Wird Trump im Sumpf versinken?

25. November 2016 | Kategorie: RottMeyer

von Bill Bonner

Knüpfen wir heute hier im Tagebuch an Mr. Trumps triumphierende Armee an, die in Richtung Washington marschiert.
Nach seinem Sieg über die Streitkräfte von Hillary Clinton und dem Establishment … wendet er nun seinen Blick der Hauptstadt zu. In ein paar Wochen wird er dann dort ins Geschehen eingreifen…

Schaufeln und Pumpen

Mr. Trump hat die Nation zweimal überrascht. Zuerst stürzte der Amateurpolitiker Jeb Bush im Sande von Florida. Dann überflügelte er Frau Clinton im oberen Mittleren Westen. Clinton war die Favoritin. Aber sie kämpfte eine einfallslose Schlacht mit Söldnertruppen, die keine Lust auf echte Kämpfe hatten.

Herr Trump lockte Bürger-Soldaten aus den Höhlen von West Virginia und den alten industriellen Vororten von Gary, Indiana, heraus. Sie erschienen auf dem Schlachtfeld wie aus dem Nichts und griffen die ehemalige Aussenministerin an ihren exponierten Flanken an. Sie seien die „Bedauernswerten“ hatte sie gesagt; aber sie kämpften gut. Und jetzt, wo er diese beiden Heeresgruppen aus dem Feld gefegt hat, rückt Mr. Trump gen Washington vor.

„Ich werde den Sumpf trockenlegen“, hat er versprochen.

Jüngst haben wir viel Zeit mit einem alten Freund, der den Sumpf gut kennt, verbracht.

David Stockman war ein sehr junger Kongressabgeordneter aus Michigan, als Ronald Reagan ihn aufforderte, Drainagegräben zu graben und als sein „Chefhaushalts-Ingenieur“ zu fungieren.

Reagan war ein „Außenseiter“, ein Schauspieler aus Kalifornien, kein Profi-Politiker.

Auch er hatte den Kandidaten der Insider geschlagen – Präsident Carter. Und er brachte auch Schaufeln und Pumpen mit, als er in Washington ankam.

„Ja, die Parallelen sind sicherlich da“, erzählte uns Stockman.

„Ich habe inzwischen mit dem Trump-Team Kontakt aufgenommen. Ich habe sogar ein Buch über Trump geschrieben. Aber die Jungs werden überrascht sein. Sie haben einfach keine Ahnung, worauf sie stoßen. „

Abhängig von Schulden

Aber um das abzurunden sei erwähnt, dass wir eine Wirtschaft haben, die von Schulden abhängt. Banken leihen neues Geld in das System hinein – und zwar „ex nihilo“ – aus heißer Luft. Ohne diese neuen Kredite fällt die Geldmenge, da die alten Schulden ja bereinigt werden. Ohne noch mehr Geld fällt die Wirtschaft in die Stagnation.

Unser Freund und Ökonom Richard Duncan schätzt, dass Kredit (Schulden) um mindestens 2% pro Jahr steigen muss. Andernfalls verfällt die Wirtschaft in eine Rezession.

In den letzten 35 Jahren sind die Zinssätze gefallen … um die Kreditaufnahme zu erleichtern. Nun gibt ex extrem viele Schulden im System – $ 63 Billionen in den USA allein – aber es ist nicht mehr viel Spielraum vorhanden, mit den Zinssätzen noch weiter nach unten zu gehen.

„Die Geldpolitik ist erschöpft“, sagt David. „Jeder weiß das. Was sie ABER ALLE nicht wissen, ist, dass die Fiskalpolitik auch erschöpft ist. „

Donald J. Trump hat versprochen, der Wirtschaft zu einem jährlichen Wachstum von 4% zu verhelfen. Um das zu erreichen, muss er stimulierend tätig werden.

Die Experten werden ihm sagen, dass er dazu nur zwei Werkzeuge zur Verfügung habe: monetäre oder fiskalische Anreize (Er hat uns leider nicht gefragt: wir würden ihm raten, in New York zu bleiben.)

Der „Reflations-Trade“ – Wetten auf steigende Aktien- und Rohstoffpreise und fallende Anleihenkurse – ist eine Glücksspielwette auf mehr Inflation; es ist eine Wette, dass Mr. Trump die Rotation vom geldpolitischen Stimulus hin zum fiskalpolitischen Stimulus schafft. Langfristig halten wir es für eine gute Wette.

Inflation ist exakt das, was „The Donald“ verspricht. Aber der fiskalische Stimulus bedarf der Zustimmung des Kongresses.

Und diese wird er wohl nicht bekommen.

Das ist vielleicht die größte Überraschung für Mr. Trump. Er wird wohl den Sumpf nicht trockenlegen.

Die Gefahr besteht, dass er darin versinkt.

Sumpf-Alligatoren

Jüngst haben wir hier im Tagebuch zwei Varianten auf die Agenda gebracht:

Entweder der Kongress stimmt Mr. Trump zu und die Kredit-Blase endet in einem inflationären Blow-up …

… oder er verweigert sich – weigert sich weiteren steuerlichen Stimulus zu gewähren – und das Ergebnis wird eine deflationäre Katastrophe sein.

Es gibt natürlich mehr Drehungen, Wendungen und Nuancen in diesem „Theaterstück“. Aber das ist die grundlegende „Agenda“. Stockman glaubt und ist der festen Überzeugung, dass der Sumpf Mr. Trump, seine Armee und seine großen Budgetpläne verschlingen wird.

„Ich habe das alles schon „live“ erlebt. Es gibt Alligatoren in diesem Sumpf „, sagt David und zeigt seine Narben.

Jeder Alligator wird für seine eigene Subvention, seine Ausgaben, sein Budget, seine Steuerbefreiung, seinen Job, seine Macht, seine Agentur und sein „Haustierprojekt“ kämpfen. Es wird ein wilder Kampf werden – Blut wird im Wasser des Potomac sichtbar werden.

Republikaner werden auf Kürzungen bei sozialen Programmen beharren. Als Bedingung für ein Mehr an Ausgaben für die Infrastruktur und das Militär. Demokraten werden sich weigern, den Programmen von Mr Trump zuzustimmen, wenn nicht soziale Programme bewahrt werden.

Jeder Schritt, den der neue Präsident unternimmt, bringt ihn tiefer in den Sumpf.

Als klares Fazit bringt es der hoch geschätzte Herr Stockman wie folgt auf den Punkt:

„Das Programm von Ronald Reagan hat nicht überlebt.

Das Programm von Trump wird auch nicht überleben.“

Quelle: Kapitalschutz-Akte
Wird Trump im Sumpf versinken? (von Bill Bonner)
Weitere Informationen: Investor Verlag

 

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