Wirtschaftsnachrichten aus der Stalinorgel

27. Oktober 2015 | Kategorie: RottMeyer

von Bankhaus Rott

Viele Menschen klagen über zu wenig Geld, zu wenig Rendite und zu wenige Anlagemöglichkeiten. Viele Anleger leiden zudem unter einem Gedulds-Defizit. Steht die mangelnde Geduld einer attraktiveren finanziellen Situation möglicherweise im Weg?

Hektik ist ein schlechter Ratgeber. Das gilt für die meisten Situationen. Wenn man die Hand vor einem zuschnappenden Bäreneisen zurückziehen will, kommt es auf die Geschwindigkeit an. Am Finanzmarkt wie anderswo liegt die Kraft in der Ruhe. Warum tun sich viele Anleger mit dem Warten so schwer? Uns fallen zwei Gründe ein. Zum einen ist der Zweig des hirnlosen Investierens derzeit en vogue. Andererseits darf man das finanzmediale Trommelfeuer zwischen Stalingrad, Dinosauriersterben und Hitler’s Privatleben als Grund für eine geistige Überlastung vieler Anleger anführen.

Blöd ist „in“

Was man nicht verbergen kann sollte man betonen lautet ein etwas hilfos klingendes Mantra, wie man mit vermeintlichen Defiziten umzugehen hat. Zahlreiche Politiker haben sich die Betonung des eigenen Unvermögens umgehend auf die Fahnen geschrieben. Ergebnisse wie die schlecht getarnte Subvention für Fondsgesellschaften und Versicherer, bekannter unter dem Namen Riester-Rente, sprechen für sich. Während einige Sparer unter einer bestimmten Gehaltsgrenze Zuschüsse von anderen Bürgern oberhalb einer anderen Gehaltsgrenze erhalten, wandern diese Zuschüsse über diverse Kanäle wie laufende Gebühren oder Umschichtungskosten in die Töpfe einiger Konzerne. Immerhin darf man davon ausgehen, dass die Rente von Walter Riester sicher ist (ehemaliger Fliesenleger, danach Wirtschaftsminister und derzeit u.a. bei Union Investment).

(Quelle: Lobbypedia) WirtschaftsWoche: Herr Riester, ab Oktober sind Sie Aufsichtsrat bei Union Investment, dem größten Anbieter von Riester-Fondssparplänen. Müssten Sie nicht mehr Abstand zur Branche halten?

Riester: Union Investment hatte mich schon vor eineinhalb Jahren für diesen Posten angefragt. Ich finde interessant, dass die einen Unabhängigen im Aufsichtsrat haben wollen. Solange ich im Bundestag war, wollte ich ein solches Mandat jedoch nicht übernehmen. Nun trete ich den Posten im Oktober an, nach meinem Ausscheiden aus dem Parlament. Für mich war es eine Frage politischer Hygiene, das ganz klar zu trennen.[9]

Da kommen einem wirklich die Tränen. Vollkommen unabhängig von dieser Personalie fragt man sich sogleich, ob einem auch die Tränen der Rührung in die Augen träten, wenn jemand jahrelang Sachen aus dem Supermarkt klaut sich aber für diese Waren erst nach dem Austritt aus diesem Unternehmen bezahlen ließe. Seisdrum, von solch staatlich subventionierten Dauersparplänen, die regelmäßig Gebühren in die Kassen spülen, kann man in anderen Branchen nur träumen. Die Gebühren im Asset Management hängen in der Regel vom verwalteten Vermögen ab, das gerade bei großen Verwaltern eher von der Gewohnheit vieler Anleger als von der Qualität abzuhängen scheint. Viele Menschen kostet es offenbar genauso viel Überwindung, einen Dauerauftrag zu ändern wie die Wüste Gobi auf dem Einrad zu durchqueren. Natürlich könnte der Staat auch einfach zehn gute Leute einstellen und diese einen Staatsfonds verwalten lassen. So hätte später jeder Anleger einen Anteil am gleichen Vermögen. Aber dann wandern natürlich die anderen Arbeitsplätze ins Ausland. Wer will das schon.

