Wochenkommentar: Geld, Gold und eine alte Frau

10. Januar 2009 | Kategorie: Kommentare

Uff! War das kalt in dieser Woche. Frostig die Stimmung mit den Russen, frostig die Stimmung an den Börsen. Die erste volle Börsenwoche war ein Schlag ins Wasser und zugleich ein Quell der Heiterkeit, denn wichtige Leute sagten wichtige Dinge. Nicht nur die Götter schlugen sich auf die Schenkel. Ich gebe zu, ich fand es auch heiter. Dinge wurden verbal abgebrannt, so dass Rauch aus den Schornsteinen zog und die Sinne vernebelte..

Erinnern Sie sich an Montag? Da war es schon wieder – das Licht am Ende des Tunnels. Das Handelsblatt schrieb von leichten rosa Wolken am Horizont des Konjunkturhimmels. Die Börsen stiegen, der DAX schnellte auf über 5.000 Punkte empor. Dann begann es schon wieder zu regnen. Der US-Arbeitsmarktbericht besagte, dass Oktober und November doch „überraschend“ schlechter ausgefallen sind als gemeldet, und im Dezember 523.000 Stellen abgebaut worden sind. Das sind die schlechtesten Zahlen seit 1945. Doch bald kommt Obama, in dessen Händen unser aller Zukunft liegen soll. Am 20.1. ist er da , mit einem Haufen Geld im Gepäck, neuen Schulden, die dafür sorgen, dass Schulen einen neuen Anstrich bekommen, die Regierungsgebäude ökologischer arbeiten und die Mittelschicht weniger Steuern zahlen muss. Der arme Mann. Was soll er anderes tun, als die Fehler der Vergangenheit und seiner Vorgänger zu wiederholen?

Die Fakten und Wünsche
Die Auftragseingänge für die deutsche Industrie brachen ein, und auch die Exporte. Nicht anders ging es der Commerzbank, die im Börsenjargon auch gerne mal Kopfschmerzbank genannt wird. Sie taumelte bei 4,50 EUR auf einem Allzeittief. Diesmal half kein Aspirin. Der Staat war gefragt. Und der stieg ein, mit 25 Prozent und einer Aktie. Das Bundesfinanzministerium beharrte darauf, dass es sich n i c h t um eine Verstaatlichung handelt, sondern um ein Wahrnehmen von Verantwortung. Und Herr Glos trat gleich noch nach, indem er meinte, das Investment hätte Aussicht auf Gewinne. Ach der gute Herr Glos…

Die Heiterkeit kannte vielleicht in München bei der Allianz keine Grenzen. Vielleicht ist dort die eine oder andere Sektflasche hochgegangen. Man hat die Dreba los. Jippie! Vielleicht kann man den Erlös in Commerzbank-Aktien irgendwann im schlimmsten Fall der Fälle abschreiben, und die übernommenen CDOs gleich mit. Um die echten Probleme der Dreba kümmert sich jetzt jemand anderes. Wir alle. Die Allianz hat seit ihrer Gründung 1890 ganz andere Zeiten erlebt. Die Übernahme der Dresdner Bank im Jahre 2001 wird als Irrtum bei Wikipedia beschrieben werden.

Deutschland sollte irgendwann in ein Land von Aktionären umgekrempelt werden. Da jetzt jeder Bundesbürger rechnerisch 3,6 Anteile an der Commerzbank hält, sind wir ein Land der Aktionäre geworden, bloß über einen klitzekleinen und medial heftig diskutierten Umweg. Plopp!

Vorhang auf für die „Bad Bank?“
Die „Bad Bank“ ist Thema an der Börse, eine Art Müllaufnahmebecken, unterhalten und ausgelöffelt vom Steuerzahler. Die am lautesten schreien, wird an der Börse größtes Interesse nachgesagt. Es würde die Banken entlasten, Boni sichern und das Prinzip der Privatisierung von Gewinnen und Sozialisierung von Verlusten eine weitere Runde drehen lassen. Vielleicht bringt es auch noch den Kreditkreislauf wieder in Schwung, doch wer bekommt schon Kredite, wenn ihm die nötige Bonität fehlt? Vielleicht haben zukünftige Kreditnehmer keinen Arbeitsplatz, verlieren diesen, scheitern an nicht vorhandenen Sicherheiten oder haben diese verkonsumiert. Vielleicht haben diejenigen die Geld haben dieses in Tagesanleihen des Bundes investiert, nur für den Fall, dass eine im Tunnel umherirrende E-Lok andere Banken noch plattfährt?

Apropos Tagesanleihe. Ich bekam Post – Post von der Bundesfinanzagentur. Darin wird mir eine Rechnung aufgemacht. Ich bekomme nämlich Zinsen dafür, dass ich dem Bund Geld geliehen habe. Prima! Und ein Tag zum Feiern. Doch genauer gelesen, zieht mir der Bund gleich wieder Geld von den Zinsen als Steuer ab. Zumindest weiß ich jetzt, was er damit macht.

…und was war mit Gold?
Die Feinunze Gold hat in dieser Woche wieder verloren. Als der Dollar noch so gut wie Gold war, kostete einer noch 1/20, später dann 1/35 Unze. Zum Jahresbeginn 2009 lag der Dollar bei mickrigen 1/880-tel. Der Dollar ist im Preis zu Gold gesunken wie eine Schiff nach der Begegnung mit einem Eisberg. Ein echter Wertspeicher ist er kaum, wenn man mal vom Brennwert in dieser kalten Jahreszeit absieht. Ein Euro ist inzwischen bei 1/630 Unze angekommen. Der Dollar brennt besser. Was wird wohl passieren, wenn Obama kommt, mit dem vielen Geld in den Taschen? Wird der Dollar steigen? Oder Gold? Wenn ich den Berg Papier mit dem Häuflein Gold vergleiche, glaube ich sicher, wer das Rennen gewinnen wird. Aber was ist schon Glaube?

Was kümmern uns alte Frauen?
Das erste, was ich frühmorgens nach dem Wachwerden mache, ist der Griff an die Gasheizung. Ist sie noch warum? „Wenn wir eine Gasheizung bekommen, dann bleibt der Kachelofen trotzdem stehen“, sagte vor etlichen Jahren meine Oma. „Man weiß ja nie!“ Das sagte meine 83-jährige Großmutter öfters und sie wusste warum. Die Schwierigkeiten eines Lebens hat sie alle erfahren. Wenn jetzt alles besser werden sollte, was gibt mir die Gewissheit, dass es keine Täuschung ist? Eine Wette auf den Zufall?

Die neue Gasheizung kam. Der Kachelofen blieb. Oma ist es im Moment ziemlich egal, ob der Russe den Gashahn abdreht, damit Politik macht – oder was es auch immer es bedeuten mag. Freiheit bringt die Chance des Wählens – Abhängigkeiten gebären Ent-Täuschungen, ein mit allem Schrecklichen besetztes Wort. Wirklich? Enttäuschungen sind etwas Positives, denn dann endet eine Täuschung. Eine kalte Gasheizung wäre eine solche Täuschung. Aber was kümmern uns schon die Befindlichkeiten einer alten Frau.

Schönes Wochenende!

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