Wo ist der XXL-Aufschwung? Einfach weg?

12. Oktober 2014 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Die Erwartungen von heute sind oft die Enttäuschungen von morgen. Das Herbstgutachten der Bundesregierung deutet auf Schwierigkeiten hin. Die Börse übrigens schon länger, obwohl alles besser bleiben sollte…

Warum heißen die Gutachten eigentlich Gutachten, wenn sie so ungenau sind? Man sollte sie nur „Achtung“ nennen und dann wegwerfen.

Der DAX hat in diesem Jahr acht Prozent verloren, statt 20 Prozent zu steigen. Komisch. Normalerweise wäre er jetzt schon bei 12.000 Punkten, aber dann kam etwas dazwischen… 50.000? Nur eine Frage der Zeit, vielleicht von tausenden von Jahren?

DAX50000

Vieles passt nicht zusammen, vor allen die Ursachen und die Auswirkungen. So wird ein Grund für schwächeres Wachstum neben den „Unsicherheiten“ bezüglich der geopolitischen Unruhen und Ebola genannt. Aber auch die späten Ferien wären Schuld an einem schwächeren Wachstum. Ja klar, wenn die Familien im Urlaub sind, bestellen sie weniger Werkzeugmaschinen. Oder sie exportieren weniger. Klar!

Auch der Mindestlohn wird als Ursache genannt, also etwas, was es noch gar nicht gibt und der so löchrig gestaltet ist wie ein Schweizer Käse oder die anderen Gutachten der Weltverbesserer.

Oder was halten Sie hiervon? Auch das Wetter ist oft Ursache für ein schwaches Wachstum. Vor allem im Herbst, Winter und Frühjahr. (Und im Sommer sind es dann wieder die Ferien!). Manchmal ist die Adventszeit zu kalt, zu warm oder beides zugleich.

Muss man sich Sorgen machen? Offiziell nicht, denn so schlimm wird es nicht. Schließlich zeigen sich Arbeitsmarkt und Konsum robust, sagen Experten. Witzig! Beides sind nachlaufende Indikatoren und keine vorlaufenden. Diese Art von Robustheit ist heute auch nur noch eine Frage der Definition. Egal! Schließlich wird der Welthandel weiter wachsen. Hoffentlich nicht durch boomende Waffengeschäfte.

Wetten, dass es nicht die letzte Korrektur der Prognose sein wird? Woher ich das weiß? Ich weiß es natürlich nicht. Glücklicherweise verfüge ich nicht über so viel Expertenwissen, was die Sache aber einfacher macht.

Sterndeuter und Sternsinger

Seltsam… Millionen neuer von Universitäten ausgespuckter Wirtschaftsleute und neueste Methoden schafften es nicht, Wirtschaft vorhersagbarer zu machen. Wahrscheinlich ist sie eine Kunst und keine Wissenschaft. Wie erklärt es sich sonst, dass immer etwas anderes passiert? Die meisten Prognosen sind soviel wert, wie man diesen Prognosen Glauben schenkt.

Gutachten werden oft erstellt, um sich und den Leuten etwas vorzumachen bzw. später zu erklären, warum die Vorhersagen nicht eintreffen konnten. Trotzdem liebt man die Glaskugelleser wie auch die Analysten. Am Hoch an der Börse geben sie Kaufempfehlungen und im Tief Verkaufsempfehlungen. Sie sind selbst als Teil des Marktes bzw. schauen durch rosa Brillen ihres Arbeitgebers. Und Meinungsforscher mögen Meinung erforschen, sie sind aber oft Meinungsbildner im Auftrag ihrer Auftraggeber.

Vielleicht befinden wir und schon in einer Rezession? Wenn ja, so einige Experten, dann nur nur in eine technische Rezession – also das Gleiche wie XXL-Wachstum, nur in die falsche Richtung. Da Wirtschaft zur Hälfte aus Psychologie besteht, erinnert es an den Spruch aus der DDR: Und will der Schmutz nicht weichen, dann muss man eben streichen.

© Frank Meyer, Kolumne aus den Lübecker Nachrichten (Langfassung)



 

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Ein Kommentar auf "Wo ist der XXL-Aufschwung? Einfach weg?"

  1. FDominicus sagt:

    Kommt der Aufschwung heute nicht dann morgen oder übermorgen, oder …
    Und warten Sie ab, in ein paar Jahren wenn er dann überraschend kommt, werden wir von unseren Zentralbankern, Bankern und Bürokraten hören: „Das haben Sie (wir die dummen Bürger) alles uns (den weisen Planern) zu verdanken“.

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