Den Riester, den ich rief …

Stattdessen darf man sich schon jetzt auf Berichte (dann in siebzehn Sprachen) im Staatsrundfunk freuen: „Die Rentenabzocke. Pleite trotz Riester“. Vielleicht müsste es statt „trotz“ Riester eher „wegen“ heißen, aber im Staatsrundfunk wird man das nicht so sagen. Denn wer will schon ein falsches Signal senden. So kann sich jeder glücklich schätzen, denn was ist schöner, als wenn man die Ursache seines finanziellen Unglücks selbst gewählt hat. Bis dahin hat jeder die Pflicht, dafür zu sorgen, dass sich niemand der Solidargemeinschaft der Riestersparer entzieht. Die Website „Volksgenosse, melde auch Du jeden Riesterverweigerer“ steht sicherlich schon in den Startlöchern. Ein paar Peitschenhiebe werden den Verweigerern bei der Einsicht helfen. Wenn schon untergehen, dann bitte gemeinsam. Mit der egoistischen Nachdenkerei muss Schluss sein. Also hopp, hopp, den Vertrag unterschrieben. Nicht dass sich die Kinder beim Treffen der Riester-Jugend für ihre Eltern schämen müssen.

Der eigentlich vernünftige Ansatz, regelmäßig Geld zur Seite zu legen, sich zunächst eine kleine Liquiditätsreserve zusammenzusparen und danach etwas zu investieren, wird durch derartige verbürokratisierte Monstrum ad absurdum geführt. Der Nanny-Staat nimmt seine Bürger aber immer fester an beide Hände und bringt sie sicher über die Straße zu den Freunden der Investment-Branche. Aber in einem Land, in dem man die Änderung des Gesundheitssystem in einem anderen Land für total toll hält, weil man den dortigen Präsidenten irgendwie auch total toll findet und das natürlich alles völlig unabhängig von den total toll um bis zu 50% angestiegenen monatlichen Kosten betrachtet, sollte man vielleicht ohnehin nicht über Geldanlage sprechen. Es könnte zwecklos sein.

Viele Amtsträger werden sich freuen, denn auch der Irre ist nicht gerne einsam. Den Politikern sind zahlreiche Wirtschafts-Unterhalter derzeit dicht auf den Fersen. Dieses Lager spaltet sich in zwei Teile. Einige haben die mangelnde Befähigung der Menschen zur Geldanlage entdeckt und schlagen vor, einfach immer alles in einen Indexfonds zu stecken. Bewertung? Egal! Wenn man falsch liegt, rettet einen das hundertjährige Kursanstiegsmittel. Irgendwann.

Falsche Voraussetzungen

Die Protagonisten dieses Lagers sind ganz klar zwischen 1982 und 1999 finanziell sozialisiert worden. Aktien steigen immer, im hundertjährigen Mittel so um 8% p.a. Das kann sich doch sehen lassen. Kann es. Theoretisch. Nun, leider haben die wenigsten Menschen Zeit, einhundert Jahre auf die Erreichung des Mittelwertes zu warten. Andererseits hinken diese Zahlen auch beträchtlich, denn sie beziehen sich auf den US-Aktienmarkt. Dieser hat in den letzten einhundert Jahren um Längen besser abgeschnitten, als die meisten anderen Märkte. Abzulesen ist das auch an der weltweiten Dominanz, die der US-Aktienmarkt in den letzten hundert Jahren erreicht hat.

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Es gibt auch Märkte, die über zig Jahre keinen positiven Ertrag eingespielt haben. Nun mag man einwenden, die müsse man ja nicht kaufen. Dumm nur, dass jede Aktie zu jeder Zeit von irgendjemanden gehalten wird. Einer muss auch die Papiere halten, die nicht oder nur wenig gestiegen sind.

Es ist wie mit der Anleihe. Jemand kauft ein Papier mit zehn Jahren Laufzeit und 1% Rendite. Wenn er das Papier hält, bekommt er sein Prozent pro Jahr und erhält am Ende den angelegten Betrag zurück. Steigt der Preis (sinkt also die Rendite) so rentiert das Papier möglicherweise bei 0,75%. Der erste Anleger verkauft mit Kursgewinn an den zweiten und hat selber mehr verdient als 1% p.a. Dies bleibt nicht ohne Folgen. Die Konsequenzen trägt der Käufer, der nun bis zur Fälligkeit 0,75% p.a. verdient. Insgesamt werden die Anleger mit dieser Anleihe über die Laufzeit ein Prozent jährlich verdienen. Der eine mehr der andere weniger.

