Wo bitte geht’s nach Absurdistan?

30. Januar 2013 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

Glosse von Frank Meyer

Seien Sie mutig! Geben Sie doch demnächst mal den Begriff „Absurdistan“ in Ihr Navigationsgerät ein. Eine freundliche Stimme wird Ihnen dann sagen: Sie haben Ihr Ziel längst erreicht…

Nicht nur die Tage werden wieder länger, auch die Nasen der Leute aus Pinocchios Reich. Heute hat mich auf der A5 der Aufschwung überholt. Er hatte es turbomäßig eilig. Seine Lichthuperei veranlasste mich zum Wechsel auf die Schleichspur, wo übermüdete Brummifahrer Unmengen Waren für den immer kaufwütiger werdenden Bundesbürger transportieren. Gleichzeitig schwappte aus den Lautsprechern des Autoradios eine Art von Honig-Tsunami.

Und in der Tat: Die Stimmung der Verbraucher in diesem Monat um sagenhafte 0,1 Punkte auf 5,8 Zähler explodiert. Das monatlich 17,98 Euro teure „Informationsradio“, also der Quasselfunk, und der Bruder vom Dudelfunk, brachte diese Meldung alle 15 Minuten in heavy rotation.

Test bestanden

Zu Hause angekommen, überprüfte ich die neuen Daten von der Konsumfront und warf deshalb ein Stück Käsekuchen an die Wand. Und siehe da: Es stimmte. Ich weiß zwar nicht, was stimmte, aber das spielt keine Rolle. Der Unterschied zwischen GfK-Verbraucherstimmung und Käsekuchen sollte nicht allzu groß sein. Käse bleibt Käse, obwohl es sich beim Käsekuchen um Quark handelt. Auch das stimmt wiederum.

Die Leute sind noch zuversichtlicher geworden. Nach drei Monaten der optimistischen Schwäche setzt der von den Medien so geschätzte, aber von der Börse böswillig ignorierte GfK-Konsumklimaindex aus dem Nichts zu einem Höhenflug an – ähnlich dem DAX.

Da kann es einen schon mal aus dem Sessel heben wie manchen Ökonom und Volkswirt. Es war so überraschend wie der Winter im Winter. Danach gaben sie ein Interview nach dem anderen gaben. Dabei wäre es so einfach gewesen: Vollbeschäftigung, moderate Preise, stabiler Seitenlage, zuviel Kaffee und moderne Wirtschaftsbibeln in den Schubladen – dazu das ungebremste Trommelfeuer aus der Politik. Ein anderes Ergebnis als 5,8+x war also gar nicht möglich.

Noch fragen wir uns, wo das ganze Geld für den Konsum hergekommen sein könnte und wissen darauf keine Antwort. Vermutlich aber sind die Löhne so stark gestiegen wie der DAX. Gibt es bald nicht wieder neue Arbeitsmarktzahlen? Auch hier wird sich der Aufschwung gnadenlos fortsetzen. Sie sind nicht dabei? Fühlen Sie sich nicht langsam einsam und haben ein schlechtes Gewissen, wenn 60 Prozent der Beschäftigen im Job unter Stress leiden? Das war eine andere Studie vom Dienst-Tag. Wie passend der Zeitpunkt doch gewählt wurde.

Das abendliche Licht in der Bundesagentur für Arbeit lässt vermuten, dass die nächsten Arbeitsmarktzahlen wieder so gut ausfallen, dass manche Ökonomen erneut aus dem Sessel fliegen und Interviews geben. Unterdessen steigt die „Faulpelz-Quote“ seit Ewigkeiten. Das wird natürlich von den Arbeitslosenzahlen abgezogen. Wo kämen wir denn sonst hin? Das Ergebnis zählt. Nicht Sie!

