Wo bleibt der Dollar?

23. Februar 2012 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

(von Bankhaus Rott) Die Frage, wo denn seine Steuermark genau verblieben sei, stellte einst Hape Kerkeling auf bekannt unnachahmliche Weise. Deutsche Politiker waren wie bei anderen inhaltlichen Fragen wie gewohnt sprachlos, so wollte denn auch niemand sagen, in welchen Töpfen die kleine Mark verfeuert wurde. Falls Sie sich fragen sollten, wo der Steuerdollar im vergangenen Jahr geblieben ist, so hilft ein Blick in die hübschen Bilder der US-Behörden…

Zumindest in aggregierter Form sind die Einnahmen und Ausgaben eines jeden Staates verfügbar. Besondere Mühe geben sich dabei dankenswerter Weise die Behörden der Vereinigten Staaten, während die Benutzerfreundlichkeit europäischer Datenbanken eher bescheiden ausnimmt.

Klar ist, alles Geld stammt von den Bürgern, ob sie es nun als persönliche Steuern oder durch die Belastung der Unternehmen stammen. Werfen wir einen Blick auf die Verteilung der Geldquellen.

Die Einnahmen des Staates werden von der Besteuerung der privaten Einkommen und der Unternehmen sowie den Sozialabgaben bestimmt. Insgesamt quetschte das amerikanische Schatzamt 2011 die Summe von 2.300 Mrd. Dollar aus seinen Bürgern, das sind etwas mehr als $7.400 pro Einwohner. Ausgegeben wurden hingegen pro Kopf mehr als $11.600. Wohlgemerkt, das ist lediglich die Betrachtung der staatlichen Deckungslücke, private Schulden und Kredite der Unternehmen sind nicht enthalten.

Wofür wurden die Gelder im vergangenen Jahr ausgegeben. Die Ausgaben werden in mandatory und discretionary spending aufgeteilt. Ersteres ist durch Gesetzte mehr oder weniger festgelegt, die diskretionären Ausgaben sind zumindest theoretisch variabler. Inwiefern Posten wie die Kosten für den militärischen Apparat nach unten hin flexibel sind, mag jeder für sich beurteilen.

Die Summe, die für mandatory spending und Zinsen aufgewendet wird erreicht mittlerweile in etwa die Höhe der gesamten Einnahmen. Sämtliche Aufwendungen für Verteidigung und andere diskretionäre Posten sind somit schuldenfinanziert. So ist es vermutlich schon so manchem nicht mehr wohlgefälligem Staatschef samt ein paar hunderttausend Zivilisten geschehen, dass man die Bomben, die man auf den Kopf bekam, über Umwege selbst finanziert hatte… (Seite 2)

 

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6 Kommentare auf "Wo bleibt der Dollar?"

  1. FDominicus sagt:

    Lesetip. Wer diesen wirtschaftlichen „Sachverstand“ etwas mehr bewundern möchte. Es gibt da zwei Bücher die mir spontan einfielen: „credit card nation“ und „This time is different“ Leider gelten diese Bücher wohl unter „Steurern“ als Teufelszeug. Als ob jemals in der Geschichte jemand durch Schulden reicher geworden wäre. Schulden stehen fast immer am Anfang vom Ende und am Ende schliessen Sie das Buch mit („und ohne Kredit würden Sie noch heute existieren“ und ziemlich langen Gesichtern der Gläubiger. Durchaus möglich das Sie die Leute dann irgendwo im Ausland befinden, dort haben Sie aber keine Schulden sondern das Geld Ihrer Gläubiger….

    Und wie willig dann doch die Banken mitspielen. Darf ich kurz an den Riesensskandal der Ettlinger Firma FlowTex erinnern? https://de.wikipedia.org/wiki/FlowTex

    Schulden spielen keine Rolle? Es zeig sich immer wieder, sie spielen DIE Rolle.

  2. […] & Meyer: Wo bleibt der Dollar? Ähnliche Artikel:Kleine Presseschau vom 22. Februar 2012Kleine Presseschau vom 21. Februar […]

  3. Johannes sagt:

    Vielen Dank, wieder mal super Artikel. 🙂

    Obwohl mir bewußt ist, dass der GEAB inzwischen kritisch gesehen wird, hat er doch immer wieder Interessantes zu berichten.

