        Sicher wird der Neuanfang nicht lustig, zumal es dieses Mal keinen „übernehmenden“ Staat geben wird, der für finanzielle Sicherheit steht. Aus meiner Sicht rechtfertigt aber auch das kein Weiter so.

        Ist wirklich Alles (!) besser als die Kernschmelze?

        Gruß vom Insassen

        • Avantgarde sagt:

          Ich bin in der Tat schon etwas länger keine 30 mehr – aber das nur am Rande.

          Die Sache ist doch: es geht nicht nur um ein paar Wettscheine an den Börsen sondern tatsächlich um die sogenannte Realwirtschaft.
          Das bedeutet Renten, Jobs, Ausbildung und Sozialstaat – Alles stand auf der Kippe.
          Der Aktienmarkt stand infaltionsbereinigt auf dem Niveau der 60er, die ausfallenden Staatsanleihen hätten die Versicherungen und Banken gekippt und somit die Altersversorgung von vielen zerstört – und das ja nicht nur in D sondern in der gesamten westlichen Welt.
          Und kippen die Banken dann ist das Guthaben der Bürger auch weg – Garantien hin oder her.
          Nur mal so als Beispiel was merkwürdiger Weise kaum jemand aufregt ist, daß Einlagensicherungsfond der ja angeblich für 100000 oder mehr pro Kunde haftet sein bisher zur Verfügung stehendes Volumen geheim hält – ich behaupte aus gutem Grund denn:
          Das Einlagensicherungsgesetz schreibt den Instituten vor, bis zum Jahr 2024 ein Vermögen von 0,8 Prozent der gedeckten Einlagen anzusparen. Pro 100.000 Euro Kontoguthaben sind das also 800 Euro. Kann man hier nachlesen
          https://www.bundesbank.de/Redaktion/DE/Downloads/Veroeffentlichungen/Monatsberichtsaufsaetze/2015/2015_12_einlagensicherung.pdf?__blob=publicationFile
          (Und das erst als Verbesserung NACH der Krise) – Die haben noch nix…
          Unsere Exportindustrie hätte 2008/2009 beinahe zusperren können – die Aufträge sind reihenweise weggebrochen.
          Eine sprunghaft steigende Arbeitslosenrate hätte dann auch noch den Umlagesystemen von der Rente bis zu Krankenversicherung schwer zu schaffen gemacht.

          Letztlich haben uns allen tatsächlich die Notenbanken weltweit mit ihren Billionen erst mal den ARXXX gerettet.

          Welche politischen Extreme durch eine Kernschmelze oben gespült werden könnten wissen wir doch gar nicht.
          Wer sagt denn, daß das „danach“ von unserem Niveau aus betrachtet besser ist?
          Könnte doch auch bedeutend schlechter werden. Wir könnten doch auch auf ein Niveau von Brasilien zurückfallen – oder die Hemden für China nähen….

          Ja – da bin ich hasenfüßig.
          Wir wären nicht die erste Gesellschaft in der Geschichte die von ganz oben sehr schnell nach unten fällt.

      • Skyjumper sagt:

        Hallo @Insasse
        nun kenne ich zwar das Alter von @Avantgarde nicht, aber ich kenne meine eigenen Überlegungen hinsichtlich der Fragestellung. Und: Ich bin bekennender Egoist.
        Als solcher sage ich Ihnen sehr unverblümt, dass es auf das Alter des Betrachters ankommt. Wäre ich 30 würde ich vehement für die Lösung „Ende mit Schrecken“ plädieren. Aber ich bin keine 30 mehr.

        Je älter man gerade ist, um so unwahrscheinlicher ist es dass man noch die Leistungsfähigkeit hat sich nach der „Kernschmelze“ wieder eine eigene Versorgung aufzubauen. Und mit verdampften Rentenansprüchen, verdampften Versicherungsansprüchen und in welcher Form auch immer eingeschmolzenen Vermögen ist es schwer noch irgendwie zu leben wenn man altersbedingt nicht mehr so belastbar ist. Von daher verfahre ich sehr deutlich nach dem St. Florians Prinzip. „Lass den Karren noch solange irgendwie rollen, bis ich den Abgang gemacht habe“.

        Im übrigen ist das Prinzip uralt: Revolutionen und Aufstände machen die, die noch nichts, oder nichts mehr zu verlieren haben. Wer Besitzstände hat, ist zu allen Zeiten daran interessiert gewesen den Status Quo zu erhalten.

        Deswegen ist auch die AFD (und ähnliche Gruppen/Parteien) zum Scheitern verurteilt. Veränderungen werden von der Jugend inszeniert, oder gar nicht. Und die Jugend pennt den rosa-verträumten Schlaf von Multikulti und alles ist so schön. Von daher wird sie die Fallhöhe wohl noch ein wenig ausweiten bevor es knallt.

        Und am Rande bemerkt: „Kernschmelze“ klingt ziemlich euphemistisch. Im Gegensatz zu 1990 gäbe es diesmal keine BRD die mit Geld das Schlimmste abfedert. Die westliche Welt ist heute dermaßen im Gleichschritt, dass ich davon ausgehe das es überall gleichzeitig knallt. Dann hilft keiner mehr. Die „Flucht“ nach vorne wäre vielleicht ein vom Zaun gebrochener Krieg größeren Maßstabs (historisch gesehen die obligate Vorgehensweise). Was ist besser? Ein verrottendes Schulgebäude? Oder ein weggebombtes mit den Schülern unter den Trümmern? Und wenn die Verzweifelung groß genug ist, würde ich auch einen Einsatz von Nuklearwaffen nicht ausschließen. Ja! Es dürfte wahrscheinlich wirklich wenig geben was schlimmer ist als die Kernschmelze.

        Grüsse in die Anstalt 🙂
        Skyjumper

        • Insasse sagt:

          Hallo skyjumper,

          ich kann dem Motto „Nach mir die Sintflut“ nicht so viel abgewinnen, da ich eine Tochter habe, die erst 15 ist. Ein gewisses Verständnis habe ich trotzdem dafür. Da Sie damit auf jeden Fall auf der Seite der (absoluten) Mehrheit stehen, wünsche ich auf Ihre „letzten Tage“ schonmal viel Spaß in der EUdSSR-Diktatur! 😉

          Viele Grüße vom Insassen

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