Wohin geht die Reise für die „entwickelte“ Welt?

21. Oktober 2011 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

von Bill Bonner

Habe ich Ihnen schon gesagt, was ich denke, wohin die Reise für die USA und die anderen entwickelten Volkswirtschaften geht? Nein? Nun, die Dinge werden nicht notwendigerweise so schlimm werden. Mit ein paar Worten: Die Lust auf MEHR wird eine Lust auf BESSER werden…

Ja, das Zeitalter des leichten Wachstums ist vorüber. Man wird wahrscheinlich kaum noch Geld verdienen durch den Kauf von Aktien. Und in den USA werden die Immobilienpreise wohl sehr lange nicht mehr das Niveau der Jahre 2005-2006 erreichen. Und oh ja…vielleicht werden Sie auch keinen neuen Job finden.

Aber das sind die guten Nachrichten. Auf die schlechten werde ich an einem anderen Tag zurückkommen. Heute werde ich mich auf diese guten Nachrichten konzentrieren. Die Leute in den entwickelten Volkswirtschaften werden aufhören, sich so viele Gedanken über das Bruttoinlandsprodukt zu machen. Stattdessen werden sie über dessen Qualität nachdenken.

Statt über den eigenen Lebensstandard nachzudenken – gemessen in Dollar oder Pfund oder Euro – werden wir damit anfangen, uns mehr über die Qualität unserer Leben Sorgen zu machen. Die Menschen werden damit aufhören, immer mehr als ihr Nachbar anhäufen zu wollen – stattdessen werden sie bessere Dinge wollen.

Es ist wahrscheinlich korrekt zu behaupten, dass zumindest die US-Wirtschaft niemals aus der Rezession der Jahre 2007/2008 herausgekommen ist. Egal, aus welcher Richtung man die sich anschaut – sie beginnt an das Japan der 1990er und der 00er zu erinnern. An, aus, Rezession, ein bisschen Wachstum….mit Nullzinspolitik….niedrigen Renditen…und einer Regierung, die riesige Haushaltsdefizite hat, um die Wirtschaft davon abzuhalten, komplett zu sterben.

Ja, liebe Leser, die Welt ist heute ärmer als sie es im Juni war. Damals dachten die Leute noch, dass das Bernanke-Team eine „Erholung“ produzieren würde. Jetzt wissen wir, dass die Hoffnungen auf eine wirtschaftliche Erholung nur Fantasien waren. Dies ist keine Volkswirtschaft, die sich erholen kann. Sie muss sterben. Dann wird eine neue Volkswirtschaft deren Platz einnehmen.

Wie wird diese neue Wirtschaft aussehen? Dazu ein Artikel der „Wharton School“, der hilft, zu verstehen:

Sandy ging fünf Tage die Woche Mittagessen, sie hatte Premium-Kabelfernsehen und trank regelmäßig bei Starbucks Kaffee für 4 Dollar. Dann kam die Rezession, und ihre Boutique, die sie gerade eröffnet hatte, litt schwer. Dann begann sie ihren Blog YesIamCheap.com, im Januar 2009. Zu dem Zeitpunkt war ihr Unternehmen gescheitert und sie hatte 105.665,31 Dollar Schulden. Heute schuldet die 33jährige New Yorkerin immer noch 85.605,73 Dollar, aber sie will von den Schulden weiter herunterkommen und berichtet darüber in ihrem Blog.

Sie packt sich das Mittagessen zu Hause ein, Video-Abende werden nur noch mit 1-Dollar-Filmen von Redbox veranstaltet, und Kaffee trinkt sie nur noch bei Dunkin Donuts – nur gelegentlich gönnt sie sich bei Starbucks einen pumpkin spice latte. „Das sind alles kleine Veränderungen, die sich im Zeitablauf auswirken“, bemerkt Sandy, die ihren Nachnamen nicht nennen will, während sie ihre Finanzlage detailliert veröffentlicht.

Sie sagt, dass sie nicht vorhat, ihre neuen Konsumgewohnheiten zu ändern, wenn sich die Wirtschaftslage wieder verbessert, weil sie das günstige Leben nun lieb gewonnen hat (…)

Nach mehr als drei Jahren Gürtel enger schnallen verliert das Wort „billig“ sein Stigma. Die Experten von Wharton und sonstwo sagen, dass die Rezession die Prioritäten der Konsumenten geändert hat. Einige sagen, dass die Konsumenten wieder fleißig konsumieren werden, wenn die guten Zeiten zurückkehren – doch andere sagen, dass die Amerikaner nun grundsätzlich sparsamer geworden sind. Es sei unwahrscheinlich, dass sie in der nahen Zukunft wieder fleißig Geld ausgeben würden.