Bei Aktien hingegen hofft so mancher auf die ewig selig machenden Kursanstiege, denn Aktien haben kein Fälligkeitsdatum. Aber auch Aktien verbriefen nur einen zukünftigen Zahlungsstrom. Und je höher der Preis der Aktie ist, desto höher ist der Preis der für den Zahlungsstroms auf den Tisch gelegt wird. Der Preis kann über oder unter dem Wert des Zahlungsstroms liegen. Da die Zahlungsströme in der Zukunft liegen sind sie unbekannt. Schlussendlich aber sinkt die zukünftige Renditeerwartung, wenn die Kurse schneller steigen als der Wert der zukünftigen Zahlungsströme.

Es spricht nichts gegen Aktien als Teil der Geldanlage. Niemand sollte sich aber einreden lassen, die  Bewertung von Wertpapieren spiele langfristig keine Rolle. Wer zu hohen Preisen kauft, hat eine niedrigere zukünftige Renditeerwartung. Umgekehrt gilt das Gleiche. Durch Ungeduld wird mehr Geld verbrannt als mancher denkt. Mangelnde Geduld ist vermutlich die Ursache für die größte Anomalie an den Finanzmärkten, den zyklischen Herdentrieb. Lassen Sie sich nicht anstecken.

 

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12 Kommentare auf "Wirtschaftsnachrichten aus der Stalinorgel"

  1. MFK sagt:

    Gemäß Credit Suisse Global Investments Returns Yearbook 2015 (S. 44) sind die realen p.a. Erträge auf deutsche Aktien wie folgt: 1900-2014: +3,2%; 1965-2014: +5%; 2000-2014: +1,5%. Von 8% kann der deutsche Aktienanleger zwar träumen aber diese nur mit stock picking erreichen. Werden Aktien von deutschen Anlegern international gestreut, ist das Währungsrisiko zu beachten. Dies hat schon einige Investorenträume besonders in emerging markets zerstört. Auch die halbstaatliche DEG kann ein Lied hiervon singen. Weiterhin ist zu beachten, dass auch Staatsanleihen Erträge abwerfen, die o.g. Rendite also nicht die Überrendite über (heute vermeindlich risikolose) Staatsanleihen darstellen. Die Frage, ob sich Aktienanleihen lohnen, muss jeder selber beantworten. Man kann sein Geld schließlich auch mit Pferdewetten machen.

    • GrandCru sagt:

      Dass Aktien im Durchschnitt selbst über eine Periode mit 2 extremen Crashs eine reale (!!!, die bitte nicht mit der nominellen Rendite von Anleihen zu vergleichen ist) Rendite von 1,5% abgeworfen haben, ist doch ein ziemlich gutes Ergebnis.
      Es gab vorübergehend bessere Anlagen, aber es bedarf ja keiner großer Prognosefähigkeit mehr, dass die Kursgewinne bei Anleihen am Gipfel sind und von dort aus sich die Geschichte bestenfalls seitwärts, früher oder später aber abwärts entwickeln wird. Demgegenüber gibt es für den Aktienbereich diverse relativ primitive Methoden, zum einen die Lieferanten der gröbsten Negativ-Renditen aus dem Durchschnitt auszusondern und zum anderen die Renditen abzusichern. Daher sind auch höhere Aktien-Renditen zu erzielen (natürlich nicht mit „aktiv gemanagten“ Fonds). Ohne Garantie und mit zeitweise heftigen Schwankungen, selbstredend, aber die bekommen Sie ja inzwischen nirgends mehr, auch nicht bei Staats- oder Bankanleihen.
      Wenn man sich denn schon Gedanken darüber macht, wie denn ein halbwegs aufgeklärter und anstregungsbereiter Anleger heute sein Schiff durch die Märkte laviert, dann ist doch festzuhalten, dass es fahrlässig wäre, im Portfolio nicht auch Aktien-Renditen zu haben.
      Fun-Fact: Wer in den letzten 25 Katastrophen-Jahren jeweils im Oktober investierte, der hatte in lediglich zwei Fällen 12 Monate später keinen Kursgewinn im Depot (2000 und 2001).
      Die gefühlte Unsicherheit ist bei Aktien immer viel höher, als von der Statistik bestätigt wird. Genau dieser Einsicht würde sich ein mündiger Anleger nicht verwehren, um stattdessen auf den Bausparer-Bauchgefühlen hängen zu bleiben.

