Wo Rauch ist, ist auch Feuer

11. Mai 2011 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer, Slideshow

von Ronald Gehrt

Die Überschrift verdient fünf Mark in das Phrasenschwein, keine Frage. Aber schon sind wir beim Punkt: die Mark. Das waren noch Zeiten, was?

 

 

 

 

Wir in Deutschland haben allen Grund zur Wehmut. Denn was wir jetzt an der Backe haben, stammt aus Brüssel, aus Athen oder Lissabon. Dublin nicht zu vergessen, wenngleich es in Bonn und später Berlin entscheidend mit ausbaldowert wurde…

Und wenngleich die Zukunft nie gewiss sein kann, auf eines dürfen wir bauen: das Drama ist erst im ersten Akt. Oh, natürlich ist Europa dadurch stärker geworden. Und wir sparen uns das leidige Umtauschen, wenn wir mal eben im benachbarten Ausland einkaufen oder essen gehen. Aber so ganz nebenbei sind wir auch der stärkste Zahler. So richtig profitieren – das tun nur die sogenannten „Nehmerländer“. Auf den ersten Blick zumindest.

Denn hört, hört, was kommen denn da für Gerüchte auf? In Griechenland soll man heimlich darüber nachdenken, sich aus dem ach so warmen Euro-Nest zu verkrümeln? Alles gelogen, so die offizielle Verlautbarung. Aber wenn Griechenlands Ministerpräsident derart aus den Schuhen springt, dass er alle Journalisten, die dergleichen von sich geben, als Kriminelle beschimpft, ist das schon fast eine Bestätigung. Das ist die typische Reaktion ertappter Sünder. Erinnern wir uns doch einfach, wie stur und scheinbar selbstsicher die Kapitäne der leck geschlagenen Kähne Portugal und Irland immer und immer wieder dementierten, Geld aus den EU-Töpfen zu benötigen. Alles im Griff, hieß es … bis zum letzten Tag. Das wirft ein unschönes Licht auf die Glaubwürdigkeit jener, auf deren Glaubwürdigkeit wir uns eigentlich zwingend verlassen müssen. Aber …

… es ist ohne Zweifel nicht so, dass diese Schar der „Ersten unter Gleichen“ nur mit Lügenbolden besetzt wäre. Was in meinen Augen weit schlimmer ist … was uns letztlich überhaupt erst in diese Patsche geführt hat und was jede Chance auf ein glimpfliches Ende des Abenteuers EU verhindert, das ist die Tatsache, dass in unseren politischen Systemen Menschen Entscheidungen treffen dürfen, die von der entsprechenden Materie keinen blassen Schimmer haben. Was in Unternehmen undenkbar wäre, ist in der Politik üblich. „Wie schaut’s aus, willst du das Wirtschafts- oder das Verkehrsministerium? Oder doch lieber Umweltschutz?“ Ha! Und wenn die Hütte brennt, weil der verantwortliche Minister gerade einen Griff ins Klo bis zum Ellenbogen hingelegt hat, wird einfach fröhlich rotiert.

Sicher, die zahllosen Fachleute unterhalb der Ministerebene, meist seit vielen Jahren dabei, leisten Denk- und Vorbereitungsarbeit – und wissen, was sie tun. Aber der ganz oben, der ohne Ahnung, der entscheidet am Ende, was gemacht wird. Da hilft es wenig, wenn diese Leute auch „verantwortlich“ sind. Denn mehr als ein Rücktritt kann ihnen ohnehin nicht blühen. Während Hinz und Kunz ins Gefängnis wandern können, wenn sie beim wochenendlichen Randalieren ein Polizeifahrzeug beschädigen, kann so ein Minister Milliardenschäden anrichten, ohne wirklich belangt zu werden. Nicht gut.

Aber sich als neudeutscher „Wutbürger“ einfach nur auf die Köpfe zu konzentrieren, wäre auch verkehrt. Das würde es denjenigen, die im Schatten stehen und den planlosen Verantwortlichen die Entscheidungen einflüstern, in die Karten spielen. Davon mal abgesehen, das nur als Einwurf, dass die Menschen immer die Anführer bekommen, die sie verdienen. Denn würde nicht jeder permanent alles Bestehende verdammen, bei nötigen Veränderungen aber sofort krakeelen „warum ich und nicht die anderen?“, würden viele Missstände gar nicht erst entstehen. Aber zurück zu den „Minister-Flüsterern“. Die sogenannten Ratgeber und Betreuer sind, nicht nur in den USA, mehr noch als die Mitarbeiter der Ministerien, die wahren grauen Eminenzen der Politik… (—>Seite 2)

