Wo ist die Nadel?

5. Januar 2017 | Kategorie: RottMeyer

von Bill Bonner

Willkommen im Jahr 2017! An der Stelle darf ich Ihnen hier im Tagebuch alles erdenklich Gute für das Neue Jahr wünschen. Und wir beginnen das Neue Jahr hier im Tagebuch gleich standesgemäß mit Kritik eines lieben Lesers.

Der Leser schreibt uns folgendes:

„Hey, Du hast mir viel Geld gekostet. Ich hätte im Markt investiert sein können … stattdessen bin ich Deinem Rat gefolgt. Ich war nicht investiert und stand draußen an der Seitenlinie.“

Ja … es ist wahr. Wir sind sehr vorsichtig gewesen. Und das schon eine sehr lange Zeit. Wir erachten das ganze Finanzsystem als gefälscht, zerbrechlich und gefährlich.

Solange die Preise weiter steigen, kann ein Investor Geld damit verdienen, am Aktienmarkt eine Long-Position einzugehen. Aber für uns kommt das nicht in Betracht. Das Risiko ist uns viel zu groß.

Wir warten, bis die Nadel endlich die Blase anstechen wird.

Wann wird das passieren?

Heute?

Morgen?

In fünf Jahren?

Der typische Bullenmarkt dauert 52 Monate. Dieser ist schon 94 Monate alt. Mit anderen Worten, ein Bärenmarkt ist schon längst überfällig. Schon seit fast vier Jahren.

Und die Aktienkurse notieren alles andere als am unteren Ende der Handelsspanne. Sie sind ganz weit oben. Und das auch aus fundamentaler Sicht.

Der S & P 500 ist derzeit mit dem 28-fachen des zyklisch bereinigten Gewinns bewertet. Das ist fast doppelt so viel wie zu normalen Zeiten. Da liegt das Verhältnis nämlich bei um die 17.

Um auf eine eher normale Ebene zu gelangen, müsste der Aktienmarkt mehr als ein Drittel seines Wertes verlieren – oder fast 7 Billionen Dollar.

Ja, wir räumen ein, dass die Aktienkurse auch jetzt noch höher steigen können. Der Bullenmarkt könnte länger anhalten. Aber das Risiko steigt mit jedem Tag, der vergeht, und mit jedem einzelnen Dollar, den man gewinnt.

Seit der Wahl von Donald Trump wurden die Aktienbesitzer reich belohnt.

Mr. Trump war ja im Wahlkampf zumindest so etwas wie der Messias für die mittleren und unteren Klassen. Aber bis jetzt hat er nur eines getan: die Schlüsselposten im künftigen Kabinett mit mehr Milliardären als je zuvor besetzt. Und die Reichen haben nach seiner Wahl mehr als je zuvor in der Geschichte nach einer Wahl gewonnen. Aber geben Sie ihm, dem designierten Präsidenten, Zeit.

Und denken Sie daran: Was steigt, wird irgendwann auch wieder heftig fallen.

Die Nadel wartet…

Alles ist nur Fälschung

Im alten Jahr 2016 erreichte der Dow Jones dann doch nicht mehr die magische Marke von 20.000. Darauf haben wir ja immer geschaut und gewartet.

Aber warten Sie einen Moment?

Was ist eigentlich der Dow?

Ist er ein Stellvertreter für die ganze Börse? Nicht wirklich. Es handelt sich NUR um einen preisgewichteten Index; und der vergrößert die Bedeutung von nur wenigen Aktien, allen voran von der Aktie Goldman Sachs.

Wir sehen, dass Goldman im Index mittlerweile ein größeres Gewicht aufweist als JPMorgan, Coke, Intel, Pfizer und GE – ZUSAMMEN!

Welche Art von „News“ soll das eigentlich sein? Es handelt sich dabei keinesfalls um ein Indiz dafür, wie gut es dem breiten Aktienmarkt wirklich geht. Es geht hier allen voran darum, wie gut es dem einzelnen Unternehmen Goldman Sachs geht.