Glauben, Glauben, Glauben…

Und je näher die Bundestagswahl rückt, desto mehr Leute werden alles glauben, was ihnen erzählt wird. Das Erstaunliche ist, es gibt immer die gleichen Meldungen und Einschätzungen. Kein Wunder… Alles wird von einer einzigen großen Nachrichtenagentur geliefert. Wozu braucht man noch Zeitungen? Ein Zentralorgan zur Verbreitung relevanter Nachrichten für die Öffentlichkeit täte es auch. Für 4,99 Euro Zeitungsbeitrag? Der „Zeitungsbeitrag“ als Schwester vom „Rundfunkbeitrag“ hätte doch was. nach der Wahl. Mal sehen, wie die Infogesellschaft künftig mit frischen und aktuellen Meldungen versorgt wird. (Seite 2)

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9 Kommentare auf "Wo bitte geht’s nach Absurdistan?"

  1. katzbuckel sagt:

    Ein alter Freund aus der ehemaligen DDR, welcher daselbst hoher Offizier bei der Stasi war und daraus kein Geheimnis macht, bemerkte kürzlich, dass die derzeit verbreiteten Durchhalteparolen und Propaganda-Lügen ihn sehr stark an die Endzeit der DDR erinnern.

    Das stimmt natürlich nicht ganz. In der DDR waren all diese Methoden einer galoopierenden Volksverdummung doch weit weniger subtil und ausgefeilt, sondern eher platt und hölzern.

    Den gehobenen Stil, in welchem im gesamten Westen gelogen wird, wollen wir doch wenigstens würdigen.

    Wie prognostizierte W. Busch einst so zutreffend:

    Doch das Ende ist nicht heiter,
    Es ist abscheulich – greulich,
    Aber siehe!

    …Wie erfreulich…

  2. jurnaljacke sagt:

    Hallo,

    lese ich da ein wenig Frust heraus? Schöner Artikel.
    Jetzt kommt aber gleich wieder ein Kommentator, dass die Inflation tatsächlich nur max. 2% beträgt. Alles andere sind zufällig einmalige, nicht repräsentative Sonderausgaben.
    Übrigens hatte die DDR nicht zum Ende gewaltige 19,5 Millarden DM Gesamtschulden? Gigantisch diese Zahl.

    schönen Tag!

  3. Michael sagt:

    Schauen sie mal in den Microsoft Store und vergleichen sie die Preise zwischen U.S. und .de/.at.

    Das zum Thema billig … :). Office 2013 ist ein interessantes Beispiel… es gibt deren mehrere und sie sind am anrollen. Ich beobachte das schon länger, bisher fiel das noch nicht so auf in der Praxis und nicht allein in der IT. Von allerorts rollt die Teuerungslawine auf uns zu.

  4. Michael sagt:

    Will sie gar nicht mit Kennzahlen quälen …
    http://www.statistik.at/web_de/statistiken/preise/preisniveaus_kaufkraftparitaeten/volumenindizes/index.html

    Interessante Detaillisten wenn man Links folgt, mit Excel Export.

    Es kommt ja auf die Ermittlung drauf an, deswegen nehme ich zumindest gerne die Kaufkraftparität.

    Sämtliche andere Zahlen funktionieren in ruhigen Stabilen Zeiten …

    http://www.wifo.ac.at/wwa/downloadController/displayDbDoc.htm?item=MB_2008_02_04_VERKETTUNGSVERFAHREN_VGR$_SHOW.HTM

    Äpfel und Birnen bunt gemischt. Wenn sie die richtige Methode auf eine dynamische Entwicklung anwenden werden diese Zahlen sehr fragwürdig. Sämtliche Analysen über längere Zeiträume sind mit Vorsicht zu genießen.

  5. samy sagt:

    Meyer at it’s best … 🙂

  6. Zaubrberg sagt:

    Der Realwert einer Wohnung ist in 20 vergangenen Jahren mehr als 20 Prozent gesunken, selbst dann, wenn renoviert wurde. Bruchbuden gibt es reichlich, wenn man Kinder hat die studieren, weis man man das. Manche sind so verkommen, dass der Vermieter tatsächlich was ausbezahlen sollte.

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