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6 Kommentare auf "Wo Rauch ist, ist auch Feuer"

  1. Andre sagt:

    Hallo Herr Gehrt,
    dies ist ein guter Artikel. Ich hätte da nur zwei kleine Anmerkungen.
    Sie schreiben: „Ich bin weder Professor noch Doktor, nur ein einfacher Betriebswirt“.
    Dies ist vielleicht fachlich richtig, jedoch können Sie auf das nur verzichten!
    Denn damit degradieren Sie sich – WARUM?
    Wer solche Artikel schreibt und die Zusammenhänge so auf den Punkt bringt steht weit über den sogenannten Prof, Dr und „Experten“.
    Wenn Sie zu dieser Gruppe gehören möchten, dann müssen Sie sofort aufhören solche Artikel zu schreiben.
    Wer die Zusammenhänge verstanden hat, dies kommuniziert, wird es schwer mit seinem Doktorvater haben!
    In dem einem Punkt(Austritt Griechenland) würde ich Ihnen jedoch wiedersprechen.
    Wäre es nicht besser, wenn Deutschland dieses Experiment verlassen würde?

    Mit freundlichsten Grüßen

  2. Herzog.Waydelich sagt:

    Hallo Herr Gehrt,

    nicht Griechenland wird aus dem Euro austreten, ALLE 16 Euroländer werden es gleichzeitig tun. Sie werden nämlich parallel eine eigene Währung einführen.(vielleicht auch manche Länder wieder eine gemeinsame). den Europ gibt es dann weiterhin – dieser wird allerdings beliebig abgewertet.

    Alles Schulden sind damit „wertlos“

    Härtefälle der Gläubiger werden durch steuerliche Subventionen (Neuschulden) abgefangen. Am Ende haben sich alle Staaten auf ein verträglichen Niveau (vielleicht 50% der heutigen) „umgeschuldet“. Die Privatschuldner (zB Immobilieninvestoren auf Kredit) werden allerdings durch „Spekulationsgewinne“ besteuert…

    Es grüßt herzlichst

    Herzog Waydelich

    • Johannes sagt:

      Sorry Eure Durchlaucht, aber das verstehe ich nicht.
      Wie soll der Euro weiter bestehen und beliebig abgewertet werden, wenn ihn keiner mehr nutzt?
      Woher sollen die Kurse kommen, wenn nicht damit gehandelt wird?
      Kristallkugel?
      Sorry, aber das übersteigt wirklich meinen bescheidenen Horizont.
      Evt. wäre Euer Herzog so gütig, mir das zu erklären?

      • Herzog.Waydelich sagt:

        Hallo Johannes,

        nun, der Euro ist aktuell gesetzliches Zahlungsmittel. Zumindest ist das in Deutschland so. Bis Jahresanfang war es jedoch so, dass in einigen Euro-Ländern eine gesetzliche Basis immer noch nicht vollzogen wurde. Dazu gab es mal in der FAZ eine entsprechende Randnotiz. Es war wohl die Europäische Kommission, welche einen Textentwurf für die betreffenden Länder liefern wollte. Leider hat kein Journalist einen Fokus darauf, ob in den betreffenden Ländern dies nachgezogen wurde.

        Diesen Umstand, Jahre nach der effektiven Einführung des Euros die Anerkennung als gesetzliches Zahlungsmittel immer noch nicht vollzogen zu haben, kann System haben. Gerade für diese Länder wäre es jetzt sehr einfach, alle Verbindlichkeiten auf Euro weiterhin lauten zu lassen, ja den Euro sogar als Zweitwährung zu akzeptieren. Dennoch wird die führende Währung der neue „Lokaltaler“ (Arbeitstitel der neuen Währung für diesen Kommentar hier).

        Alle Staatsschulden lauten auf die „Fremdwährung“ Euro, gleichzeitig akzeptiert man für Steurzahlungen usw nur Lokaltaler. Das kann nicht nur ein Land so handhaben sondern alle. Du musst dann auch Deine Geldscheine nicht umtauschen. Sie werden sogar akzeptiert im Geschäft (nur führt der Umtauschkurs nicht nur mit Umstellung zur erheblichen Entwertung, jeden Tag wird der Umtauschkurs dieser „aussterbenden Währung“ wohl schlechter). Du kannst weiterhin Konten in Euro führen usw. Man ist also aus dem Gedanken einer einheitlichen Währung nicht ausgestiegen, man hat nur eine lokale Erstwährung hinzugenommen 😉

        Es grüßt herzlichst

        Herzog Waydelich

  3. Wo Rauch ist, ist auch Feuer sagt:

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