Viele Leute besinnen sich auch auf grundlegende Werte, so wird in den USA von vielen überlegt, was im Leben wirklich wichtig ist. Teure Produkte gehören nicht unbedingt dazu. Professor Cassie Mogilner von Wharton untersucht den Zusammenhang zwischen Zeit, Geld und Glücklichkeit, und er hat herausgefunden, dass Zeit eine „persönlich wichtigere Ressource“ ist als Geld (für die meisten Menschen).

Meine Interpretation dieser Fakten…

„Mehr“ ist tot. Lange lebe das „qualitativ besser“!  (Seite 2)


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4 Kommentare auf "Wohin geht die Reise für die „entwickelte“ Welt?"

  1. Tintin sagt:

    Ziemlich richtig!

    Ob allerdings – nach dem wohl zwangsläufigen Reset – bei allzuvielen Menschen das Geld dafür da sein wird, um statt „mehr“ dann eben „besser“ einzukaufen, wage ich doch stark zu bezweifeln.

    Nichtsdestotrotz wird sich unser Denken und werden sich unsere (materiellen) Wünsche und Ziele anpassen müssen… glücklicherweise zu unserem Vorteil, wenngleich wir das so momentan noch nicht sehen können!

    Sehr empfehlenswert dazu folgendes Buch zur Philosophie des Genughabens:

    John Naish „Genug: Wie Sie der Welt des Überflusses entkommen“

    Nebenbei: Tolle Seite mit wichtigen und richtigen Texten bei Autoren und Lesern!!!

    Tintin

  2. konnt_ja_keiner_ahnen sagt:

    Wuups! Das ist aus meiner Sicht aber eine Musik, die in sehr, sehr ferner Zukunft spielt. Für die heute auf der Welt lebenden Menschen halte ich das für komplett ausgeschlossen.
    Selbst wenn ein guter Teil anfängt so zu denken, was jedoch einen sehr hoch ausgebildeten EQ voraussetzen würde (glaubt da ganz ernsthaft jemand dran, dass die Mehrheit (oder besser:) Masse den hat?), würden sich doch genug finden, die gierig auf ihren (kurzfristigen) Vorteil bedacht eine solche Gesellschaftsordnung ebenfalls sofort wieder ausnutzen würden. Oder in anderen Worten: Ein paar Gutmütige würden die Bauklötzchen der solidarischen Gesellschaft mühsam und geduldig aufeinander stapeln und ein paar Kotzbrocken würden mit dem Fuß dagegen treten.

    Edit: Ach herrje, ich vergaß die Gutmütiginnen und Kotzbrockinnen!

  3. wolfswurt sagt:

    Zunächst die Antwort auf die Frage: Weiter abwärts!

    Gut sind die Anführungszeichen die das Wort – entwickelt – kleiden.

    Die „westliche Kultur“ oder noch verwirrter „westliche Wertegemeinschaft“ ist dermaßen verfault, daß eine anderere Richtung, hier nach oben, für die nächsten 1000 Jahre ausgeschlossen werden kann.

    Europa, und im Gefolge die USA, bestimmen seit 500 Jahren das Weltgeschehen und beanspruchen dies bis heute.
    Zu Zeiten der Kolonialverhältnisse der europäischen Staaten sind in den besetzten Ländern Verwaltungen, Einrichtungen und Straßen gebaut worden. Dies war Ausdruck von Stärke der „Imperien“ wie zu den Zeiten des römischen Imperiums.

    Und heute?

    Heute beansprucht das „westliche Imperium“ die Führungsrolle in der Welt und ist nur noch zur Zerstörung fähig: Irak, Afghanistan, Lybien, Pakistan, ehemals Jugoslawien, Somalia usw.

    Dies ist keine innere Stärke dies zeitigt inneren und äußeren Verfall.

    Der Niedergang oder Verfall von Imperien wird nicht durch äußere Einwirkungen herbeigeführt sondern durch den Verfall der Sitten in den Zentren eines Imperiums wie in NY, Berlin, London, Rom und Paris zu sehen ist.

    Die Frage nach dem Geldsystem erübrigt sich, weil dieses mit verfault.

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