  2. bluestar sagt:

    Liebes Bankhaus,

    herzlichen Dank für diesen schönen Artikel.
    Tja, die Mehrheit der Deutschen ist nun einmal unselbständig, staatshörig und hoffnungslos verblödet. Das macht sich dann bei Finanzgeschäften und politischen Prozessen bemerkbar.
    „Blöd ist in “ dem kann ich uneingeschränkt zustimmen. Aber auch die Verweigerung von Eigenverantwortung, Gehirngebrauch zum Denken, Zivilcourage und dem Blick über den eigenen Tellerrand sind die totalen Renner.
    Auf der anderen Seite gibt es ein engagiertes, gut ausgebildetes und unternehmerisches Bürgertum, dass diesen ganzen staatlich organisierten Wahnsinn und Untergang nicht mehr ertragen kann und will. Am Samstag war ich in Berlin auf einer Konferenz mit 1000 Teilnehmern und absolut hochkarätigen Referenten. Das hat mit Hoffnung gemacht, aber auch verdeutlicht wo wir stehen. Unsere freiheitliche, demokratische Grundordnung ist mittlerweile ernsthaft in Gefahr.

    • Ernst Jünger sagt:

      Das hätte ich nicht besser beschreiben können, und deckt sich mit meiner Einschätzung. Ich persönlich schätze den Anteil der aufgeweckten Menschen in meinem Bekanntenkreis und Arbeitsumfeld auf lediglich ca. 5% – 10%. Bei dem Rest trifft Kant´s Beschreibung vor über 200 Jahren überwiegend zu:

      „Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Selbstverschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Mutes liegt, sich seiner ohne Leitung eines anderen zu bedienen.“

      Mögen Sie den Namen der von Ihnen erwähnten Konferenz verraten?

      Ansonsten auch von mir ein dickes Lob für diesen Artikel. Die Grafiken zeigen m.E. auch, dass es nur EINEN Sieger der Weltkriege gibt. Nimmt man den Wechsel der Leitwährung von Pfund auf Dollar, die Chicago Board of Trade etc etc hinzu, rundet sich das Bild weiter ab.

  3. Argonautiker sagt:

    Ach was, die Renten sind sicher ! ! !

    Könnte vielleicht sein, daß man dann mit ZwoEuroFuffzig im Monat auskommen muß, aber die sind sicher. Kommen sie, wir leben in schlechten Zeiten, da müssen Alle den Gürtel enger schnallen.

    Vielleicht ist bis dahin dann auch Sigmar Gabriel für die Renten zuständig, denn die politischen Posten gehen ja mittlerweile gerne mal so Reihum,…, von ihm würde man doch gerne hören, daß man sich in schlechten Zeiten den Gürtel etwas enger schnallen muß.

    🙂

    Ich habe auch gehört, daß Soylent Green an die Börse gehen will.

    Was Soylent Green ist? Ach, das kennen Sie noch nicht? Wirklich innovativ, und auch so konstruktiv dabei. Ja, und …iv ist auch dabei. Natürlich ist das alles noch im Genitiv, aber sie wissen ja, einem guten Produkt, steht quasi die Welt offen, da kann man ruhig schon mal intervenieren,…, äh, ich meine natürlich investieren. Ein vollkommen biologisch abbaubares Nahrungsergänzungsmittel, deswegen „Green“. Es sind super Renditen prognostiziert, weil,…, nun,…, quasi zwei Fliegen, mit einer Klappe geschlagen werden. Was es genau ist? Nun das ist natürlich Betriebsgeheimnis.