    Die gehen nach wie vor davon aus, dass der Dollar bis Ende 2012 um die 30% abwerten wird.

    Dies unter anderem auch deshalb, weil der Dollar seine Stellung als „die Weltleitwährung“ verlieren wird.

    Als Beispiele dafür werden Abkommen angeführt, wie z.B China- Iran; Russland- Iran, Japan- China, China- Vereinigte Arabische Emirate, sowie weitere Verhandlungen unter den BRICS untereinander und auch die mangelnde Dollarversorgung für europäische Banken durch die amerikanischen.

  4. samy sagt:

    N’abend,

    eine Frage an die Runde und natürlich auch an Don Ponzi.

    Es gibt eine Faustformel im Internet, die meines Wissens nach auf Paul C. Martin und einem Herrn Lüftl zurück geht. Demnach sei ein Point of no return erreicht, wenn ein Staat (Haushalt) 30% seiner Steuereinnahmen (Einnahmen) ausgibt, um die Zinsen seiner Schulden zu tilgen. Das System sei dann dem Untergang geweiht.
    Was ist davon zu halten und kursiert diese Faustformel auch unter einem weiteren Namen?

    Und wenn dies stimmen würde, wann wäre der Punkt für die USA erreicht?
    Ich rechne damit, dass die USA so um 2015 ca. 20 Billionen Schulden haben (sehen wir einen Irankonflikt, dann schneller). Steigen die Steuereinnahmen nicht mehr gravierend, so wären 30% der Steuereinnahmen so ca. 800 Mrd. Dollar (aufgerundet).
    1% Zinsen auf 20 Billionen Schulden wären ca. 200 Mrd..
    Somit wären die 800 Mrd. verbraucht, wenn die Anleihen mit 4% verzinst sind. Bedenken wir nun noch, dass der 30-Jahreszyklus für 10Y-Anleihen alsbald steigen müsste, dann sind die 4% schnell erreicht. Dann ist 2016 noch ein Wahljahr und ich meine das die USA dann auch relativ viele Schulden rollieren muss, also ich habe das Jahr 2015 fest im Auge, mein persönlicher „sophisticated guess“ 😉

    VG

  5. crunchy sagt:

    Abgesehen von einer begeisternswerten Analyse, bringt doch die Überschrift den Punkt: Wo bleibt der(was wird mit dem)Dollar?
    Drucken kann man ja, wie Heli-Ben, wenn, ja wenn man Käufer dafür findet. Das die Nachfrageseite nicht nur schrumpft, sondern auch fahnenflüchtig wird, macht mittlerweile das System unsicher: Sowohl die politischen Parteien, als auch die Fed selbst wissen, dass sie, um glaubhaft zu bleiben: s p a r e n müssen! Kein Gläubiger wird zulassen, dass sich die USA mal eben selbst entschulden. Das wird ein langer Trend: für Gold und Silber, bis jeder danach rennt.
    Kurzer Flashback: Nachdem ich Ende Dezember eindringlich davor warnte,
    lange auf niedrigere Einstiegskurse bei EM zu warten und selbst am 30.12. voll einstieg, hat der heutige Tag die erwarteten Kaufsignale gebracht. Bei Silber sehen viele nun USD 70,-. Nach der bisherigen Entwicklung des Bullen, wären allerdings USD 130,- durchaus möglich.
    USD 70,- sind bei meiner Taktik 50% halten und 50%(steuerfrei) zu verkaufen k e i n e Überlegung wert.

  6. Jochen sagt:

    Im Moment sieht es so aus, als ob sich die aktuelle Einschätzung von Rolf Nef bewahrheiten sollte. Seine Betrachtung aller Anlageklassen über Jahrhunderte mit den entsprechenden Charts hat es mir irgendwie angetan.

    Absolut lesenswert, s. goldseiten.de, Autor R.Nef.

    Schönes Wochenende

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