Ja, lieber Leser, es ist alles Fälschung.

Falschgeld.

Gefälschte Zinsen.

Gefälschte Nachrichten.

Der US-Dollar ist zwar real. Sie können ihn dafür verwenden, um reale Dinge zu kaufen. Aber er ist letztlich auch gefälschtes Geld – auf Betrug basierend. Es ist mehr Falschgeld als eine reale Sache eben. Ebenso erfassen die Nachrichten reale Ereignisse. Sie geschehen. Aber sie basieren oft auf Betrug, Verblendung und Missverständnis … ganz zu schweigen von Mythen und Wunschdenken.

Kollisionen überall

Das Leben wird ja leider immer im Dunkeln gelebt, wie es Lucretius gesagt hätte, wenn er daran gedacht hätte. Aber in den alten Tagen war zumindest die Luft, der Boden frei von Bananenschalen und Sprengfallen, die von den Regierungen und der Presse aufgestellt wurden.

„News“, ja Nachrichten, sind leider auch eine moderne Erfindung. Monströse demokratische Regierungen auch. Die beiden gehen Hand-in-Hand und gehören irgendwie zusammen.

Die Eliten regieren immer noch, wie immer. Aber jetzt sind sie in der Lage, die Massen weitgehend zu manipulieren, indem sie den öffentlichen Narrativ kontrollieren; und das sind – ganz klar – die Nachrichten.

Hunderttausende von Jahren hatten Menschen und Proto-Menschen nur ihre Augen und Ohren, um sich zu informieren. Sie schauten, sie hörten zu … sie beobachteten. Sie zogen ihre eigenen Schlüsse.

Erst im 19. Jahrhundert ermöglichte billiges Zeitungspapier die „Lieferung“ von sog. Nachrichten, wie wir sie heute kennen. Aber wir wissen immer noch nicht, was wir daraus, aus den ganzen Nachrichten machen sollen. Und allen voran, wie wir mit ihnen am besten umgehen sollen. Wir haben uns daran noch nicht perfekt angepasst. So behandeln wir diese Nachrichten, als ob sie die gleiche Qualität wie die Informationen haben, die wir mit unseren eigenen Augen und Ohren bekommen.

„Es steht in der Zeitung; es muss wahr sein.“ So lautet noch immer der Tenor, das Fazit. Wir erachten es als Tatsache. Aber was ist es wirklich?
Quelle: Kapitalschutz-Akte
Wo ist die Nadel?(von Bill Bonner)
Alles nur Fälschung! (von Bill Bonner)
Weitere Informationen: Investor Verlag

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Ein Kommentar auf "Wo ist die Nadel?"

  1. Insasse sagt:

    „Es steht in der Zeitung; es muss wahr sein.“ So lautet noch immer der Tenor, das Fazit. Wir erachten es als Tatsache. Aber was ist es wirklich?

    Von „Wir“ würde ich nicht unbedingt reden wollen. Es gibt immerhin schon wieder einen nicht ganz unerheblichen Teil der News-Konsumenten, die ihre Augen und Ohren zum eigentlichen Zwecke benutzen, nämlich um sich ein eigenes Bild zu machen.

    Aber es stimmt leider. Ein Großteil der News-Konsumente glaubt nach wie vor blind und grob fahrlässig den News, die von „Journalisten“ für sie ausgewählt und speziell aufbereitet präsentiert werden. Journalisten sind ja „Experten“. Es sind schlicht Gewohnheit, Bequemlichkeit, Obrigkeitshörigkeit und Denkfaulheit, die eine solche Einstellung befördern und verfestigen. Um dies wieder zu ändern, muss es erst zu einer wirklich großen Ent-Täuschung kommen. Ich bin mir aber noch nicht mal für diesen Fall sicher, dass sich an diesem Muster etwas ändert.

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