    Und dann habe ich noch gehört,…, die EierlegendeWollmilchSau wäre gesehen worden,…, aber das ist natürlich nur ein Gerücht,…, aber wenn die erst mal Marktreif wäre, ja dann,…, die Börse läge ihr zu Füßen

    Tut mir aufrichtig leid, aber manchmal rettet mich nur noch Sarkasmus zum nächsten Tag.

    Beste Grüße

  4. Markt sagt:

    Sehr geehrtes Bankhaus,
    trauen Sie dem „guten Herrn Riester“ tatsächlich zu Vater (Erfinder) der Riester Rente zu sein?
    Warum schimpfen Sie auf den Staat im allgemeinen.
    Wenn schon sollten Sie auf den vom Kapital übernommen Staat zu schimpfen und auf die die dies zugelassen haben größtenteils ohne es zu bemerken.
    Was „dem Staat“ angelastet wird, wird im doch durch die Wirtschaftslobby diktiert. Die Ursachen sollten mehr in den Mittelpunkt der Kritik gestellt werden anstatt die Auswirkungen.
    Aber wahrscheinlich sollten wir diese Zustände anstreben:
    http://www.querschuesse.de/usa-wage-statistics-for-2014/
    Auf einem guten Weg sind wir ja bereits.
    http://www.nachdenkseiten.de/?p=28106
    Übrigens die Banken schichten insbesondere bei jungen Bürgern die Investment Verträge seit langem bereits wieder in „die guten alten Bausparverträge“ (Ironie wieder aus) um, da bekommt man dann sogar noch einen Kredit auf die Zulangen und Beiträge der Zukunft die dann im Alter (man könnte aber nicht so alt werden) versteuern darf. Und dass obwohl man diese Rente bereits vor Jahrzehnten ausgegeben hat.

  5. Bankhaus Rott sagt:

    Hallo Markt,

    rein intellektuell trauen wir die „Erfindung“ eines solchen Produktes jedem Dackel zu. Natürlich gibt es Lobbyismus und zwar von allen Seiten. Der eine bringt Geld mit, der andere Einfluss. Wir finden den Lobbyismus durch den Hinweis auf den Verbleib von Herrn Riester durchaus ansprechend gewürdigt.

    Eine Lobby stützt den Gehaltsunterschied zwischen Festangestellten und Zeitarbeitern bei den Autobauern unter Vernachlässigung des Grundsatzes gleicher Lohn für gleiche Arbeit. Die Planwirtschaftslobby will die Steuern am liebsten auf 100% anheben, weil ihre Mitglieder am besten wissen, wie das Geld am gerechtesten verteilt ist, die anderen wollen die Steuern auf 0% senken. Der Garten der Lobbygruppen ist bunt.

    Generell halten wir es für eine arg bequeme Ausrede, es sei ohnehin nur der unausweichliche Einfluss des „Kapitals“, der zu bestimmten Entwicklungen führt. Den Parlamentarieren mittels dieser Argumentation Absolution zu erteilen ist geradezu fahrlässig. Die gar nicht mehr so schleichende Entmündigung durch einen immer stärker von political correctness, irrwitziger Regulierung (in allen Sektoren) und einer zunehmenden Machtlosigkeit der Bürger vor dem Rechts- und Regulierungsapparat führt zu derart umfassenden Schäden, dass auch für „das Kapital“ am Ende weniger übrig bleiben dürfte. Von einem abgebrannten Acker ist nicht mehr viel zu ernten. Übernimmt gerade „das Kapital“ den Staat oder „der Staat“ das Kapital oder erleben wir eine Fusion? Wer ist das „Kapital“? Jeder Unternehmer, der es über die Jahre zu etwas gebracht hat? Leiden diese Unternehmer nicht ebenso unter den enger werdenden Zwangsjacken?

