Wirtschaft brummt. Armut steigt

23. Februar 2015 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Die Rekorde überholen sich. Es heißt, es ginge uns gut. Wir sind Exportweltmeister. Wirtschaft und Börse brummen. Berlin feiert die schwarze Null. Was hat der Bürger davon?

Während der DAX inzwischen über 11.000 Punkten geklettert ist (oder geklettert wurde), hat die Zahl der Armen hierzulande mit 12,5 Millionen Leuten oder 15,5 Prozent der Bevölkerung ebenso Rekordstände erreicht. Gibt es einen Zusammenhang? Am schnellsten wächst laut paritätischem Wohlfahrtsverband die Armut unter den Rentnern. Seit 2006 habe die Armut dort am stärksten zugenommen. Tja, hätten sie früher mal Aktien gekauft, würde man ihnen raten. Aber wovon?

Trotz angeblich fallender Preise fällt es mehr und mehr Leuten schwer, einen Kapitalstock zu bilden bzw. etwas zu sparen. Zudem scheinen die Billionen an frischen Geldern zu versickern, und zwar bei denen, die am dichtesten an der Druckerpresse sitzen, was die These von Richard Cantillon unterstreicht, uns das weltweit. So ist der Börsenwert der US-Aktien inzwischen über 22 Billionen US-Dollar gestiegen. Der DAX ist inzwischen nicht nur 1,2 Billionen Euro schwer geworden, sondern ist weiterhin so beliebt wie ein Wasserrohrbruch.

Möglicherweise ist ja auch die Statistik fehlerhaft und sollte angepasst werden, bis dieses Phänomen verschwindet. Im Arbeitsmarkt funktioniert das doch auch. Von den US-Amerikanern lernen heißt in diesem Fall siegen lernen. Schließlich gibt es dort 93 Millionen Leute, die dem US-Arbeitsmarkt wohl wegen Reichtum gar nicht erst zur Verfügung stehen bzw. fast viermal so viele Empfänger von Lebensmittel-Zuschüssen wie Arbeitslose selbst. Seltsam.

Die ersten Schritte hierzulande sind längst erfolgreich umgesetzt worden. Oder wie erklärt sich, dass es bei 3,03 Millionen Arbeitslosen im Januar fast acht Millionen Leistungsempfänger gibt? Es ließe sich ja vermuten, dass man durch Arbeit auch arm werden oder zumindest arm bleiben kann.

Und was ist das? 40 Prozent der Rentner werden bis 2030 unterhalb der Armutsgrenze leben, so der paritätische Wohlfahrtsverband. Sie sitzen bekanntlich am weitesten weg von der Geldquelle der EZB. Es wird angemerkt, die zunehmende Armut trotz eines sich selbst-überholenden Boom seien Folgen „politischer Unterlassungen“. Dabei wurde viel unternommen, um beide Aufschwünge zu beschleunigen wie mit der Agenda 2010. Niemandem soll es schlechter gehen, dafür vielen besser. Ach, das war jemand anderes.

Wenn Wirtschaftsleistung und Armut parallel verlaufen, haben wir ja eine glänzende Zukunft vor uns, zumindest statistisch gesehen.

Das Beste kommt aber erst noch – wenn die EZB die Inflation endlich angeschoben hat und diese dann aus dem Ruder läuft. Die Zinsen können dann wegen der gigantischen Schuldenberge unmöglich auf normale Niveaus steigen, dafür aber die Preise schneller als die Löhne. Und als kleinen Nachtisch gibt es dann noch die Erfahrung, dass die Altersvorsorge leider nicht das halten konnte, was sie früher mal versprochen hatte. Wenn 99 Prozent nichts haben und ein Prozent alles, ist der Spaß spätestens vorbei.



 

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2 Kommentare auf "Wirtschaft brummt. Armut steigt"

  1. rote_pille sagt:

    wiederholen sie jetzt die MSM? der „drastische“ anstieg von 15 auf 15,5% wird nur auf uns losgelassen um weiter interventionen und „soziale“ umverteilungen zu rechtfertigen. also das, was die armut erst schafft. man hört schon das kichern aus lenins grab.

    Edit vom Admin: Dauerkleinschreibung bei uns nicht erwünscht

    • Skyjumper sagt:

      Na ja; Diese 3,3 % Steigerung sind vielleicht statistisch gesehen nicht gerade drastisch. Würden Sie jedoch zu den rund 400.000 Personen gehören die jetzt statisch zu den Neuarmen gehören würden sie das vielleicht anders sehen.

      Es gibt allerdings tatsächlich keinen Grund den Anstieg zu dramatisieren. Tatsächlich ist eben die Bezugsgrenze deutlich angehoben. Wenn die Erwerbseinkünfte und die Kapitaleinkünfte steigen, steigt eben auch jene imaginäre 60 % – Grenze ab deren Unterschreitung man als armutsgefährdet (nicht als arm) gilt.
      Und folgerichtig ist es auch primär die Gruppe der Rentner bei denen die Armutsgefährdung am rasantesten steigt, die also wohl auch den größten Anteil der Steigerung von 15,0 auf 15,5 % ausmachen. Denn die Rentenbezügen sind nunmal deutlich geringer gestiegen als die Erwerbs- und Kapitaleinkünfte.

      Solange die Preissteigerungen sich noch halbwegs in Grenzen halten, und bezogen auf lediglich ein Jahr, ist das noch zu verschmerzen. Betrachtet man das jedoch über einen längeren Zeitraum, und/oder ziehen die Preise tatsächlich auf richtig breiter Front an, dann ist die Rentnergruppe die erste die es so richtig erwischen wird. Und es gibt immerhin schon 22 Mio. Rentenempfänger in Deutschland, also keine ganz kleine Gruppe.

      Davon abgesehen ist eines nun mal tatsächlich Fakt. Man darf den staatlichen Umverteilungsorgien sicherlich sehr sehr kritisch gegenüber eingestellt sein (bin ich auch). Doch tatsächlich haben wir bereits eine Vermögenskonzentration und eine Ungleichheit bei den Einkommen erreicht, die im historischen Rückblick betrachtet jeweils nichts gutes bedeutet haben. Und die Tendenz der Unwucht beschleunigt sich immer weiter. Das kann einfach nicht ewig gut gehen.

      Im übrigen rate ich jedem der die staatlichen Umverteilungsorgien (zu Recht) anprangert, sich ALLE Formen der Umverteilung anzusehen. Denn auch dass die Reichen immer reicher, und die Armen immer ärmer werden ist eine Umverteilung. Und auch diese Umverteilung ist weitgehend staatsgesteuert.

      Wer tatsächlich glaubt dass es dem Staat (egal welche Coleur gerade an der Regierung ist) um Ausgleich ginge, der irrt gewaltig (und befindet sich damit wahrscheinlich in einer Mehrheitsposition). Dem Staat geht es in allererster Linie darum möglichst VIEL durch seine Konten laufen zu lassen. Dabei ist es ihm völlig wurscht von wem es kommt und wohin es geht. Hauptsache es geht durch seine Taschen. Und jedesmal bleibt a) was kleben, und werden b) Abhängigkeiten geschaffen.

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