    Abschließend sei angemerkt, dass man es sich auch in der Rolle des machtlosen Bürgers bequem machen kann. Das gilt im Groben für die in halbgarer Marx-Auslegung vor sich hergetragenen Annahme, man könne eh nichts machen und sei der Verelendung der Arbeiterklasse hilflos ausgeliefert. Im Kleinen gilt dies auch in Finanzthemen. Man wird nur über den Tisch gezogen, denn wer hätte denn denken können, dass Aktien auch fallen können und wer konnte denn ahnen, dass Riester sich nicht lohnt. Mancher wollte vielleicht einige Antworten gar nicht hören, was sich am besten durch das Nichtstellen von Fragen lösen ließ.

    Viele Fragestellungen sind auch für den Laien relativ einfach zu klären. Man muss sich dafür allerdings fünf Minuten von WhatsApp, der Autogazette oder der Sportschau lösen. Diese Zeit sollte vor dem Abschluss von Verträgen mit mehreren Dekaden Laufzeit jeder erübrigen können. Niemand muss einen Riester-Vertrag abschließen.

    Beste Grüße
    Bankhaus Rott

    • bluestar sagt:

      Brillanter Kommentar, ein Genuss zu lesen, vielen Dank liebes Bankhaus.
      Ja, zuerst stirbt der freie Markt, dann die Demokratie. Immer mehr Staat, immer mehr Regulierung, immer mehr Bürokratie , immer mehr Überwachung, immer mehr Propaganda und Verdummung, immer mehr Diktatur.
      Schuld sind natürlich immer die anderen, sagt der ach so machtlose Bürger, wählt dann Blockparteien und macht es sich zu Hause bei TV gemütlich.
      Ach so, Widerstand wurde natürlich geleistet – in Form eines Kabarettbesuches.
      Dummheit, Trägheit, Mutlosigkeit, sowie die freiwillige Abgabe aller Verantwortung an den Staat – das sind die Ursachen für die Dekadenz und nicht das sogenannte Kapital.

    • Markt sagt:

      Wenn Personen wie Herr Kauder, Herr Gröhe, Herr Müller, Frau Nahles Frau Wanka, Frau Roth als einige weinige Beispiele, in politisch exponierte Stellungen kommen, finden Sie dies Zufall? Die Liste erhebt keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit und kann auch über andere Parteien erweitert werden.
      Halten Sie das für einen Zufall?
      Glauben Sie wirklich das ein Land mit solchen Politikern irgendeine Zukunft hat.
      Hier spiele ich ausdrücklich nicht auf ihr politisches Denken, sondern ausschließlich auf das intellektuelles Vermögen dieser Personen an.
      Erwarten Sie von diesen Personen ernsthaft mehr als das Ausführen von Vorgaben. (Puh, schlimme Verschwörungstheorie)
      „Eine Lobby stützt den Gehaltsunterschied zwischen Festangestellten und Zeitarbeitern bei den Autobauern unter Vernachlässigung des Grundsatzes gleicher Lohn für gleiche Arbeit. Die Planwirtschaftslobby will die Steuern am liebsten auf 100% anheben, weil ihre Mitglieder am besten wissen, wie das Geld am gerechtesten verteilt ist, die anderen wollen die Steuern auf 0% senken. “
      Sie haben die Lobby vergessen, die die Zeitarbeit generell und später in diesem Umfang ermöglicht hat. Zufall?
      „Übernimmt gerade „das Kapital“ den Staat oder „der Staat“ das Kapital oder erleben wir eine Fusion?“
      Wenn Sie sich einmal dezidiert mit TTIP beschäftigten, sollte diese Frage leicht zu beantworten sein. Hier schafft der Staat für die Zukunft seine Handlungsfähigkeit nahezu vollständig ab, warum?
      Oder nur eine tolle Strategie seine Macht auszudehnen?

      „Wer ist das „Kapital“? Jeder Unternehmer, der es über die Jahre zu etwas gebracht hat? Leiden diese Unternehmer nicht ebenso unter den enger werdenden Zwangsjacken? “
      Natürlich leiden diese Unternehmer immer mehr unter den Zwangsjacken, die Ihnen aufgebürdet werden. Aber ihre Reaktion ist verräterisch um nicht zu sagen wenig intelligent. Sie versuchen nicht durch Bündelung ihrer Kräfte Widerstand gegen diesen Unsinn zu leisten und sich zu vernetzen, sondern Sie beeilen sich möglichst schnell den Vorgaben gerecht zu werden in dem man die Menschen die auf der Leiter weiter unten stehen noch mehr ausbeutet und schlussendlich beraubt man sich der eigenen Geschäftsgrundlage.
      Die nächste Gängelung für die Überlebenden steht schon bereit. Viel Spaß bei der zukünftigen Pflichterfüllung.
      @bluestar
      sie würden sehr schnell sehr blass werden, wenn wir beide uns über den bislang über das Schreiben von (vor Untergebenheit triefenden) Kommentaren hinaus geleisteten Widerstand austauschen würden, das kann ich ihnen versichern. Wer noch an Parteien glaubt hat sich noch nie mit Demokratie beschäftigt, die sind nämlich dort eigentlich gar nicht vorgesehen.

      • Insasse sagt:

        @MARKT: Meiner Ansicht nach verwechseln Sie Ursache und Wirkung. Ursache für Missstände, die den Einzelnen oder eine Gruppe von Menschen betreffen, ist in erster Linie deren Desinteresse an der Gestaltung der eigenen Lebensverhältnisse. Wer meint, er hätte mit der Abgabe seiner Stimme an fremde Leute ausreichend für sich gesorgt, gibt seine Gestaltungsmöglichkeiten aus der Hand und verspielt somit seine Interessen. Dies gilt jedenfalls für eine parlamentarische Demokratie. Die entscheidende Fehlannahme auf Seiten der Wähler ist, dass sich Leute in Parteien organisieren, um die Interessen anderer, nicht organisierter Menschen wahrzunehmen. Warum sollten die so Organisierten diesen Aufwand betreiben? Aus altruistischen Gründen, weil sie also so „edel“ sind? Lachhaft. Leute, die sich aufwendig organisieren, tun dies selbstverständlich aus eigenem Interesse. Entweder um eine Ideologie umzusetzen, um wirtschaftliche Vorteile zu erlangen oder beides. Wer darunter nicht leiden will, muss sich selbst mit Gleichgesinnten organisieren und zwar mit dem Ziel, die Gestaltungshoheit in seinem Interesse an sich zu ziehen. Wie viele Bürger würden diesen sehr hohen Aufwand wohl für sich betreiben wollen? Ganz sicher nur die allerwenigsten. Da ist es doch viel einfacher, zum x-ten Mal bewusst falschen Wahlversprechen auf den Leim zu gehen und sich der Illusion hinzugeben, dass andere schon für einen gestalten werden. Ja, die anderen werden geastalten, allerdings nicht im Interesse der nicht organisierten Wähler. Aber jedenfalls auf deren Kosten. Für die Wähler bleiben bestenfalls „Brot und Spiele“, den eigentlichen Gewinn aber ziehen sich die Organisatoren. Das ist das Wesen der parlamentarischen (Schein-) Demokratie.

        Nicht der Staat schafft seine Handlungsfähigkeit ab, sondern die für ihn handelnden Akteure, also die Politiker. Diese sind aber nur die Marionetten der organisierten Interessengruppen, die sie vertreten: Parteien. Und auch Parteien sind selbstverständlich nichts anderes als Lobbygruppen! Auch wenn sie diesen Umstand mit Begriffen wie „Volksparteien“ gekonnt verschleiern. Wer einer solchen „Volkspartei“ – immer wieder – auf den Leim geht, darf sich nicht beschweren, wenn seine Interessen nach der Wahl bestenfalls eine untergeordnete, schlechtestenfalls gar keine Rolle mehr spielen.

    • Wutbuerger1 sagt:

      „Gleicher Lohn für gleiche Arbeit“, warum nur lässt sich dieser Unsinn nicht ausrotten? Dieser Satz verrät, wer in der Schule in Physik geschlafen hat. Eine seriöse Firma entlohnt nach Leistung, und Leistung ist bekanntlich Arbeit/Zeit. Schon ein Strassenkehrer würde zu Recht protestieren, wenn sein Kollege den gleichen Lohn bekommt, obwohl dieser z.B. nur halb so viele Strassenmeter/Stunde schafft.

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